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Havelland Kampf um jeden Stromkasten
Lokales Havelland Kampf um jeden Stromkasten
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00:17 01.11.2013
Horst Schwenzer rührt die Farbe an. Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

Horst Schwenzer ist ein Verwandlungskünstler: Gerade noch hat man den Stadtverordneten im gepflegten Outfit – Hemd, Pullover, Sakko – durch die Stadt eilen sehn, und nun steht Schwenzer so vor einem: Olle Jeans, nach allen Regeln der Kunst mit Farbe beschmiert, Farbkleckse auf den Schuhen, Farbkleckse auf der Jacke, auf dem Kopf ein Käppi, das auch schon bessere Tage gesehen hat. „Das ist mein Maler-Outfit“, sagt Schwenzer. Packt sich eine Anstreicherrolle, taucht sie in ein Kästchen mit grauer Farbe und legt los. Keine drei Minuten später ist der Stromkasten in der Forststraße, auf dem gerade noch zwei Graffitikürzel prangten, wieder in den grauen Ursprungszustand versetzt.

Vor zwei Jahren griff Schwenzer zum ersten Mal zum Pinsel. Vor seiner Haustür hatten sich Unverbesserliche mal wieder auf einem der Stromkästen verewigt. Schwenzer, der als Vorsitzender des Ordungsausschusses seit Jahren gegen die Unsitte des Graffititums kämpft, wartete nicht bis zur nächsten Ausschusssitzung, sondern schritt gleich zur Tat: Übermalte das Geschmiere mit grauer Farbe, und schon war von den bunten Klecksen nichts mehr zu sehen. Natürlich er sich zuvor das Okay bei der Eon-Edis geholt, der die Kästen gehören.

Knapp 130 Stromkästen habe er bereits überpinselt, sagt Horst Schwenzer mit Stolz in der Stimme. Er macht das aus eigenen Stücken, unentgeltlich und ohne Auftrag. Er habe irgendwann keine Lust mehr gehabt, dem Geschmiere tatenlos zuzusehen, sagt der Pensionär. Mittlerweile hat er zwei Mitstreiter gewonnen. Karl-Reinhold Granzow, Vorsitzender des Bauausschusses, sorgt dafür, dass die Kästen in seinem Wohngebiet Rathenow-West sauber bleiben. Und im Stadtzentrum ist Enrico Brüggemann, Ladenbesitzer aus der Mittelstraße, als Graffitischreck unterwegs.

Wenn die drei Männer eine Schmiererei in ihrer Nähe entdecken, schreiten sie zur Tat. Der schnellen Beseitigung der Sprühwerke kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Denn wenn einem Sprayer die Möglichkeit genommen wird, mit seinem Werk zu prahlen, kann er schon mal die Lust an seiner Passion verlieren. Horst Schwenzer weiß, dass im Kampf gegen die Sprayer Geduld und Ausdauer gefragt sind. „Ich bin mal an einem Sonntagabend losgezogen, um Graffiti zu übermalen“, erzählt er. Bereits am Montagmorgen habe wieder ein Schriftzug auf der frisch gestrichenen Fläche geprangt. Den hat Schwenzer dann gleich überpinselt.

„Wissen Sie, ich bin Preuße“, sagt er, wenn man ihn nach den Beweggründen für sein Engagement fragt. „Ich habe es gerne ordentlich. Und außerdem mag ich es nicht, wenn Leute andauern meckern, aber selber nicht einen Handschlag leisten, um die Situation zu verbessern.“ Einmal habe sich jemand neben ihn gestellt, Hände in den Hosentaschen, und habe begonnen, Anweisungen zu geben, so in der Art: „Da musste aber noch mal drüberstreichen.“ Auf Schwenzers Anregung, es doch selber zu versuchen, antwortete der Mann: „Wat icke? Du wirst doch dafür bezahlt.“ Als Schwenzer zu erklären versuchte, dass dies nicht so ist, hat der Mann sich umgedreht und ist fortgegangen.

Von Markus Kniebeler

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