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Havelland Aus dem Leben eines Faun
Lokales Havelland Aus dem Leben eines Faun
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00:33 19.09.2015
Jörg Menge vor dem 2015 entstandenen Bild „Der Spatz in der Hand“.  Quelle: Marlies Schnaibel
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Falkensee/Spandau

 Die Farben in den neuen Bildern sind kräftiger, aber nicht lebensfroher. Die Figuren des Falkenseer Malers Jörg Menge bleiben Suchende, Gierige, Irrende, Getriebene. Der Suggestion seiner Malerei kann sich der Betrachter schwer entziehen: Diese Bilder ziehen magisch an. Menge bleibt ein Zauberer an der Leinwand.

Im Gotischen Haus von Spandau, der ersten Adresse, wenn es um Ausstellungen in dem Berliner Havelbezirk geht, zeigt der Falkenseer seine Malerei unter dem Titel „Aus dem Leben eines Fauns“. Die große Einzelausstellung belegt einmal mehr, dass Menge zu den besten Malern des Landes gehört.

Bilder aus fast 20 Jahren sind in der Spandauer Ausstellung zu sehen. Sie zeigen manche stilistische Wandlung, aber sie zeigen auch, dass sich dieser Maler im Kern treu geblieben ist: Er ist auf der Suche nach dem, was den Menschen ausmacht. Was treibt ihn um? Was verbindet ihn mit seinem Nachbarn? Ist er allein in der Gemeinschaft?

Aber was heißt hier Gemeinschaft. Oft hat Menge seine Figuren in verschlungenen Körpergruppen auf die Leinwand gebannt. Sie scheinen zu schweben, im Wasser, oder in der Luft. Aber es scheint kein leichtes, freudvolles Schweben zu sein. Sondern eines von Spannung und Konflikten getriebenes. Oft erotisch aufgeladen. Die Figuren scheinen aus dem Bild fliehen zu wollen, geradewegs auf uns zu. Fast ist es so, als wollten sie mit ihren großen Händen, mit den langen Fingern nach uns greifen, um uns mitzuziehen in den Strudel ihres Daseins. „Sommergäste“ und „Froschkönig“ sind solche aufgeladenen Menschenbilder.

 Über den Arbeiten von Menge liegt „auch immer ein Firnis der Trauer“, so hat es Christian Michelsen in einem Katalogtext einst über Menges Bilder geschrieben. Menge mag diese Formulierung von der Firnis der Trauer. Und vielleicht liegt darin die Ambivalenz des Künstlers, der selbst als besonders geselliger und fröhlicher Zeitgenosse daherkommt, in seinen Bildern aber die Abgründe menschlichen Seins festzuhalten vermag. Bei aller körperlichen Nähe der oft verschlungenen Figuren bleibt doch jeder für sich. Hier ist nichts Heiteres, Geselliges, Fröhliches.

Menge selbst ist Faun, Narr, Froschkönig, Pierrot. Immer wieder schaut er den Betrachter aus seinen Bildern an – direkt, fordernd. Seine Gabe hat sich früh gezeigt. 1960 in Leipzig geboren, wuchs er in Berlin auf, wo er an der Kunsthochschule Weißensee Malerei und Grafik studierte und schon 1985 seine Bilder im Deutschen Kulturzentrum in Paris zeigen konnte. Nach dem Ende der Studienzeit zog er nach Falkensee, wo es ihn aber nicht allzu lange hielt. Bald pendelte er zwischen Falkensee, Berlin und dem Darß, die offenen Grenzen ließen ihn die Welt erkunden: im Senegal, in Spanien, Frankreich, Schweden. Menge zeigte seine Bilder in Moskau, auf Rügen, in Wien; mit Malerkollegen Helge Warme gestaltete er Hauswände, schuf ein Fries für die katholische Kirche Storkow-Hubertushöhe, fertigte ein Wandbild für den Polstermarkt in Falkensee.

Auch als Dozent war Jörg Menge unterwegs. Von 2003 bis 2008 als Professor an der German Film School for digital production in Elstal, danach an der Mediadesignhochschule Berlin. Da hat er nicht nur seine zeichnerische Sicht auf die Dinge weitergegeben, sondern sich selbst dem Medium Film genähert. Dem war er als junger Mann einmal sehr nahe gekommen, er hatte sich sogar bei der Filmhochschule „Ernst Busch“ beworben, dann aber doch den Weg der Malerei eingeschlagen. Heute macht er selbst Filme, in die seine Maler-Kompetenz einfließt. So war er mit seinem Animationsfilm „Satisfaction“ Teilnehmer des Shortfilmfestivals in Bogotá.

Von Marlies Schnaibel

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