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Havelland Jugendarbeit in Nauen: Mikado ist raus
Lokales Havelland Jugendarbeit in Nauen: Mikado ist raus
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00:19 05.10.2015
Wer wollte, konnte bei Mikado auch Mikado spielen – das geht nun nicht mehr. Quelle: Konrad Radon
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Nauen

Es war ein schwarzer Tag für den Verein Mikado: Am Mittwochabend hat der Jugendhilfeausschuss des Kreistags darüber entschieden, an welche Träger die geförderten Stellen in der Kinder- und Jugendarbeit im Havelland ab 2016 vergeben werden, die so genannten PKR-Stellen. Mikado wurde dabei in Nauen komplett übergangen. „Das ist der Super-Gau“, sagte Geschäftsführerin Anke Bienwald.

Konkret geht es um die Stellen des Schulsozialarbeiters in der Arcoschule und im Jugendklub in der Ketziner Straße. Diese werden künftig nicht mehr von Mikado besetzt, sondern von der Caritas beziehungsweise von den Johannitern. Das Jugendamt hatte alle Anträge bewertet und dem Jugendhilfeausschuss jeweils einen Wechsel der Trägers empfohlen. „Die Konzeptionen wurden von uns nach einem bestimmten Kriterienkatalog gemäß der PKR-Richtlinie geprüft“, erklärte Jugendamtsleiterin Sabine Ziemer.

Die Anträge der Johanniter und der Caritas seien jeweils sehr ausführlich und fundiert gewesen, so Ziemer; hingegen sei Mikado in seinen Aussagen in beiden Fällen ziemlich vage geblieben. Zu ihrer Arbeit im Jugendklub hätten die Johanniter einen klaren Schwerpunkt angegeben, nämlich den Einsatz gegen Arbeits- und Perspektivlosigkeit bei Jugendlichen. „Das ist ein ganz großes Thema in Nauen“, sagte Sabine Ziemer. „Der Anbieter passt somit sehr gut zu den Bedürfnissen der Stadt.“

Gleichzeitig hob sie hervor, dass sich die Johanniter für die Entwicklung demokratischen Bewusstseins einsetzen würden. Genau das war bislang allerdings auch ein Schwerpunkt der Arbeit von Mikado, und das nicht erst seit dem Brandanschlag auf eine geplante Asylbewerberunterkunft in Nauen Ende August. „Was Mikado in diesem Bereich gemacht hat, müsste eigentlich jeder wissen“, sagte Ulf Hoffmeyer-Zlotnik vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Mitglied im Jugendhilfeausschuss. „Ich finde es traurig, dass das nicht berücksichtigt wird, bloß weil es vielleicht nicht so konkret im Konzept drin steht.“

Man arbeite mit den Johannitern an anderer Stelle gut zusammen, so Hoffmeyer-Zlotnik, doch der Nauener Ortsverband habe sich in der Vergangenheit nur selten blicken lassen, wenn beispielsweise Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus stattfanden.

Vereinzelte Kritik gab es auch an der Entscheidung die Schulsozialarbeit an der Arcoschule künftig der Caritas zu übertragen. „Da werden vernünftige bestehende Strukturen kaputt gemacht“, sagte Ulrich Schneider vom Kreiselternrat. Auch in diesem Fall begründete das Jugendamt seine Entscheidung mit dem besseren Konzept des Mitbewerbers Caritas.

Am Ende wurde der Vorschlag für alle 37 PKR-Stellen im Kreis mehrheitlich angenommen, auch weil nicht mehr über jede Vergabe einzeln abgestimmt wurde. Der Beschluss hätte nur als Ganzes gekippt werden können – das aber wollte im Ausschuss niemand.

Neue Stellen in der Schulsozialarbeit

Die zusätzlichen Stellen in der Schulsozialarbeit gehen an folgende Träger:

ASB: Diesterweg-Grundschule, Lise-Meitner-Gymnasium (Falkensee), Grundschulen in Schönwalde-Glien.

Mikado: Schulen in Ketzin/Havel.

Human. Freidenkerbund: Hans-Klakow-Oberschule (Brieselang), Heinz-Sielmann-Oberschule (Wustermark).

Für Mikado brechen nun harte Zeiten an, zumal der Verein auch für den Dallgower Jugendklub nicht mehr berücksichtigt wurde, den künftig der ASB übernimmt. „Unsere Arbeit wird ausschließlich mit ehrenamtlichen Kräften sehr viel schwieriger werden“, sagt Anke Bienwald. Im November wolle man auf einer Mitgliederversammlung darüber beraten, wie man sich künftig aufstellen will und welche Projekte unter diesen Voraussetzungen noch zu stemmen sind. „Aktuell ist die Enttäuschung groß“, sagt Bienwald, „aber wir können als Verein auch in Zukunft in Nauen präsent sein.“ In Falkensee sowie in Ketzin/Havel ist Mikado auch weiterhin mit insgesamt fünf PKR-Stellen tätig.

Von Philip Häfner

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