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Junge Sänger in Brieselang willkommen

Chorleben Junge Sänger in Brieselang willkommen

Der Brieselanger Männerchor Harmonie feiert in diesem Jahr sein 90-jähriges Bestehen und sucht dringend nach Nachwuchs. Derzeit treffen sich 16 Aktive immer dienstags um zu proben. Viele Sänger sind seit Jahrzehnten dabei.

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Der Männerchor beim Weihnachtssingen 2015 in Brieselang

Quelle: privat

Brieselang. Seit 90 Jahren besteht der Männerchor Harmonie 1926. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Aber den Brieselanger Sängern geht im übertragenen Sinn die Puste aus. Junge Stimmen: Fehlanzeige. Nur noch 16 aktive von 32 Mitgliedern treffen sich jeden Dienstagabend zur Probe in der Sportlerklause. Naht für den Verein das Ende vom Lied?

Der Vorsitzende Wilfried Otto denkt nicht ans Aufgeben. „Wenn die Gemeinde im Sommer ihren 91. Geburtstag am Nymphensee feiert, ist auch ein Auftritt von uns geplant.“ Notenwart Bernd Voigt ergänzt: „Wir sind schließlich ein wichtiges Kulturgut für Brieselang.“ Seit 30 Jahren singt er beim Männerchor.

Aus einem Nebenraum in der Sportlerklause schleppt Vereinskassierer Horst Gomoll ein großes gerahmtes Foto heran und stellt es vorsichtig auf den Tisch. „Die Aufnahme stammt wohl aus den zwanziger Jahren mit den vier Gründungsmitgliedern“, sagt er geradezu andächtig. Vier lächelnde Herren sind zu sehen: Max Casenzer, Fritz Storbeck, Hans Johl und Julius Olschewski. „Der Sohn, Horst Olschewski, ist mittlerweile 87. Er ist unser Ehrenvorsitzender, dem die Harmonie eine Menge zu verdanken hat“, erzählt Wilfried Otto. Der Verein hält viel auf Tradition, aber junge Leute lassen sich selten für Volkslieder wie „Mutter Heimat“ oder „Am Brunnen vor dem Tore“ begeistern.

Der Deutsche Chorverband zählt 1,4 Millionen Mitglieder in 21 000 Chören; weltweit die größte Organisation in der Amateurmusik. Beeindruckende Zahlen, aber landauf, landab zerbröseln die Männerchöre. „Sie haben das Image einer alten, verstaubten Gemeinschaft. Kaum ein junger Mann möchte dort singen“, sagte Thomas Bailly, der Direktor einer Chorleiterschule in Frankfurt a. M. im Februar. Er plädiert dafür, nur alle 14 Tage zu üben. Sein Vorwurf: „Die Chöre hätten schon vor 30 Jahren um Mitglieder werben müssen.“ Andere Experten fordern, das Singen in den Schulen und dort die Bildung von Chören zu fördern. Der spätere Wechsel in einen etablierten Männerchor würde dann vielen leichter fallen.

Horst Gomoll gehört der Harmonie seit 1960 an. „Damals waren Karten für unsere Konzerte heißbegehrt“, schwärmt er. Ein Auftritt beim Fischerfest in Ketzin 1975 fällt ihm spontan ein: „Dort haben wir den berühmten Gefangenenchor aus der Oper Nabucco gesungen. Die SED hat das als Kritik an der DDR interpretiert, und ich musste mich bei der Parteileitung in Nauen rechtfertigen.“ Der Männerchor durfte das Lied nur noch im Brieselanger Lokal Rosengarten aufführen. Das waren Zeiten.

Unverdrossen werden die Sänger jedenfalls auch am Dienstag wieder mit ihrem Dirigenten Manfred Kruschinski in der Sportlerklause üben. „Am 9. und 10. April beteiligen wir uns an einem Chortreffen im MAFZ Paaren“, kündigt Wilfried Otto an.

Die Sause zum 90-jährigen Bestehen feiert der Verein im engeren Kreis: „Wir planen eine Havelrundfahrt per Schiff mit Anhang und Gästen am 28. Mai“, erzählt der Vorsitzende. Wer beim Ausflug oder beim Männerchor Harmonie mitmachen will, sollte ihn anrufen: Wilfried Otto, Tel. 033232-230 170.

Von Hans-Peter Theurich

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