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Junge Bands bangen um ihr „Zuhause“

Rathenow Junge Bands bangen um ihr „Zuhause“

In den letzten 20 Jahren hat sich in den ehemaligen Askania Werken eine rege Kulturszene etabliert. Hip Hop, Rock, Metal – etwa 15 Bands proben hier Woche für Woche. Nun soll das Gebäude verkauft werden. Musiker und Künstler fürchten, dass es das Aus für die kreative Gemeinschaft ist und appellieren an Stadt und Landkreis, sie zu unterstützen.

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Künstler und Musiker, die seit Jahren in den Askania-Werken proben, fürchten das Aus der Szene, wenn das Gebäude verlauft wird.

Quelle: Christin Schmidt

Rathenow. Wenn Rathenow in gut zwei Wochen das 27. Stadtfest feiert, werden auch wieder zahlreiche regionale Bands das Programm bereichern. Immerhin hat die hiesige Szene mehr als 20 Bands zu bieten, die regelmäßig das kulturelle Leben der Region bereichern. Dass sich in der havelländischen Kreisstadt relativ viele Gruppen etabliert haben, kommt aber nicht von ungefähr.

In den ehemaligen Askania-Werken zwischen Berliner Straße und Geschwister-Scholl-Straße fanden in den letzen 20 Jahren zahlreiche Musiker und Künstler ein Zuhause. Die günstige Miete von rund hundert Euro pro Monat für einen Proberaum trug dazu bei, dass sich eine eigene, unabhängige Szene entwickeln konnte.

15 Bands proben in den Rathenower Askania-Werken

Musiker, Licht- und Feuerkünstler, Unterhaltungskünstler, Sport- und Tanzgruppen, kleine Gewerbeeinheiten und der Club des Vereins „Brücke“ sind hier zu Hause. Die zum Teil widrigen Bedingungen – keine Heizung, Vandalismus, marode Elektrik, feuchte Wände – nahmen alle in Kauf, um sich kreativ austoben zu können.

Doch nun fürchten die Mieter das Aus der Szene, denn das gesamte Objekt soll verkauft werden. „50 bis 60 Menschen sind davon betroffen“, mahnt Daniel Bree. Er probt hier mit seiner Band „Mehrweg“ seit 1998. Aktuell gibt es etwa 25 Mietparteien, davon allein 15 Bands.

„Für uns ist das ein zweites Zuhause. Wir sind eine Gemeinschaft und bereichern das Kulturleben. Nicht zuletzt ist es ein Anlaufpunkt für junge Leute“, sagt Volker Blankenburg, Schlagzeuger der Gruppe Pandora. Er fürchtet, dass schon bald die Hip Hop Beats, die rockigen Klänge und die harten Metal Riffs in dem alten Gebäude verstummen.

Julien Glapski im Proberaum seiner Band „The Anulus“

Julien Glapski im Proberaum seiner Band „The Anulus“.

Quelle: Christin Schmidt

Der Licht- und Tonkünstler Danny Musial, der sich ebenfalls hier eingemietet hat, erinnert daran, dass die Szene auch der Stadt zugute kommt: „Kneipennacht, Stadtfest und andere Events wurden durch die Künstler dieses Hauses bereichert. Wenn man allerdings will, dass Rathenow ein großes Altersheim wird, muss man nur so weitermachen und die Jugend vernachlässigen“.

Julien Glapski, Sänger der Band „The Anulus“, probt seit 2013 in den Askania-Werken. Er hat wie die anderen seither einiges investiert. „Wir waren immer bereit, selbst Dinge zu reparieren. Erst vor wenigen Wochen mussten wir nach dem Starkregen den Keller allein trocken legen, um unsere Instrumente zu schützen“, berichtet der 27-jährige Musiker. Er hofft, dass all die Mühe nicht vergebens war.

Musiker und Künstler bitten Landkreis und Stadt um Hilfe

Derweil versucht Christian Wernicke, Mitinhaber der Berliner Firma SMV, die das Areal zu einem lebendigen Stadtquartier entwickeln will, die jungen Musiker zu beruhigen. Noch seien die alten Mietverträge mit den Askania-Verwaltern gültig. Sobald sich die Besitzverhältnisse auf dem Grundstück änderten – die SMV steht in Kaufverhandlungen mit den Eigentümern Fielmann und Askania – werde man das Gespräch mit den jungen Leuten suchen.

Wernicke, der in Rathenow lebt, versicherte, dass auch in dem neuen Quartier Platz sein werde für Nachwuchsbands. „Wir wollen den jungen Leuten nichts wegnehmen“, sagt er. Im Gegenteil. „Wir sind sehr daran interessiert, dass das neue Viertel belebt wird.“ Natürlich werde auf dem Gelände während des Umbaus nicht geprobt werden können. Aber er sei sicher, dass sich in Zusammenarbeit mit der Stadt für die Bauzeit eine Übergangslösung finden lasse, sagte er.

Daniel Bree und seine Mitstreiter sind skeptisch: „Wenn das Objekt saniert wird, sind die Mieten für uns nicht mehr zu bezahlen.“ Bree bezweifelt auch, dass es möglich ist, die Räume derart schalldicht zu machen, dass andere Mieter sich nicht gestört fühlen. Er und die anderen Musiker und Künstler appellieren deshalb an die Stadt und den Landkreis, mit ihnen gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.

Sie haben sogar schon eine Idee für ein Ausweichobjekt: die alte Musikschule in der Großen Hagenstraße. „Mit dem großen Saal und den kleinen Proberäumen wäre dieses Objekt ideal“, meint Daniel Bree. Er hat dort früher selbst Unterricht gehabt und verbindet wie viele Rathenower mit diesem Gebäude Kindheitserinnerungen.

Von Christin Schmidt und

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