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Kanzel und Beichtstuhl werden restauriert

Börnicke Kanzel und Beichtstuhl werden restauriert

Geschnitzte Kostbarkeiten weist die Kirche im Nauener Ortsteil Börnicke auf. Nachdem der Altar bereits restauriert worden ist, stellt Restauratorin Annett Schulz nun die Kanzel und den Beichtstuhl wieder her. Die bedeutendsten Einrichtungsteile der Kirche wurden 1544 ihrer Bestimmung übergeben – also 27 Jahre nach dem Thesenanschlag von Martin Luther.

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Innen reich verziert: Annett Xenia Schulz und Jörg Schütt vor Kanzel und Beichtstuhl.

Quelle: Bolko Bouché

Börnicke. Beichtstühle kennt man aus der katholischen Kirche, jetzt aber restauriert Annett Xenia Schulz einen solchen im evangelischen Gotteshaus von Börnicke. Zuvor hatte sich die Restauratorin auch mit der Geschichte der Kircheneinrichtung genau befasst. Durch Untersuchung der Baumringe konnte festgestellt werden, dass das Eichenholz für Kanzel und Beichtstuhl sowie für den geschnitzten Altar exakt im Jahre 1542 gefällt wurde und aus dem Glien stammt. Die bedeutendsten Einrichtungsteile der Kirche wurden 1544 ihrer Bestimmung übergeben – also 27 Jahre nach dem Thesenanschlag von Martin Luther. Jener hatte die mit verschiedenen Bußleistungen und der Angst vor Hölle und Fegefeuer verbundene Beichte abgelehnt. Die Beichte als Sündenbekenntnis jedoch hielt er für „lieblich und tröstlich“ und praktizierte sie auch selbst.

„Der Beichtstuhl in Börnicke wurde im Jahre 1550, in der Zeit des Übergangs, gebaut“, sagt Restauratorin Annett Schulz. Aufgrund seiner Bauart ist er aber eindeutig evangelisch. Pfarrer und Beichtender betraten das Beichtgehäuse durch getrennte Türen, saßen dann aber ohne Sichtschutz nebeneinander auf einer Bank. Gebeichtet wurde in der Regel am Vorabend des sonntäglichen Abendmahls. Ein Gemeindeglied sprach die Beichtformel für alle Anwesenden. Auf dem Land fanden sonnabendliche Beichtgespräche noch im 20. Jahrhundert statt.

Annett Schulz findet es besonders spannend, dass alle Spuren späterer „Verschönerungen“ an der wertvollen Inneneinrichtung in Börnicke gut erkennbar sind. Zum Beispiel beim geschnitzten Altar, den sie bereits vor Kurzem restaurieren konnte. 1544 wies der Altar katholische und reformierte Bildnisse auf. Auch dafür hat die Fachfrau eine Erklärung: Der Übergang vom alten Glauben zum neuen Glauben verlief moderat, nicht abrupt. Fünf Patronatsherren übten gemeinsam die Schirmherrschaft über die Kirche aus.

Im Jahre 1604 wurde der Altar dann evangelisiert. Das geschah durch Veränderungen im Bildprogramm. Im Hauptbild des Altares wurde ein Gnadenstuhl mit Gottvater und dem gekreuzigten Jesus aufgestellt und die katholische Marienfigur wurde in eine Caritas umgewandelt, in dem ihr viele Kinder hinzugefügt worden sind.

Weitere Veränderungen am Bildprogramm fanden 1738 statt. In dieser Zeit wurde eine Frauenfigur mit einem Bart versehen, ein hinzugefügtes Buch macht aus ihr den Evangelisten Marcus. Diese Umarbeitung steht für Verkündung des Evangeliums, das mit der Bibelübersetzung Luthers Verbreitung fand. Im 19. Jahrhundert und auch in den 1970er-Jahren wurde die Börnicker Einrichtung instandgesetzt und einzelne Verzierungen bekamen eine neue Farbfassung. Ein grundlegender Neuanstrich, wie er 1937 geplant war, erfolgte wegen des Krieges und später wegen Geldmangels in der DDR nicht. Zum Glück für die Denkmalpflege.

Viele Informationen lieferte die Recherche in Archiven, bei der die Restauratorin von Gemeindemitgliedern unterstützt wurde. „Durch unsere Bauvorhaben erfuhren wir viel über die Geschichte unserer Kirche “, sagt Jörg Schütt, Vorsitzender des Gemeindekirchenrats. Seit mehr als 20 Jahren ist die Sanierung sein Thema, und zwar neben seiner Arbeit und seinem Ehrenamt als Nachwuchstrainer im Fußball. „Ich bin bei den Geldgebern bekannt und laufe überall offene Türen ein“, erzählt er. Unterstützung für Kanzel und Beichtstuhl kam zum Beispiel von der Mittelbrandenburgischen Sparkasse. „Dieses Bauwerk spiegelt 500 Jahre Kirchen- und Regionalgeschichte. Das Engagement der Kirchengemeinde zeigt, wie wichtig sie für den Ort ist“, sagt Matthias Kremer, Marktdirektor der MBS im Havelland.

Vorsichtig streicht Annett Schulz mit einem seifengetränkten Wattebausch über das Holz. In einem weiteren Arbeitsgang wird sie lose Farbplättchen festigen. Die Ausstattung von Altar und Kanzel zeugt vom Reichtum der Familie Bredow im 16. Jahrhundert. Kunstvolle Schnitzereien, gemalter Marmor, Silberauflagen und Blattgold bekommen die ursprüngliche Schönheit zum Teil wieder zurück.

Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten an der Kanzel in der Börnicker Kirche abgeschlossen werden. Jörg Schütt denkt schon an das nächste Projekt, die Wiederherstellung der Decke im Kirchenschiff. Sie ist heute einfarbig gelb, aber ein altes Foto zeigt sie mit bemalten Ornamenten. Ein Beispiel dafür, dass die Pracht evangelischer Kirchen in der Reformationszeit noch dem katholischen Vorbild folgte.

Von Bolko Bouché

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