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Junge Flüchtlinge auf der großen Bühne

Rathenow Junge Flüchtlinge auf der großen Bühne

16 junge Menschen aus Syrien, Afghanistan, Somalia und dem Sudan führten im Theatersaal des Kulturzentrums „Die Geschichte vom Kalif Storch“ auf und wurden dafür mit tosendem Applaus belohnt. In einer anschließenden Diskussionsrunde lernten sich Darsteller und Publikum kennen. Dabei wurde auch der Grundstein für ein neues Projekt gelegt.

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16 Jugendliche führten am Dienstag im Kulturzentrum ein Stück in einer ihnen fremden Sprache auf.

Quelle: Christin Schmidt

Rathenow. Vor mehr als einhundert Menschen kostümiert auf einer großen Theaterbühne zu stehen, erfordert Mut. Noch mehr Mut ist nötig, wenn man ein Stück in einer fremden Sprache und ohne Mikrofon selbstbewusst und authentisch spielen soll. 16 jungen Menschen aus Syrien, Afghanistan, Somalia und dem Sudan ist genau das gelungen.

Sie führten am Dienstagvormittag vor Schülern, Lehrern, Vertretern der Stadtverwaltung und des Jugendamts „Die Geschichte vom Kalif Storch“ im Theatersaal des Rathenower Kulturzentrums auf. Mit tosendem Applaus und Begeisterungspfiffen wurden sie nach der einstündigen Aufführung vom Publikum belohnt. Diesen Erfolg hatten sie sich nach vier Monaten Arbeit redlich verdient.

Bühnenbild und Kostüme gestalteten die Darsteller mit

Es war bereits das zweite Theaterstück, das Sophia Herman, Mitarbeiterin des Instituts für Kommunikation und Wirtschaftsbildung (IKW), mit ihren Schülern erarbeitet hatte. Dieses Mal entstand das Stück aber nicht im Rahmen des Deutschunterrichts, sondern in einer freiwilligen Theater-AG.

„Unser größtes Problem war der häufige Wechsel der Darsteller. Selbst kurz vor der Aufführung mussten einige absagen und andere sprangen kurzfristig ein“, so Herman. Sie zeigte sich nach der Aufführung sehr zufrieden mit der Leistung ihrer Schützlinge.

In einer anschließenden Diskussionsrunde kamen Darsteller und Zuschauer miteinander ins Gespräch

In einer anschließenden Diskussionsrunde kamen Darsteller und Zuschauer miteinander ins Gespräch.

Quelle: Christin Schmidt

Dass alles im wahrsten Sinne des Wortes gut über die Bühne ging, ist nicht zuletzt der guten Teamarbeit zu verdanken. Die Darsteller konnten nicht nur alle ihren Text. Viele halfen zudem mit, das Bühnenbild zu gestalten und die Kostüme zu schneidern, so dass die Zuschauer sich problemlos in die Geschichte hineindenken konnte.

Diese spielte im Palast und in den Gärten des Kalif Chasid zu Bagdad, der in einen Storch verwandelt wird. Gespielt wurde der Kalif von Mohammad Reza Wakili aus Afghanistan. „Es hat mir wirklich Spaß gemacht auf der Bühne zu stehen und das Projekt hat mir geholfen, mein Deutsch zu verbessern“, berichtete der 17-Jährige, der seit knapp zwei Jahren in Deutschland lebt.

Neue Theatergruppe geplant

„Ich bin begeistertet, das Stück war richtig gut. Dazu gehört wirklich viel Mut“, lobte ein Schüler der Bürgelschule. Er selbst sei viel zu schüchtern, um auf einer großen Bühne zu stehen. Stattdessen beteiligte er sich lieber an der anschließenden Diskussionsrunde im Blauen Saal. Zu dieser hatte Matthias Nobre de Farias Bölle eingeladen, ebenfalls Mitarbeiter des IKW. „Wichtig ist, dass wir uns nicht nur das Stück ansehen, sondern auch miteinander ins Gespräch kommen“, betonte Bölle, bevor er die Darsteller und die Zuschauer in kleinen Gruppen zusammenführte.

Etwas enttäuscht war Matthias Nobre de Farias Bölle, weil sich nur wenige Zuschauer an der Diskussionsrunde beteiligten. Fruchtbar waren die Gespräche dennoch. Zum einen wurde deutlich, dass es keine Berührungsängste gibt. Zum anderen entstand die Idee, eine Theatergruppe zu gründen. Lehrer und Schüler der Bürgelschule denken schon länger darüber nach und auch einige der Darsteller möchten gern weitermachen. „Sollte es gelingen, eine interkulturelle Theatergruppe zu gründen, wäre das ein ungeahnter Erfolg unseres Projekts“, freute sich Matthias Nobre de Farias Bölle.

Von Christin Schmidt

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