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Kampf um die MS Sonnenschein

Rathenow Kampf um die MS Sonnenschein

Weil die Behörden sich im Streit um baurechtliche Fragen unnachgiebig zeigen, wendet sich die Eignerin des Schiffes „MS Sonnenschein“ an den Petitionsausschuss des Landtages. Claudia Mund wehrt sich gegen die Auflage, einen Bebauungsplan erstellen zu müssen, um das Schiff in Grütz liegen zu lassen.

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Schiffseignerin Claudia Mund und Skender Ramadan, Hafenmeister der Havelboot-Marina Grütz, an Deck der Sonnenschein.

Quelle: Markus Kniebeler

Grütz. Der Kampf um die „MS Sonnenschein“ geht in die nächste Runde. Claudia Mund, Inhaberin der Marina Grütz und seit dem Frühjahr Eignerin des legendären Ausflugsdampfers, hat ein Schreiben an den Petitionsausschuss des Landtages Brandenburg verfasst, in dem sie darum bittet, das Schiff als Restaurant nutzen zu dürfen, ohne einen ebenso zeit- wie kostenintensiven Bebauungsplan aufstellen zu müssen.

Zur Erinnerung: Im Frühjahr hatte Claudia Mund das Ausflugsschiff, das abgewrackt werden sollte, erworben. Nicht für den Fahrbetrieb, dazu fehlt dem fast 100 Jahre alten Schiff die Genehmigung. Claudia Mund wollte die Sonnenschein an ihrem Grützer Anleger fest verankern, um Gäste auf den beiden Decks mit Ausblick auf die Havellandschaft zu bewirten.

Ein entsprechender Bauantrag wurde beim Bauordnungsamt des Kreises gestellt – und abgelehnt. Die Begründung: Weil es sich um ein Vorhaben im Außenbereich handele, müsse ein Bebauungsplan erstellt werden. Jeder, der sich im Baurecht auskennt, weiß, dass ein B-Plan-Verfahren eine zeit- und kostenintensive Angelegenheit ist – mit ungewissem Ausgang. „Das übersteigt meine Möglichkeiten“, sagt die Eignerin. Außerdem versteht sie nicht, warum dieser Weg beschritten werden muss.

Die „Sonnenschein“ am Anleger Grütz

Die „Sonnenschein“ am Anleger Grütz.

Quelle: Kniebeler, Markus

Dass es sich bei der Wasserfläche, auf der das Schiff liegt, um einen Außenbereich, ist unbestritten. Aber dass ein B-Plan-Verfahren notwendig ist, um das Schiff dort fest zu verankern, zweifelt Claudia Mund, die sich mit Planern ausgetauscht hat, an. Sie verweist darauf, dass von der Infrastruktur her alle Voraussetzungen für eine dauerhafte gastronomische Nutzung gegeben seien. Die Marina mit der Steganlage sei vorhanden und seit langem genehmigt. Es müsse de facto nichts errichtet oder umgebaut werden. Außerdem liege die Genehmigung des Wasser- und Schifffahrtsamtes für die Nutzung der Wasserfläche am Steg für dieses Schiff vor, ebenso wie das Schwimmfähigkeitszeugnis für die Sonnenschein. Und auch das Gesundheitsamt habe grünes Licht für den gastronomischen Betrieb gegeben.

Claudia Mund zieht für ihre Argumentation außerdem das Baugesetzbuch heran. Darin ist geregelt, dass Bauvorhaben im Außenbereich im Einzelfall zugelassen werden können, „wenn ihre Ausführung oder Benutzung öffentliche Belange nicht beeinträchtigt und die Erschließung gesichert ist.“ Beides treffe auf den Grützer Sachverhalt zu. Und sie verweist darauf, dass es für sie keine Alternative gebe. Einem Bauherrn könne man ja noch vorschlagen, sein Haus irgendwo anders zu errichten. Ein Schiff liege nun mal im Wasser und sei auf Steganlagen angewiesen.

Diese rechtlichen Spitzfindigkeiten haben an den Nerven der Schiffsbesitzerin gezerrt. „Als ich die Sonnenschein erworben habe, hätte ich nie gedacht, dass es solche Probleme geben wird.“ Sie habe sich von der Idee, den beliebten Ausflugsdampfer vor der Verschrottung zu retten und gastronomisch zu nutzen, begeistern lassen. Und nicht nur sie. Sogar Bürgermeister Ronald Seeger habe sich persönlich bedankt, weil sie das eigentlich schon besiegelte Ende des Ausflugsschiffes abgewendet habe.

An heutigen Samstag lädt die Marina Grütz von 10 bis 16 Uhr zum Tag der offenen Tür. Gäste können sich auf dem Gelände umschauen. Viele werden, wenn sie die Sonnenschein sehen, nostalgische Gefühle bekommen. Seit den 1970er Jahren war das Schiff auf der Havel im Einsatz. Es gibt kaum einen Bewohner in der Region, der noch nicht mit dem Schiff gefahren ist. „Wir werden eine Liste auslegen, auf denen sich Befürworter unseres Anliegens eintragen können.“ Dies Liste will Claudia Mund ihrer Petition beifügen. Der vorletzte Satz auf dieser lautet übrigens: „Wir sind der Auffassung, dass mit etwas gutem Willen und bei ordnungsgemäßer Ausübung des Ermessen die Nutzung unseres Schiffes Sonnenschein ohne einen kostenintensiven Bebauungsplan möglich sein sollte.“

Ein Schiff mit Geschichte

Gebaut wurde die „MS Sonnenschein“ 1928.

Seit den 1970er Jahren war es als Fahrgastschiff rund um Rathenow unterwegs.

Wegen einer anstehenden kostspieligen Reparatur stellte der Eigner Ende 2016 den Fahrgastbetrieb ein.

Im Frühjahr erwarb Claudia Mund das Schiff, das für die Verschrottung vorbereitet werden sollte.

Seit Juni liegt die Sonnenschein am Steg der Marina Grütz.

Von Markus Kniebeler

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