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Jeden Tag eine gute Tat

Ehrenamtlicher Besuchsdienst in Nauen sucht Freiwillige Jeden Tag eine gute Tat

Der ehrenamtliche Besuchsdienst in Nauen sucht Freiwillige, die einsamen Menschen durch ihre Besuche eine Freude bereiten wollen. Bei der Arbeit geht es einfach darum, für die Menschen da zu sein, mit ihnen eine gute Zeit zu verbringen und ihnen zuzuhören.

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Quelle: Melanie Höhn

Nauen.  Manchmal geht es ganz schnell. Von einem auf den anderen Tag bricht der Boden unter den Füßen weg, weil der geliebte Partner verstorben ist und keine Angehörigen mehr in der Nähe wohnen. Dann wird sie immer präsenter und oft unerträglich: Einsamkeit. Hier setzt das Programm "Einsamkeit im Alter ‒ was nun?" des ehrenamtlichen Besuchsdienstes in Nauen an und will mit Hausbesuchen vereinsamte Menschen wieder in die Gesellschaft integrieren. Das Kompetenzzentrum Havelland ‒ die Agentur für bürgerschaftliches Engagement ‒ hat das Projekt ins Leben gerufen. Erst im Januar begann das Vorhaben für Nauen und seine Ortsteile nach dem Vorbild der Region Falkensee.

Momentan arbeiten für den Besuchsdienst erst sieben Ehrenamtliche im Raum Nauen. Weitere Helfer werden händeringend gesucht, denn der Bedarf ist groß, sagt Gisela Wolter, eine der ersten Ehrenamtlichen des Projektes aus Wachow/Niebede. Sie kümmerte sich viele Jahre im ambulanten Dienst in Berlin um Pflegebedürftige, die sie in deren häuslichen Umfeld betreute. "Die Arbeit mit Menschen ist das A und O, worum es mir geht", erzählt sie. Auch im Rentenalter wollte sie nicht aufhören, für hilfsbedürftige und einsame Menschen da zu sein und sie zu begleiten. Dann fand die examinierte Altenpflegerin durch Zufall einen Flyer des ehrenamtlichen Besuchsdienstes und konnte sich die Arbeit gut vorstellen. "Mir geht es darum, dass diese Menschen zufriedener sind. Denn Einsamkeit ist die schlimmste Krankheit, die es gibt", sagt die 62-Jährige. Aus ihren Erfahrungen weiß sie jedoch, dass einsame Menschen oft gar nicht wollen, dass jemand zu ihnen kommt.

Die Havelländerin betreut eine 77-jährige und eine 85-jährige Frau, die sich auch beide kennen. "Wir machen Spielenachmittage, führen lange Gespräche oder hören Musik", beschreibt Wolter ihre Arbeit. Oft tauschen sie auch Rezepte aus, gehen zusammen zu Dorffesten und erzählen von alten Zeiten. Im Sommer will sie die Frauen in Karls Erlebnis-Dorf nach Elstal einladen. Gisela Wolters Mann und ihre Familie finden das ehrenamtliche Engagement der Rentnerin toll, die Tätigkeit ist ihr "Salz in der Suppe", wie sie sagt. In ihrem Heimatdorf Wachow spricht sie auch mit Nachbarn und Bekannten über ihre Tätigkeit und versucht, weitere potenzielle Ehrenamtliche zu überzeugen.

Gisela Wolter trifft sich zwar oft mit ihren zu betreuenden Frauen in deren häuslichen Umfeld, das muss jedoch nicht sein. Wer sich engagieren will, kann auch einfach mit den hilfsbedürftigen Menschen spazieren gehen oder zusammen auf einer Bank sitzen und reden. Den kostenlosen Besuchsdienst können auch Menschen in Anspruch nehmen, die sich in einer betreuten Wohneinrichtung einsam fühlen. Auch wer beispielsweise zweimal pro Woche in eine Tagespflege geht, kann an den anderen Tagen einen Ehrenamtlichen empfangen, erklärt Wolter. Auch die einzelnen in Nauen ansässigen Pflegeeinrichtungen wissen um das Projekt und haben eine Zusammenarbeit zugesagt.

Simone Kroh vom Kompetenzzentrum Havelland weiß, dass die Besuche auch viel mit Vertrauen zu tun haben. Dem sind sich auch ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter bewusst, die so sensibel wie möglich an die einsamen Menschen herantreten. Das Handwerkszeug dazu bekommen sie zusätzlich auf einer dreitägigen Schulung. "Es ist wichtig, dass die Person sich aufgehoben fühlt in dieser Gemeinschaft," erklärt Kroh. "Es geht auch viel um gemeinsame Interessen wie beispielsweise Stricken, Kochen oder Bilder anschauen", sagt sie. "Jeder kann einen Erfahrungsschatz teilen." Wichtig zu wissen: Alle Personen, die betreuen, sind mit einem erweiterten Führungszeugnis ausgestattet. Und: Bei dem Besuchsdienst geht es nicht um Hauswirtschaft oder pflegerische Tätigkeiten, sondern nur um das gemeinsame Zeitverbringen. Alle Ehrenamtler sind auch automatisch über das Projekt versichert. Simone Kroh als Ansprechpartnerin für das Nauener Projekt nimmt zwar gerne Helfer auf, die schon Erfahrung mit der Betreuung älterer Menschen haben, dies ist jedoch keine Bedingung. Man sollte aber bereit sein, sich mindestens einmal im Monat zu treffen.

Wer Interesse an einer Betreuungstätigkeit hat, kann zum Beratungsgespräch ins Kompetenzzentrum Havelland kommen. Menschen, die sich einen Besuchsdienst wünschen, sollten zunächst ein Erstgespräch mit einer Person ihres Vertrauens führen. Es folgt ein gegenseitiges Kennenlernen und Abstecken des Rahmens und der Wünsche, damit die Betreuung klappt, die Simone Kroh so am Herzen liegt: "Ich lebe nach dem Grundsatz: Jeden Tag eine gute Tat", sagt sie.

Von Melanie Höhn

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