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Junge Landbienen werden flügge

Wutzetz Junge Landbienen werden flügge

Die „Kessen Landbienen“ sind so etwas wie die Jugendorganisation der Landfrauen im Havelland. Sie wollen sich für die Region einsetzen und einen Austausch mit Städterinnen ankurbeln. Dafür haben sie eine Menge Ideen.

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Auf der Grünen Woche hatten sich die Kessen Landbienen aus dem Havelland schon mal vorgestellt.

Quelle: Ralf Stork

Wutzetz. Soviel kann man schon mal sagen: Karin Gemballa lebt wirklich auf dem Land. Wutzetz liegt nur ein paar Autominuten von Friesack entfernt, aber ein gutes Stück abseits der Landstraße. Fast alle Häuser stehen im Kreis an der Ringstraße. In der Mitte ein Spielplatz mit viel Grün, in dem sich Feldsperlinge und Meisen tummeln. „Der Hof meiner Eltern liegt schräg gegenüber auf der anderen Seite der Ringstraße“, sagt Gemballa. Früher hatten sie Milchkühe, mittlerweile haben sie auf Rindermast umgestellt.

Treffen der Landfrauen

Die 37-jährige Fotografin ist also mit der Landwirtschaft groß geworden – und mit den Landfrauen. „Meine Mutter hat mich immer zu den Treffen mitgenommen. Mir hat das gut gefallen, wenn die älteren Frauen von früher erzählt haben“, sagt sie. Irgendwann wurde sie auch offizielles Mitglied, und bis heute ist sie bei den regelmäßigen Treffen der Landfrauen dabei.

Die Kessen Landbienen beim Erntefest in Lietzow

Die Kessen Landbienen beim Erntefest in Lietzow: Erntekronenbinden will gelernt sein.

Quelle: Ralf Stork

„Das macht mir immer noch Spaß. Aber irgendwann kam bei mir der Wunsch auf, mich auch mal mit jüngeren Frauen im ländlichen Raum zu treffen“, sagt sie. Als junge Mutter hat man eben doch manchmal andere Gesprächsthemen als Frauen, deren Kinder schon längst aus dem Haus sind. Außerdem lassen sich Kinder viel leichter überreden, zu einem Treffen mitzukommen, wenn sie da mit Gleichaltrigen toben können.

Landwirtschaftliche Kompetenz

Vor vier Jahren unterhielt sich Karin Gemballa mit einigen anderen Frauen, denen es genauso ging wie ihr. Das war die Geburtsstunde der „Kessen Landbienen“ – einer Art Jugendorganisation der Landfrauen. Im organisatorischen Kern der Gruppe ist jede Menge landwirtschaftlicher Kompetenz vereint: Karin Gemballa ist Bauerntochter und gelernte Pferdewirtin. Antje Schulze sitzt in der Geschäftsstelle des Kreisbauernverbandes, Cathleen Schneider ist amtierende Milch-, Vanessa Orges amtierende Erntekönigin.

Die Biene als Wahrzeichen

„Die Biene ist das Wahrzeichen der Landfrauen. Wir haben das ,kesse’ hinzugefügt, um ein bisschen zu provozieren und um zu zeigen, dass wir hier auf dem Land Dinge anpacken wollen“, sagt Gemballa. Das ehrenamtliche Engagement für den ländlichen Raum ist ihr wirklich wichtig. Deshalb nimmt sie sich für Auftritte bei der Grünen Woche oder der Brala auch schon mal frei.

Vorstellung auf der Grünen Woche

Auf der Grünen Woche haben die Kessen Landbienen auch Werbung für ihr aktuelles Projekt gemacht. Es hört auf den schönen Namen „Stadtlandfrauen“ und soll es Städterinnen ermöglichen, einen Blick auf die echte Landwirtschaft zu erhaschen. „Für April ist die erste Veranstaltung geplant. Genügend Bewerberinnen dafür gibt es bereits“, sagt Gemballa.

Die Städterinnen werden am Bahnhof in Nauen mit dem Rad abgeholt. Die Milchviehanlage in Lietzow und die Baumschule Nauen sind die ersten Anlaufpunkte. Danach könnten je nach Interesse noch eine Mastviehanlage oder eine Biogasanlage besichtigt werden.

Angebot für Städterinnen

Einige Kesse Landbienen werden die Städterinnen begleiten. Die Gruppen sollen nicht größer als 10 Personen sein, so dass ein echter (Informations-)Austausch stattfinden kann. Für dieses Jahr sind zunächst vier Termine geplant. „Wir freuen uns über jede Frau, die bei uns mitmachen will“, betont Karin Gemballa. Auch, wer keine Zeit fürs ehrenamtliche Engagement hat, sondern sich einfach nur mit anderen jungen Frauen austauschen möchte, ist herzlich willkommen.

„Zur Zeit treffen wir uns etwa alle zwei Monate zum Basteln mit den Kindern, zum Spieleabend oder einfach so“, sagt Gemballa. Als nächstes ist ein Ausflug in den Berliner Zoo geplant. Ein landwirtschaftlicher Beruf ist keine Voraussetzung, um bei den Landbienen mitzumachen. Gemballa arbeitet als Fotografin, auch Verkäuferinnen, Büro- und Pflegekräfte sind dabei. „Ein ganz allgemeines Interesse für den ländlichen Raum reicht“, sagt Gemballa.

14 Kesse Landbienen gibt es momentan im Osthavelland. Im Westen des Landkreises hat sich noch keine entsprechende Gruppe gegründet. Wer sich für die Arbeit der Landbienen interessiert, kann sich unter Telefon 03 32 37/ 7 00 36 bei Antje Schulze in der Geschäftsstelle des Bauernverbandes melden.

Von Ralf Stork

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