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Kampfkunst im Blätterwald

Falkensee Kampfkunst im Blätterwald

Die innere Ruhe finden, seinen Körper spüren – Chi Kempo ist traditionelle chinesische Kampfkunst. Ihre Schüler erlangen Selbstsicherheit und Ausgeglichenheit. MAZ-Reporterin Laura Sander schloss sich einer Falkenseer Chi Kempo-Trainingsgruppe an – bis zur inneren Ruhe ist es jedoch ein weiter Weg.

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Einmal in der Woche trainiert Amrei Hellwig (2. v. l.) mit ihren Schülern auf der Lichtung in Waldheim – höchste Konzentration bei MAZ-Reporterin Laura Sander (2. v. r.).

Quelle: Tanja M. Marotzke

Falkensee. Leise raschelt das Laub unter meinen Füßen, zaghaft durchbricht die Sonne die dichten Baumkronen und taucht den Bredower Forst in ein magisches Licht. Die Ruhe wird nur vom leisen Gezwitscher der Vögel durc hbrochen. Ich konzentriere mich und schließe die Augen, besinne mich ganz auf meinen Körper, fühle Beine, Bauch und Arme. Die beruhigende Stimme von Yoga- und Kampfkunstlehrerin Amrei Hellwig legt sich wie ein Schleier über meine Gedanken und mein Körper kommt zur Ruhe.

Gesunde Form der Bewegung

Es ist kurz nach 8 Uhr, die Luft ist erfrischend kühl. Solange das Wetter mitspielt trifft sich die Chi Kempo-Gruppe der Falkenseer Yoga- und Kampfkunstschule jeden Donnerstag in kleiner Runde zum morgendlichen Training unter freiem Himmel. „Diese spezielle Ausrichtung des Kung-Fu basiert auf dem sogenannten Drachenstil, der sowohl weiche, als auch harte Elemente enthält und sich an den vier Elementen Wasser, Luft, Feuer und Erde orientiert“, erklärt Amrei Hellwig, die bereits seit 1997 Kung-Fu praktiziert. „Vor etwa sieben Jahren habe ich die Schule übernommen. Chi Kempo ist eine gesunde Form der Bewegung und stärkt das Selbstvertrauen“, so die 53-Jährige. Die Techniken, entwickelt im Shaolin Kloster in China, sind komplex. Bodenarbeit, Stocktechniken, Schattenkampf und Katas, also ein Übungskampf nach festgelegtem Ablauf, sind Bestandteile des Trainings.

Mit Leichtigkeit entwaffnet Amrei Hellwig die MAZ-Reporterin

Mit Leichtigkeit entwaffnet Amrei Hellwig die MAZ-Reporterin.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Angriff!

Nach einigen erwärmenden Yoga-Übungen, die meinen Gleichgewichtssinn und vor allem meine Oberschenkelmuskulatur fordern, nehme ich den Hanbo, den Halbstock, zur Hand. Zunächst heißt es Angriff. Da ich mich noch nie mit chinesischer Kampfkunst beschäftigt habe und auch sonst nie jemandem im Zweikampf gegenüberstand, fällt es mir schwer den Stock auf Trainerin Amrei Hellwigs Kopf niedersausen zu lassen und stoppe ihn mitten in der Luft – völlig unnötig, wie sich herausstellt. Mit einer unglaublichen Kraft und Körperspannung stellt sie sich mir entgegen, hält mich mit ihrem Hanbo auf und entwaffnet mich mit Leichtigkeit. Verdutzt bin ich ihr ohne Waffe oder jegliche Deckung ausgeliefert. „Bei Chi Kempo geht es um effektive Selbstverteidigung und nicht um den Angriff. Viel wichtiger sind jedoch die Selbstentwicklung und Selbsterkenntnis – im Laufe der Zeit erfährt man viel über sich selbst und sein Handeln“, so Hellwig. Wie funktioniere, denke, handle ich? Stehe ich mir selber im Weg und wie kann ich daraus lernen – wie erleichtere ich mir durch diese Erkenntnis mein Leben? Kann ich mich auf eine Sache fokussieren, meine Konzentration in eine bestimmte Bewegung legen? Es gelingt mir nicht. Zu schnell lasse ich mich von meiner Umwelt ablenken, zu viele Gedanken schwirren mir durch den Kopf.

Geistige Ruhe

Geistige Ruhe und die Einheit mit dem Körper sind jedoch besonders bei der Kata erforderlich. Körperbeherrschung und Konzentration auf höchstem Niveau prägen den Übungskampf. Wirkungsweise und Bedeutung des Atmens rücken in den Vordergrund. „Die Kata ist eine festgelegte Abfolge von Bewegungen, die man je nach Element anders ausführt. Das Wasser steht für leichte, fließende Bewegungen, Feuer für kraftvolle“, so Trainerin Hellwig, die in ihrer Schule neben Qi Gong, Yoga, Meditation und Selbstverteidigung auch Power-Yoga für Jugendliche anbietet. „Jugendliche sind im Alltag bereits großem Stress ausgesetzt. Yoga bedeutet Entspannung zu lernen und fernab des alltäglichen Wettkampfes, zur Ruhe zu kommen.“

Mit dem Hanbo in Angriffsposition

Mit dem Hanbo in Angriffsposition.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Ohne die nötige Ruhe, aber mit großer Entschlossenheit versuche ich beim Schattenboxen noch einmal alles zu geben, schaffe es jedoch nicht den weichen, aber bestimmten Bewegungen meines Gegners zu folgen. Torsten Brumm hat zehn Jahre Kampfkunsterfahrung und ist ebenfalls Trainer in der Falkenseer Schule. Meine halbherzigen Angriffe schiebt er mit gezielten Bewegungen zur Seite. Ich verfalle in hastige Abfolgen, verhake meine Beine und mache mich dadurch angreifbar. „Es ist mehr, wie ein Tanz. Lass dich darauf ein“, ermutigt mich Brumm und trifft mich durch meine nachlässige Deckung leicht in der Magengegend. Mein Körper fühlt sich trotzdem leicht an, als ich mich bei meinem Trainingspartner bedanke.

Nach dem Training glühe ich förmlich. Die Ruhe, die mir im Wald gefehlt hat, breitet sich über meinen Körper aus. Beschwingt und ausgeglichen, fast wie in Trance, komme ich im Büro an und wache erst auf, als das Telefon klingelt und mich die Realität zurückholt.

Von Laura Sander

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