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Kampf um den Industriestandort

Premnitz in der Wendezeit Kampf um den Industriestandort

Mit der Wende 1989/90 entstanden hohe Herausforderungen im Kampf um die Erhaltung des Chemiefaserwerkes Premnitz. Zwei Mal besetzte die Belegschaft das Werk. Leider brachten die Übernahme der Kunstseidenproduktion durch ein spanisches Unternehmen und der Verkauf der Chemiefaseranlagen an eine Firma aus Singapur keine dauerhaften Erfolge.

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Demonstration für das Werk.

Quelle: Jürgen Mai

Premnitz. Mit der politischen Wende 1989/90 und den Übergang von der Planwirtschaft in die Marktwirtschaft entstanden hohe Herausforderungen im Kampf um die Erhaltung des Chemiefaserwerkes, das 1990 durch die Treuhandanstalt in die „Märkische Faser AG“ (MFAG) umgewandelt wurde. Bereits 1990 kam es zu Stilllegungen von Anlagen, die bereits zu DDR-Zeiten unrentabel arbeiteten. Die Folge davon war der Abbau von Arbeitsplätzen.

Obwohl im Oktober 1990 der Vorstand der MFAG ein Sanierungskonzept an die Treuhandanstalt einreichte, erschien am 9. November 1990 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ohne Abstimmung mit dem Vorstand der MFAG eine Verkaufsannonce für das Premnitzer Werk. Das Sanierungskonzept wurde von der Treuhand nicht zur Kenntnis genommen, angeblich wurde es dort „verschüttet“.

Menschen protestieren für den Industriestandort

Menschen protestieren für den Industriestandort.

Quelle: Jürgen Mai

Nachdem die Treuhand das Werk und werkeigene Liegenschaften an einen Investor verkauft hatte, gab es am 24. September 1992 für die Premnitzer ein böses Erwachen. Gegen 6 Uhr wurde von einem Lautsprecherwagen verkündet, dass 2155 Beschäftigte, die komplette Belegschaft der MFAG, entlassen werden. Noch in der Nacht verbarrikadierten Arbeiter das Werktor mit Faserballen. Betriebsbesetzung!

Die Premnitzer Betriebsbesetzungen

24. September bis 4. Dezember 1992 (73 Tage). Der Fortbestand der MFAG wurde gesichert. Es wurde ein Kündigungsschutz bis März 1993 vereinbart.

2. Dezember 2002 bis 23. Februar 2003 (84 Tage). Der Kampf um die Erhaltung des Kunstseidenbetriebes „Prefil“ wurde verloren. Die jahrzehntelange Tradition der Viskosekunstseidenherstellung in Premnitz ging zu Ende.

Obwohl die Landesregierung Unterstützung zusicherte, blieb die Lage äußerst angespannt. Eine Demonstration vor der Treuhandanstalt am 6. Oktober, eine „Vor Ort“-Sendung des ORB vor dem Werktor in Premnitz am 7. Oktober und schließlich am 29. Oktober ein Protestmarsch in Bonn brachten zunächst keine greifbaren Ergebnisse. Alles stand weiterhin auf der Kippe. Buchstäblich in letzter Minute informierte am 4. Dezember Ministerpräsident Manfred Stolpe die Premnitzer persönlich über das positive Verhandlungsergebnis zwischen Betriebsrat, Vorstand und Eigner der MFAG sowie Landes- und Bundesregierung, die Kunstseiden- und Faserproduktion zu erhalten. Es ist insbesondere dem Betriebsrat mit seinem Vorsitzenden Mathias Hohmann und dem Durchhaltewillen der Belegschaft zu verdanken, dass dieser Arbeitskampf zu einem positiven Resultat führte.

Um den Fortbestand des Industriestandortes dauerhaft zu sichern, war eine Orientierung auf Branchenvielfalt und die Abkehr vom bisher nahezu ausschließlich auf Faserproduktion ausgerichteten Produktionsprofil notwendig. Besonders hervorzuheben ist hierbei die hohe Unterstützung durch die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) bei der Erschließung neuer Industrie- und Gewerbeflächen, der Schaffung einer guten Verkehrsinfrastruktur und der Ansiedlung von Unternehmen.

Mathias Hohmann, Betriebsratsvorsitzender

Mathias Hohmann, Betriebsratsvorsitzender

Quelle: Jürgen Mai

Leider brachten die Übernahme der Kunstseidenproduktion durch ein spanisches Unternehmen und der Verkauf der Chemiefaseranlagen der MFAG an eine Firma aus Singapur keine dauerhaften Erfolge. Die Wolpryla -65-Produktion wurde im Oktober 2000 endgültig geschlossen. Auch die Polyesteranlage war gefährdet.

Am 2. Dezember 2002 brannten wieder die Tonnen: Betriebsbesetzung! Mit der Kunstseidenanlage „Prefil“ war erneut ein Premnitzer Betriebsteil akut gefährdet. Der Investor, im Mai 2001 mit vielversprechenden Plänen eingestiegen, hatte Insolvenz angemeldet. Der geplante Verkauf der Maschinen musste das Aus für den traditionsreichen Kunstseidenbetrieb bedeuten. Obwohl sich auch die Landesregierung und Ministerpräsident Platzeck für den Erhalt der Kunstseidenproduktion und die Sicherung der Arbeitsplätze einsetzten, konnte „Prefil“ nicht gerettet werden.

Matthias Platzeck bei den „Prefil“-Betriebsbesetzern

Matthias Platzeck bei den „Prefil“-Betriebsbesetzern.

Quelle: Jürgen Mai

Doch es gab und gibt weiterhin positive Entwicklungen im Werk, seit 2005 als „Industriepark Premnitz“ bekannt. Die Polyesterfaseranlage Grisuten wird mit hoher Leistungsfähigkeit weitergeführt. Weitere Anlagen nahmen ihre Arbeit auf. Über die Neuorientierung im Industriestandort wird im nächsten Teil dieser Serie berichtet.

Von Jürgen Mai

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