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Havelland Johanniskirche wird buddhistischer Tempel
Lokales Havelland Johanniskirche wird buddhistischer Tempel
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16:41 26.08.2015
Feinschliff am Birnbaum-Ikebana: Ursula Zembrot interpretiert ihr Lieblingsgedicht zur Buga. Quelle: Josefine Sack
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Brandenburg an der Havel

„Der wusste genau, was damals er tat, als um eine Birn’ ins Grab er bat ...“ – diese Zeilen von Theodor Fontane begeisterten Ursula Zembrot schon in jungen Jahren, als sie das berühmte Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ in der Schule lernte. Zur Bundesgartenschau hat die heute 71 Jahre alte Schwäbin aus Aulendorf bei Ravensburg am Bodensee nun endlich die Gelegenheit, ihren Lieblingsvers umzusetzen, und zwar in Form eines Ikebana.

„Ikebana“, das ist japanisch und bedeutet so viel wie „lebendige Blumen“. Es meint die japanische Kunst des Blumensteckens. Von heute an ist dieser meditativen Form des Arrangierens von Blumen eine ganze Schau gewidmet. Noch bis Sonntag, 30. August, können Besucher die japanische Blumenkunst in der Kirche Sankt Johannis in Brandenburg an der Havel bewundern. Organisiert hat die Ausstellung der Ikebana-Bundesverband, der deutschlandweit an die 500 Künstler vereint.

Zum siebten Mal auf einer Gartenschau

Ursula Zembrot verfiel der japanischen Kunst schon in den 1960er Jahren. Damals war sie Schülerin auf dem Gymnasium. Bilder von Ikebana-Gestecken machten sie neugierig. „Ich hatte schon immer Interesse daran, mich ganz auf die Natur einzulassen“, sagt sie rückblickend. Was als Hobby begann, betreibt Zembrot mittlerweile „halbprofessionell“: Als Ikebana-Lehrerin gibt sie Kurse an Volkshochschulen, bietet Workshops in Kirchengemeinden und Vereinen an. Die Havel-Buga ist bereits die siebte Gartenschau, auf der die Pensionärin ihr Können präsentiert. Ihr Beitrag in diesem Jahr: ein kunstvoll arrangierter Ast einer Spalierbirne, an dem kleine Früchte hängen. Callas, auch Drachenwurz genannt, umrahmen Ribbecks Birnbaum: Die weißen Blüten stehen für den „seelenreinen Herrn von Ribbeck“, die gelben für das „Misstrauen gegen seinen Sohn“, erklärt die Ikebana-Schaffende. Was sie an der japanischen Kunst reizt? „Die Begegnung mit der Natur, während man in Ruhe gestaltet, entdeckt man Dinge, die man sonst gar nicht so wahrgenommen hat“, sagt Ursula Zembrot.

Der Prozess des Arrangierens – oder „das Machen“, wie es Dirk Henkelmann formuliert, sei der Hauptunterschied zur klassischen Floristik, so der freischaffende Florist und Ikebana-Lehrer aus Hohen Neuendorf (Oberhavel). Mit der meditativen Form des Blumensteckens kam der heute 48-Jährige zum ersten Mal als Lehrling in Berührung: „Ich habe meine Ausbildung bei einer Japanerin gemacht“, verrät er. Seit 30 Jahren ist er dem Ikebana verfallen. Auf den Spuren der uralten Kunst reiste der Florist sogar für zwei Jahre nach Ostasien.

Die Anfänge des Ikebana reichen bis ins 6. Jahrhundert zurück, als in buddhistischen Tempeln Blumenopfer für die Gottheiten dargebracht wurden. Durch die Jahrhunderte entwickelten sich unterschiedliche Stilrichtungen, die zum Teil durch strengere Regeln gekennzeichnet sind. Auch in Europa hat Ikebana mittlerweile viele Anhänger.

Lebende Blumen vor sakraler Kulisse: In der Johanniskirche in Brandenburg an der Havel fertigen Künstler aus ganz Deutschland fantasiereiche Ikebana-Arbeiten. Dabei werden Blumen, Blüten und Zweige nach uraltem, japanischem Vorbild klassisch oder modern arrangiert. Buga-Besucher können die Werke noch bis zum Sonntag bewundern.

Von Josefine Sack

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