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Jubel, Trubel, Heiterkeit

Büttenredner Martin Grothe ist ein Urgestein des Nauener Karnevals Clubs Jubel, Trubel, Heiterkeit

Seine erste Ansprache ans närrische Volk hielt Martin Grothe im Jahre 1965 beim Nauener Karnevals Club. Bis heute nimmt der 79-jährige Büttenredner in der fünften Jahreszeit Missstände leidenschaftlich gern aufs Korn. Auch Schlüpfriges darf dabei nicht fehlen.

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Wie die zwei Alten in der Muppet Show: Martin Grothe (l.) und Jürgen Nickel als Duo im aktuellen Programm.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Nauen. Es darf gelacht werden! Wer Martin Grothe zu Hause in der Florastraße besucht, kann sich auf einiges gefasst machen, was Scherze oder Anzüglichkeiten betrifft. Schließlich ist er leidenschaftlicher Büttenredner. Und es darf gestaunt werden, sobald sich der Ehrenpräsident des Nauener Karnevals Club „Blau Weiß“ (NKC) an seinen Computer begibt. Per Tastendruck startet er auf dem Bildschirm eine Foto-Reise in die närrische Nauener Vergangenheit. Jede Aufnahme – egal ob in Schwarzweiß oder schon in Farbe – zeigt auch ein Stück Zeitgeschichte.

„Ach, das bin ich ja, bei meiner ersten Rede im Jahre 1965, damals hatten wir noch keine Bütt und der Club war gerade mal ein Jahr alt“, sagt Martin Grothe. Auf dem Bild ist er zu sehen als Seemann aus Ketzin im Ringelhemd, mit weißer Mütze und in kurzen Hosen. „In Ketzin besaßen viele betuchte Nauener damals eine Datsche“, erinnert er sich. „Aber ich natürlich nicht.“

Die Schau auf dem Monitor verläuft nicht unbedingt chronologisch. Ein Sprung in die 1970-er Jahre. Wieder eine Prunksitzung. „Viele Orden für Karnevalisten habe ich damals selbst entworfen und mit der Laubsäge aus Holz oder Plastik geschnitten. Mein Kumpel in einer Metallwerkstatt hat mir die Dinger gegossen. Anschließend musste ich die Stücke sauber schleifen, lackieren und beschriften.“

Ein bisschen Politik gefällig? „Die Genossen von der SED haben gefordert, dass wir im NKC eine Parteigruppe bilden, damit wir den Staat nicht kritisieren. Plötzlich gab es sieben oder acht neue Clubmitglieder. Nach zwei Jahren sind die wieder ausgetreten auf Kommando der örtlichen Parteileitung. Insgeheim haben wir die Bonzen als Dorf-Sowjets bezeichnet.“

Noch ein Foto. Martin Grothe als „Trottel von Nauen“ in der Bütt. „Damals gab es in der Stadt eine Abdeckerei, die tote Tiere verwertet hat. Und am Bahnhof eine Seifenfabrik. Überall Gestank. Daraus haben wir den Schlachtruf ,Nauen – Mief-mief‘ entwickelt.“ Später riefen die Narren dann „Nauen – Hinein!“ Auf Martin Grothes Karnevalisten-Kappe geht die Hymne des NKC. Eine kleine Kostprobe: „Unsere Funkstadt Nauen feiert Karneval – Jubel, Trubel, Heiterkeit herrscht jetzt überall.“

Gedichte verfassen, Lieder schreiben und Reden halten – all das fällt Martin Grothe leicht. „Meine Eltern waren sehr gesellig, wir haben viel gesungen daheim.“ Die Familie zog von Klosterfelde bei Wandlitz ins Havelland. Seit 1954 lebt der heute grauhaarige Herr in Nauen. „40 Jahre habe ich als Funkingenieur im Funkamt Nauen gearbeitet, nach der Wende bei der Telekom bis 1997“, sagt er. Im März feiert er seinen 80. Geburtstag.

Zurück zur fünften Jahreszeit. In seine Büttenreden baut Martin Grothe oft Schlüpfriges ein. „Das lieben die Leute, über blinde Piloten am Steuerknüppel lachen sie. Meine Frau Hannelore ist meine erste und beste Kritikerin. Wenn sie Zotiges entdeckt, sagt sie, ich soll das weglassen. Das mache ich dann auch. Meistens.“ In dieser Saison ist er mit Bäckermeister Jürgen Nickel, der nun auch schon 75 Lenze hinter sich hat, als Duo unterwegs. „Ich trete als Albert-Otto auf und der Jürgen als Klaus-Adolf. Wir amüsieren das Publikum wie die zwei Alten aus der Muppet Show.“ Selbstredend stammen die Dialogtexte von Martin Grothe.

Er blättert emsig in seinem Terminkalender. „Sonnabend, 6. Februar – Kostümfest im Lokal Casa Toro Negro, Nauen. Am Rosenmontag Karnevalsumzug in Friesack.“ Und Aschermittwoch ist alles vorbei? Von wegen. „Am 13. Februar gibt es noch eine NKC-Prunksitzung zum krönenden Abschluss im Toro Negro.“

Wer Martin Grothe bei einem Auftritt erleben will, sollte sich also sputen. Denn er liebäugelt tatsächlich damit aufzuhören. Oder ist das ein schlechter Scherz von ihm?

Von Hans-Peter Theurich

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