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Kabeldieb kommt mit Bewährung davon

Schwerer Bandendiebstahl Kabeldieb kommt mit Bewährung davon

Mit Umarmungen und Freudentränen endete am Dienstagvormittag eine Verhandlung im Rathenower Amtsgericht. Der Angeklagte Milen A. konnte nach sechs Monaten Untersuchungshaft seine Familie wieder in die Arme schließen. Der 26-Jährige musste sich wegen schweren Bandendiebstahls und Störung öffentlicher Betriebe vor Gericht verantworten.

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Im Rathenower Amtsgericht fand die Verhandlung im Fall Milen A. am Dienstag statt.

Quelle: Ch. Schmidt

Rathenow. Am 26. Oktober 2015 hatte Milen A. mit drei weiteren Komplizen an der Bahnstrecke Berlin – Hannover in Höhe des Streckenabschnitts in Buschow / Märkisch Luch Weichenheizungskabel demontiert, um diese in Berlin gewinnbringend zu veräußern. Milen A. wurde gefasst und in die Justizvollzugsanstalt Brandenburg/Havel gebracht. Seine Komplizen konnten flüchten, ihre Identität ist der Polizei bekannt.

Bereits vor der Verhandlung hatte der Angeklagte seinem Wahlverteidiger gegenüber ein glaubhaftes und vollständiges Geständnis abgelegt. Daraufhin einigten sich Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung, das Strafmaß auf maximal zwei Jahre und vier Monate Haft zu begrenzen, den Angeklagten aber mindestens mit eineinhalb Jahren zu bestrafen. Letztlich wurde das Strafmaß auf ein Jahr und zehn Monate festgesetzt. Ins Gefängnis muss der Verurteilte allerdings nicht noch einmal, der Richter setzte die Strafe auf vier Jahre Bewährung fest. Die Staatsanwaltschaft hatte auf drei Jahre Bewährung plädiert.

Alle acht Zeugen konnten deshalb abbestellt werden, der geplante zweite Verhandlungstag wurde abgesagt und damit das Verfahren erheblich verkürzt.

Vier Jahre auf Bewährung

A. ist Bulgare, bis auf seinen Vater lebt die gesamte Familie in Deutschland. Einen festen Wohnsitz hat A. nicht. Derzeit absolviere er einen Deutschkurs, erklärte sein Wahlverteidiger. Die Verständigung vor Gericht erfolgte mit Hilfe eines Übersetzers. Als EU-Bürger hat Milen A. das Recht in Deutschland zu leben und zu arbeiten, aufgrund der Sprachbarriere und mangels beruflicher Ausbildung sei es aber schwer für ihn, sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, gab der Pflichtverteidiger zu bedenken.

Nachdem der Berliner Wahlverteidiger das Geständnis verlesen hatte, ergaben sich keine weiteren Fragen. Zu Gute hielt Ligier dem Angeklagten neben dem Geständnis, dass er nicht einschlägig vorbestraft ist. Auch die bereits verbüßte sechsmonatige Untersuchungshaft berücksichtigte der Richter und hob zudem zur großen Erleichterung des Angeklagten und seiner Familie den Haftbefehl auf. „Diese Erfahrung wird sie hoffentlich davon abhalten, künftig in Deutschland, Bulgarien oder anderswo Straftaten zu begehen“, so Ligier.

Weiteres Verfahren in Berlin anhängig

Der erhebliche Schaden, der durch die Tat entstand – die Deutsche Bahn schätzt ihn auf rund 25 000 Euro – und die damit einhergegangenen massiven Einschränkungen im Bahnverkehr legte der Richter zu Lasten des Angeklagten aus. Wie die Bahn bestätigte ist der Schaden inzwischen repariert worden, eine endgültige Abschlussrechnung liegt aber noch nicht vor.

Der Opel Frontera, mit dem das Diebesgut transportiert wurde und der A. gehört, wird mit Einverständnis des Angeklagten eingezogen. „Wer ein Fahrzeug als Tatfahrzeug benutzt, muss damit rechnen dass es eingezogen wird“, mahnte Ligier und fügte hinzu: „Die lange Bewährungsstrafe soll Ihnen eine Warnung für die Zukunft sein.“ Milen A. kann Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen. Aktuell ist gegen ihn noch ein weiteres Verfahren wegen eines ähnlichen Delikts in Berlin anhängig.

Von Christin Schmidt

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