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Havelland Jugend soll mitbestimmen – aber wie?
Lokales Havelland Jugend soll mitbestimmen – aber wie?
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09:24 04.02.2019
Gemeinsam erarbeiteten die Jugendlichen Wünsche, Ziele und Umsetzungsmöglichkeiten für mehr Beteiligung auf Kreisebene. Quelle: Laura Sander
Havelland

Kinder und Jugendliche mit ins Boot holen, an wichtigen Entscheidungen beteiligen, ihnen die Chance einräumen, Politik zu lernen und zu erleben. Dazu ist seit dem letzten Sommer jede Brandenburger Kommune verpflichtet.

Und nicht nur Städte, Gemeinden oder Ämter stehen mit Beschluss des Paragrafen 18a vor einer großen Herausforderung. Auch Landkreise werden in die Pflicht genommen, Beteiligungsformate für Kinder und Jugendliche zu schaffen.

Wie erreicht man die Jugend

Wie erreicht man die Jugend im Havelland? Welches Format findet Anklang? Wie häufig sollten Kinder und Jugendliche zusammenkommen und in welcher Form? Um diese und andere Fragen zu beantworten, lud Landrat Roger Lewandowski (CDU) junge Havelländer Donnerstagnachmittag zu einem Kinder- und Jugendforum in das Nauener Oberstufenzentrum ein.

„Viele Jugendliche wissen gar nicht, was sie alles können und dürfen. Sie tun Politik damit ab, dass sie ja eh kein Recht dazu haben, mitzuentscheiden", sagte die 15-jährige Vivien Künzel aus Brieselang.

Informationen an der falschen Stelle

Mangelnde Information oder besser die Information an der falschen Stelle seien dafür ausschlaggebend. Schnell wurde klar: Um eine digitale Revolution wird die Kreisverwaltung wohl nicht herumkommen. Um Informationen schnell unter die Leute zu bringen, sollte es im Optimalfall Social Media sein.

Facebook und Instagram wären passende Medien, die die Jugendlichen täglich nutzen. Nur so könne die nötige Reichweite entstehen. Eine eigene Webseite mit Inhalten, Sitzungskalender und Vorlagen in ansprechendem Design, frisch und stylisch, um das Interesse zu wecken: Grundvoraussetzung für die Generation Smartphone.

Beteiligungsrecht von Kinder und Jugendlichen

Kommunen in Brandenburg sind seit dem 30. Juni 2018 verpflichtet, Kinder und Jugendliche in allen sie berührenden Angelegenheiten zu beteiligen. So schreibt es der Paragraf 18a der Brandenburger Kommunalverfassung vor.

Kommunen müssen dafür Beteiligungsformate einrichten und nachweisen, auf welche Art sie die Beteiligung sichergestellt haben.

Mit der Stärkung ihrer Rechte können Kinder und Jugendliche ihre Interessen selbstbestimmt vertreten und direkt erfahren, wie Demokratie funktioniert.

Die Fachstelle Kinder- und Jugendbeteiligung Brandenburg unterstützt Kommunen bei der Entwicklung von Beteiligungsstrukturen.

„Eine Webseite ist die Basis, ein eigener Instagram-Account der nächste Schritt“, sagte Jonathan Manti vom Falkenseer Jugendforum, der in den vergangenen Monaten mit dieser Methode gute Erfahrungen gemacht hat. „Aushänge am schwarzen Brett oder Ankündigungen auf der Kreis-Webseite haben nicht diese Reichweite“, ergänzte Kollege Lennart Meyer.

Gerade auf Kreisebene seien die Jugendlichen auf das Digitale angewiesen. Mit seinen über 1700 Quadratkilometern ist das Havelland zu groß für Spontanzusammenkünfte oder die Teilnahme an jedem Ausschuss.

Über eine Stunde Anfahrt ok?

Über eine Stunde Anfahrt, dank väterlicher Unterstützung mit dem Auto, nahmen am Donnerstag auch Cecilia (16) und Helene (15) aus dem westhavelländischen Havelaue in Kauf, um in Nauen dabei zu sein. Regelmäßige Treffen eines möglichen Jugendgremiums wären aufgrund der Entfernungen mit einem großen Zeitaufwand verbunden und daher nicht attraktiv. „Hinzu kommt, dass diejenigen, die sich auf Kreisebene engagieren werden, auch in ihrer Kommune am politischen Leben teilhaben wollen und neben Schule, Ausbildung oder Studium sowieso eingebunden sind“, so Lennart Meyer.

Langfristige Planung unabdingbar

Planungssicherheit, langfristige Termine und ein Ansprechpartner, der Treffen und Kontakte koordiniert, seien für eine konstruktive Jugendbeteiligung daher unabdingbar.

Ob Busverkehr oder Schulentwicklungsplan: Künftig sollen Kinder und Jugendliche dennoch in alle Entscheidungen einbezogen werden, die sie betreffen. „Und das möglichst in einem frühen Stadium, so dass Änderungswünsche noch diskutiert und eingearbeitet werden können“, so Roger Lewandowski. Die Herausforderung: „Viele Vorlagen, Beschlusstexte oder Anträge sind so kompliziert formuliert, dass es Menschen ohne politische Erfahrung leicht überfordert“, so Jonathan Manti. Einfache Formulierungen und Erklärungen an der einen oder anderen Stelle könnten für Politik-Einsteiger hilfreich sein.

24.000 Kinder und Jugendliche können mitbestimmen

Gemeinsam mit Ausschussmitgliedern beraten, in ihrem Landkreis etwas verändern – theoretisch hätten dazu rund 24 000 Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre im Havelland die Gelegenheit. Doch was für Jugendliche mit Fahrtwegen, einem bislang fehlenden Konzept und den gewünschten digitalen Neuerungen schwierig ist, wird auf Kita- und Grundschulebene zu einem scheinbar unüberwindbaren Problem. „Wie erkläre ich einem Kita-Kind den Kreishaushalt? Wie soll ich die Meinung eines Kleinkindes abfragen und es an politischen Entscheidungen beteiligen“, fragt sich der Landrat.

In der kommenden Sitzung des Kreistages soll ein erster Entwurf der neuen Satzung für die Beteiligung junger Menschen vorgestellt werden.

Von Laura Sander

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