Volltextsuche über das Angebot:

29 ° / 18 ° Gewitter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Jugendstilvilla wird saniert

Rathenow Jugendstilvilla wird saniert

Die altehrwürdige Jugendstilvilla an der Kreuzung Friedrich-Ebert-Ring/Berliner Straße soll in neuem Glanz erstrahlen. Der Rathenower Unternehmer Werner Knake hat das Haus im letzten Jahr gekauft, dessen Bestand gesichert und sich nun mit zwei Partnern zusammengetan, um die Villa zu sanieren. Er hat schon eine Idee, wie das Haus künftig genutzt werden kann.

Voriger Artikel
Streit um Problembau am Kirchgang beigelegt
Nächster Artikel
Feuerwehr bald ohne Depot

Diese alte Ansichtskarte zeigt die Jugendstilvilla. Zu DDR-Zeiten wurde sie als Wohnhaus genutzt.

Quelle: Privat

Rathenow. Es gibt nur noch wenige Häuser in Rathenow, die an längst vergangene Zeiten erinnern. Einzig die Bahnhofstraße und der Kirchberg sowie alte Ansichtskarten lassen erahnen, wie die Stadt an der Havel vor dem Krieg aussah. Umso wichtiger ist es vielen Rathenower Bürgern, die wenigen, noch vorhandenen Objekte zu bewahren und sie nicht dem Verfall Preis zu geben, so wie im Fall des ehemaligen Offizierscasinos. Viele hoffen, dass die Jugendstilvilla an der Kreuzung Friedrich-Ebert-Ring/Berliner Straße nicht ein ähnliches Schicksal ereilt.

Immer wieder melden sich Rathenower bei der MAZ, um zu erfahren, was aus dem Haus wird und warum sich niemand darum kümmert. Das Objekt scheint den Menschen am Herzen zu liegen. Deshalb dürfte die Nachricht, dass die Villa schon bald in neuem Glanz erstrahlen soll, nicht wenige erfreuen. Der Rathenower Unternehmer Werner Knake hat das Haus im letzten Jahr gekauft, dessen Bestand gesichert und sich nun mit zwei Partnern zusammengetan, um die Villa zu sanieren und wieder nutzbar zu machen.

Schon bald könnte eine Arztpraxis in die Villa einziehen

„Nach meinen Radtouren saß ich häufig im Biergarten des Waldschlösschens und sah zwangsläufig auf dieses Haus. Immer wieder habe mich gefragt, wieso mit einem so schickem Objekt über Jahrzehnte nichts passiert“, erinnert sich Werner Knake. „Es ist ja im Prinzip ein kleines Schloss Schwanenstein, warum also will es niemand ausbauen, es nutzten?“ Diese Überlegungen kreisten lange in seinem Kopf bis er im September 2015 in der MAZ einen Artikel über jenes Haus las. Ein Leser wollte wissen, ob die Stadt den Eigentümer nicht dazu bewegen kann, das Haus herzurichten. Daraufhin griff Werner Knake zum Telefon.

„Ich fand heraus, dass das Haus einer russischen Familie gehörte, die es verkaufen wollte. Also kontaktierte ich einen Immobilienhändler und sah mir die Villa genauer an.“ Das hatten vor ihm angeblich schon alle, die in der hiesigen Bau- und Immobilienbranche Rang und Namen haben, getan. Gekauft hatte das Haus aber keiner. „Jeder meinte, es ist nichts wert und es lässt sicht nicht vermarkten, man könnte damit kein Geld verdienen. Aber genau solche Sachen reizen mich – wenn alle sagen, das geht nicht, muss ich es versuchen.“

Das Investorenteam von links

Das Investorenteam von links: Olaf Schanzenbächer Werner Knake und Thorsten Dolla.

Quelle: Privat

Knake, der selbst kein Bauspezialist ist, sah sich das Haus mit wachen Augen an. „Das Dach ist in Ordnung und das Parket sieht aus, als wäre es gestern verlegt worden“, berichtet Knake. Im Sommer 2016 ließ er das Fundament trocken legen, die Dachrinnen abdichten und kümmerte sich um die Medienversorgung. Da es als typisches Herrenhaus konzipiert wurde – mit einer Treppe, großem Eingangsbereich und Flur – eigne es sich nicht als klassisches Mietshaus. Dennoch kann man das Haus so gestalten, dass es genutzt werden kann, davon ist Werner Knake überzeugt. „Der Erbauer der Villa hatte das Objekt vor etwa einhundert Jahren als eine Art Eingangstor zur Stadt errichtet, genau das soll es auch wieder werden. Es ist sehr repräsentativ und günstig gelegen in Bahnhofsnähe. Ich denke, dass es für eine Arztpraxis ideal wäre“, so der Unternehmer.

Die Fassaden wurd für Erich Honecker rosa gestrichen

Mit dieser Idee wandte er sich an den Berliner Arzt Thorsten Dolla. Der hatte Interesse an einem gemeinsamen Projekt und holte den Bauunternehmer Olaf Schanzenbächer mit ins Boot. Beide kannten das Haus von Besuchen der Kreisstadt zur Bundesgartenschau und sehen darin, genau wie Werner Knake, Potenzial. Also schlossen sie einen Vertrag und wollen nun gemeinsam das in die Jahre gekommene Schmuckstück sanieren. Eigentümer des Hauses ist jetzt Thorsten Dolla, Werner Knake ist aber weiterhin auch finanziell an dem Vorhaben beteiligt.

„Wir suchen derzeit nach einem Arzt – ein Orthopäde, Augen- oder Hautarzt – alles, was in Rathenow gebraucht wird, der in der Villa eine Praxis eröffnet“, so Knake. Noch in diesem Jahr sollen dann die Arbeiten beginnen und bis Ende 2018 abgeschlossen werden. Gespräche mit der Denkmalschutzbehörde und der Stadtverwaltung gab es bereits. „Die Zusammenarbeit ist wirklich sehr gut“, freut sich Werner Knake.

Noch nagt der Zahn der Zeit an der Jugendstilvilla in Rathenow

Noch nagt der Zahn der Zeit an der Jugendstilvilla in Rathenow. Das soll sich aber schon bald ändern. Hier könnte Ende nächsten Jahres eine Arztpraxis einziehen.

Quelle: Christin Schmidt

Rathenows Stadtplaner Jens Hubald begrüßt das Vorhaben. „Aus städtebaulicher Sicht ist das Haus durchaus relevant, immerhin schaut jeder auf das Gebäude, der aus Richtung Friesack kommend nach Rathenow reinfährt. Hier sollte also auf jeden Fall etwas passieren. Deshalb werden wir die Bemühungen des Investors nach Kräften unterstützen, natürlich nicht finanziell, aber durch eine kooperative Zusammenarbeit“, verspricht Jens Hubald.

Wie Werner Knake berichtet, habe sich die Stadt bereit erklärt, auf einem Nebengrundstück die nötigen Parkplätze zu schaffen. Der Unternehmer ist sichtlich erleichtert, dass ein langgehegter Wunsch nun in Erfüllung geht. „Dieses Haus muss einfach für Rathenow erhalten bleiben. Wenn es die Stadt nicht kann, müssen es Unternehmer in die Hand nehmen“, betont Knake. Übrigens soll der Anstrich des Hauses Erich Honecker zu verdanken sein. Als der nach Rathenow zu Besuch kam, wurde die damals schäbige Fassade kurzer Hand gestrichen. Offenbar war gerade Rosa im Angebot. So kam die Villa wohl zu ihrem eigenwilligen Anstrich. Werner Knake gefällt die Farbe.

Von Christin Schmidt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg