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Junge Flüchtlinge lernen schwimmen

Rathenow Junge Flüchtlinge lernen schwimmen

Vielen Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlingsfamilien bleibt der Badespaß im Sommer verwehrt, weil sie nie schwimmen gelernt haben. Das soll sich nun ändern. Engagierte Rathenower haben Schwimmkurse für Jungen und Mädchen ab der 4. Klasse organisiert. Ein Erfolgsprojekt wie sich nun herausgestellt hat.

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Schulleiterin Anke Koch (5. v.l.) mit den Teilnehmerinnen des Schwimmkurses. Die Mädchen können nun alle schwimmen.

Quelle: Christin Schmidt

Rathenow. Badespaß am See gehört für viele Kinder und Jugendliche zu den schönsten Dingen die der Sommer zu bieten hat. Doch längst nicht für jedes Mädchen und jeden Jungen ist dieses Freizeitvergnügen eine Selbstverständlichkeit. Während westhavelländische Schüler in der dritten Klasse die Schwimmhalle in Rathenow besuchen und lernen, sich sicher im Wasser zu bewegen, haben Kinder aus Flüchtlingsfamilien oft keinerlei Schwimmerfahrung. So entgeht ihnen nicht nur ein Freizeitspaß. Auf Klassenfahrten laufen sie Gefahr, zu Außenseitern zu werden, weil sie nicht mit den anderen unbeschwert ins Freibad oder den See springen können. Wagen sie sich dennoch ins kühle Nass, begeben sie sich schnell in Lebensgefahr.

Zumindest für junge Flüchtlinge in Rathenow soll sich das nun ändern. Hier haben sich engagierte Helfer zusammengetan und Schwimmkurse für Mädchen und Jungen organisiert, die mit ihren Familien aus Ländern wie Syrien oder Afghanistan geflüchtet sind und nun in Rathenow zur Schule gehen. Im Februar konnten bereits elf Jungen einen dreiwöchigen Kurs absolvieren, nun waren die Mädchen an der Reihe. Neun Teilnehmerinnen nahmen das Angebot dankbar an.

20 Kinder und Jugendliche haben schwimmen gelernt

Drei Wochen lang besuchten sie von Montag bis Freitag nach der Schule jeden Tag die Schwimmhalle. „Dieses System hat sich bewährt. Denn am Ende können die meisten Teilnehmer schwimmen“, weiß der Leitende Schwimmmeister der Rathenower Badeeinrichtung, Andreas Lepert. Tatsächlich haben fast alle 20 Teilnehmer das Seepferdchen abgelegt und alle können nun schwimmen.

Zu denen, die sich künftig nicht mehr vor dem Wasser fürchten müssen und im Sommer vielleicht zum ersten Mal unbeschwert in einem See baden können, gehört auch die 15-jährige Fatema aus Afghanistan. Sie hat mit ihren jüngeren Schwestern an dem Kurs teilgenommen. „Am Anfang war es schon eine Überwindung, wir hatten Angst, aber nach einigen Stunden haben wir diese überwunden. Es macht wirklich Spaß“, erzählt die Schülerin. Dieses positive Feedback durfte vor allem Günter Rall freuen.

Als Geschäftsführer der Rathenower Wärmeversorgung hat er schon mehrfach jugendlichen und erwachsenen Flüchtlingen kostenlosen Schwimmunterricht ermöglicht. Schon lange war es sein Wunsch, auch Kinder einzubeziehen. Das wurde nun Dank des Engagements des Fördervereins des Rathenower Jahngymnasiums möglich.

Ein weiterer Schwimmkurs soll folgen

Schulleiterin Anke Koch stellte über die Sozialarbeiter den Kontakt zu anderen Schulen her, organisierte in Absprache mit den Mitarbeitern der Schwimmhalle die Kurse und holte zudem die Bürgerstiftung für die Region Rathenow sowie die Volksbank Rathenow mit ins Boot. Bürgerstiftung und Volksbank unterstützen das Projekt jeweils mit 640 Euro, zudem gab der Landkreis Havelland weitere 540 Euro dazu. Die Wärmeversorgung stellte die Schwimmhalle und das Personal zur Verfügung und übernahm einen Teil der Kursgebühr in Höhe von 20 Euro pro Teilnehmer.

„Das ist ein tolles Beispiel für gelebte Integration, die ohne das Engagement einzelner nicht möglich wäre“, betont Günter Rall. Er ist sich sicher, dass sich die Mühe gelohnt hat und vor allem würde er sich freuen, wenn dieses Beispiel Schule macht. Die Aussichten dafür stehen gut, denn Anke Koch ist schon dabei, einen weiteren Kurs zu organisieren. „Dieses Mal wurden Schüler ab der 4. Klasse einbezogen. Unser Ziel ist es, demnächst auch für jüngere Kinder Schwimmunterricht anzubieten“, so Anke Koch.

Denn im Gegensatz zu den meisten deutschen, starten Kinder aus Flüchtlingsfamilien meist ohne jegliche Vorkenntnisse in den Schwimmunterricht. In der Rathenower Schwimmhalle ist man derweil längst auf ausländische Badegäste eingestellt. Die Baderegeln liegen nicht nur in deutscher Sprache aus, es gibt sie auch auf türkisch, arabisch, englisch und französisch.

Von Christin Schmidt

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