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Käse-Diebstahl mit schmerzhaften Folgen

34-Jährige muss nach einem Streit ins Gefängnis Käse-Diebstahl mit schmerzhaften Folgen

Ist es plausibel, dass jemand einen Mozzarella im Wert von 55 Cent stiehlt und somit eine Anzeige riskiert? Zumindest in dem Fall, der vor dem Amtsgericht Nauen verhandelt worden ist, glaubte der Richter das nicht. Trotzdem muss die Angeklagte ins Gefägnis. Sie sei mit dem Rollstuhl ihrer Mutter wie ein Rammbock gegen die Zeugen gefahren sein, als ein Streit eskaliert ist.

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Einen solchen Mozzarella soll die Angeklagte mitgenommen haben.

Quelle: dpa

Brieselang/Nauen. Der Richter ging von einem Versehen aus. Trotzdem bekam die 34-jährige Angeklagte, die derzeit eine Haftstrafe absitzt, am Ende drei Monate Gefängnis -  wegen gefährlicher Körperverletzung.

Abgespielt hatten sich die Taten am 12. Juli 2012. Corinna Mabler* und ihre Mutter Dorothea Mabler* -  die 63-Jährige sitzt im Rollstuhl -  waren am Abend dieses Tages bei einem Discounter in Brieselang einkaufen. Plötzlich verließen beide überstürzt den Markt. Eine Mitarbeiterin, die die beiden zuvor schon beobachtet hatte, vermutete Ladendiebstahl, lief hinterher und stellte sie. Unterstützung bekam sie dabei von einem Kunden, der ebenfalls versuchte, die beiden Frauen aufzuhalten. Die allerdings wehrten sich, die Atmosphäre heizte sich immer mehr auf. Die Jüngere soll mit dem Rollstuhl sowohl den Mann als auch die Mitarbeiterin angefahren haben, die später äußerte, dass der Rollstuhl wie ein Rammbock eingesetzt wurde. Der Mann soll zudem einen Tritt in die Genitalien erhalten haben. Es wurde zudem gekratzt, geschubst und geschlagen. Auch Corinna Mabler bekam etwas ab.

Eine Situation, über die ein Polizist später sagte: "Es war ein nicht alltäglicher Vorfall - s o wie die beiden Frauen sich wehrten". Normalerweise seien Ladendiebe eher ruhig. "Hier waren sie unkooperativ", so der Beamte. Es habe mehrere Minuten gedauert, die Personalien festzustellen. "Wir hatten schon überlegt, einen zweiten Wagen anzufordern."

In der Verhandlung bestritten die angeklagten Frauen bis zuletzt, dass sie etwas stehlen wollten. Wie die Anwältin von Corinna Mabler schilderte, sei es der Mutter, die unter Diabetes leidet, plötzlich schlecht gegangen. Sie brauchte Insulin. Daraufhin wollten die Frauen schnell zum Bahnhof, hatten zuvor die bereits eingepackten Sachen wieder zurück in die Regale gelegt. Außer den Mozzarella, der wurde im Rucksack offenbar übersehen.

Dies konnte auch der Richter nachvollziehen. Zumal die Frauen einen Pfandbon für Leergut dabei hatten, mit dem man den Käse durchaus hätte bezahlen können. Ursprünglich ging der Staatsanwalt von räuberischem Diebstahl aus. Weil aber die Frauen offenbar den Käse noch vor Eintreffen der Polizei zurückgegeben hatten, wandelte sich die Anklage in gemeinschaftlichen Diebstahl geringwertiger Sachen um.

"Wir haben den Käse nicht vorsätzlich mitgenommen", beteuerte Corinna Mabler. Hinsichtlich der gefährlichen Körperverletzung meinte sie: "Es war eine Ausnahmesituation. Kann sein, dass ich unangemessen reagiert habe, aber der Zeuge war auch sehr grob und rabiat", sagte die 34-Jährige, die ein umfangreiches Vorstrafenregister hat. Das Verfahren gegen ihre Mutter, die auch zugeschlagen hat, wurde eingestellt. (*Name geändert)

Von Andreas Kaatz

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