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Kameruner wird nicht abgeschoben

Asylbewerber darf im Havelland bleiben Kameruner wird nicht abgeschoben

Er ist ein Musterbeispiel gelungener Integration und sollte dennoch abgeschoben werden. Nun wendet sich das Schicksal von Hervé Kommogne doch noch. Der 35-Jährige darf in Friesack bleiben. Damit kann er auch weiter als Praktikant in den Havelland Klinken tätig sein. Das heißt allerdings noch nicht, dass er in Deutschland Asyl bekommt.

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Hervé Kommogne.

Quelle: D. Hafer

Kleßen. In letzter Minute ist eingetroffen, wofür sich Anke Goersz und Willibald Schmitt mit Unterstützung von vielen weiteren Einwohnern aus Kleßen und Friesack engagiert haben: Hervé Kommogne wird nicht nach Spanien abgeschoben. Der Kameruner darf vorerst im Übergangswohnheim in Friesack bleiben. Damit kann der 35-Jährige auch weiter als Praktikant in den Havelland Klinken tätig sein.

Politisch Verfolgter

Kümmern muss sich Hervé Kommogne jetzt um seine Anerkennung als politisch Verfolgter. Sein Asylverfahren wird in der Bundesrepublik durchgeführt. „Es bleibt also noch viel zu tun. Doch erst einmal danken wir allen, die Hervé geholfen haben“, sagt Anke Goersz, die den Kameruner vor zwei Jahren beim Kirchenchor in Friesack kennen lernte und ihm seitdem mit Rat und Tat zur Seite steht, wie auch Willibald Schmitt. Er nahm den sympathischen und bescheidenen jungen Mann mit nach Kleßen zu den Schmitt-Singers. Seither singt Havé Kommogne in dem von Willibald Schmitt geleiteten Kleßener Chor.

Hervé Kommogne (3

Hervé Kommogne (3. v. l.) mit den Schmitt-Singers.

Quelle: Norbert Stein

Der Kameruner ist ein guter und vor allem begeisterter Sänger, der kaum eine Probe versäumt. Auch an dem Tag, als er erfuhr vorerst doch in Deutschland bleiben zu dürfen, war er am Abend in Kleßen, wo ihm Willibald Schmitt besonders herzlich zur Chorprobe begrüßte. „Eine wirklich gute Nachricht“, sagt der Bürgermeister der Gemeinde Kleßen-Görne, Joachim Tessenow.

Der Grund für die beabsichtige Abschiebung war ein formaler: Nach dem „Dublin II“-Abkommen muss Kommogne seinen Asylantrag in dem Land stellen, in dem er zuerst den Boden der Europäischen Union betrat. Für den 35-Jährigen war das Spanien. Dahin sollte er eigentlich in dieser Woche abgeschoben werden.

Todesdrohungen im Heimatland

Als Präsident der „Jugendorganisation der demokratischen Sammlungsbewegung des Volkes von Kamerun“ kämpfte Hervé Kommogne erfolgreich für die Durchführung von Gemeindewahlen im Kamerun.

Weil die Regierungspartei aber ihre Versprechen zur Jugendpolitik nicht eingehalten habe, sei er zur „Sozialdemokratischen Front“ gewechselt.

Hervé Kommogne wurde angegriffen und erhielt Todesdrohungen, verschleppt, gefesselt und anschließend massiv geschlagen.

„Wir haben in den letzten Wochen viele Briefe geschrieben mit der Bitte um Unterstützung, dass Hervé Kommogne nicht aus Deutschland abgeschoben wird“, erzählt Willibald Schmitt. „Geschrieben haben wir Angela Merkel, Dietmar Woidke und vielen anderen Politikern, an Einrichtungen und Institutionen“. Welcher Brief ausschlaggebend gewesen ist, sei nicht bekannt, erzählt Schmitt weiter. Das sei auch nicht relevant, wichtig sei der Teilerfolg, meint der Chorleiter. Von einem generellen Erfolg könne man Schmitt zufolge aber noch nicht sprechen, weil Hervé Kommogne jetzt auch nur ein vorläufiges Bleiberecht hat, bis über seinen Asylantrag entschieden ist.

Fliehen musste Kommogne, weil er sich in Kamerun in der Jugendbewegung und der „Sozialdemokratischen Front“ engagiert hat.

Von Norbert Stein

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