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Kanäle sollen sofort schiffbar werden

Ketziner Bürgerinitiative lehnt Verfahren ab Kanäle sollen sofort schiffbar werden

Die Bürgerinitiative, die sich für das Aufheben des Fahrverbotes für Motorboote in Ketzin Brückenkopf einsetzt, lehnt den vom Infrastrukturministerium vorgeschlagenen Weg zur Umwidmung der Kanäle ab. Gefordert wird eine sofortige Lösung, damit Anlieger und Gäste die Wasserwege wieder nutzen können.

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Auch die Einfahrt in den Ziegeleikanal ist für Motorboote gesperrt.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Ketzin/Havel. Die Verbotsschulder für motorbetriebene Boot müssen sofort weg. Alle Kanäle in Ketzin Brückenkopf, in der Schuhmachersiedlung und der Kliemsiedlung sollen schiffbar sein. Von dieser Maximalforderung gehen die inzwischen mehr als 500 Mitglieder der Bürgerinitiative „Gegen Motorbootverbot am Ziegeleikanal, Brückenkopf und in der Schumachersiedlung“ nicht ab. Das brachten sie am frühen Dienstagabend in einem Gespräch mit Bürgermeister Bernd Lück (FDP) unmissverständlich zum Ausdruck.

Der hatte die Vertreter der BI eingeladen, um sie über den Inhalt eines Termins im Infrastrukturministerium zu unterrichten, bei dem es um die Schiffbarkeit der vielen Kanäle in Brückenkopf ging. Doch das, was der Bürgermeister zu sagen hatte, prallte bei der BI ab.

So könne zwar die Stadt Ketzin/Havel den Umwidmungsantrag für die Gewässer von nichtschiffbar in schiffbar stellen. Allerdings sei das mit Auflagen und Schwierigkeiten verbunden. Vor allem, wenn es um Bereiche geht, die im Landschaftsschutzgebiet oder gar im Naturschutzgebiet liegen. Lück erklärte: „Flächen, für die Bebauungspläne gelten, ist die Umwidmung relativ einfach. Nur leider sind das die wenigsten.“ Bei der überwiegenden Zahl der Wasserwege wäre man bei einer Umwidmung auf die Entscheidung anderer Behörden, in dem Falle des Landkreises Havelland, angewiesen. Erschwerend kommt hinzu, dass alle Eigentümer der Wassergrundstücke einer Umwidmung zustimmen müssen, so Lück. Auf die Frage, was passiere, wenn einer Nein sagt, gab es keine Antwort. Eine weitere Auflage des Ministeriums: Für jeden Kanal soll die Wassertiefe ermittelt werden.

Von alledem wollen Thomas Witkowski und seine Mitstreiter aber nichts wissen. „Die Gewässer waren seit Ende des 19. Jahrhunderts schiffbar. Wenn nach der Wende dazu ein Gesetz geändert wurde, haben wir davon nichts gewusst und wurden auch nicht beteiligt. Deshalb kann man nicht jetzt Verbotsschilder aufstellen, die hunderten von Menschen den Wasserweg zu ihren Grundstücken versperren.“ Die Bürgerinitiative will nun selbst einen Termin im Ministerium machen, „um den Verantwortlichen auf direkten Weg zu erklären, was wir wollen“, sagt Herbert Mosch.

Aus der Historie

Die Kanäle im Bereich Ketzin-Brückenkopf wurden Ende des 19. Jahrhunderts künstlich von der Kanalbaugesellschaft zum Tonabbau für die Ziegeleien zur Schiffbarkeit angelegt.

1861 hatten Ziegeleibesitzer und die Stadt Ketzin die Kanalbaugesellschaft gegründet. Dank eines künstlichen Zugangs zur Havel sollten die entstandenen Lehmabbauflächen anschleißend mit Havelwasser geflutet werden.

1922 hat die Kanalbaugesellschaft ihr Eigentum an die Stadt Ketzin übertragen, wobei sich die Stadt verpflichtet hatte, eine öffentliche Nutzung des Kanals für die Schifffahrt zu erhalten.

Zu DDR-Zeiten gab es keinerlei Einschränkungen für das Befahren der Kanäle mit Motorbooten.

Mit Kritik an der Ketziner Stadtverwaltung wurde auch nicht gespart. Sie hätte die betroffenen Grundstückseigentümer viel früher über das Problem mit der Nichtschiffbarkeit informieren müssen, hieß es. „Wenn die Verwaltung 2004 bereits eine Umwidmung des Stichkanals am Wasserwanderrastplatz in Paretz durchgezogen und bewilligt bekommen hat, hätte man doch damals schon wissen müssen, dass es bei anderen Kanälen ähnliche Dinge anstehen werden“, so Mosch. Wie die MAZ erfuhr, können die Anlieger bis zum Abschluss des möglichen Umwidmungsverfahrens mit ihren Motorbooten die Kanäle befahren, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.

Von Jens Wegener

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