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Havelland Karpfenfang wird Frauensache
Lokales Havelland Karpfenfang wird Frauensache
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10:40 27.02.2017
Anne Oertel (l.) lässt Vanessa Fuchs an Karpfenfutter (Boilies) mit Krabbengeschmack riechen. Quelle: Ulrike Gawande
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Paaren im Glien

Und es gibt sie doch: Frauen, die sich in jeder freien Minute ans Wasser setzen und angeln. Auf der 14. Ausgabe der Carp-Expo, der Fachmesse für Karpfenangler und andere Petrijünger, die am Wochenende tausende Besucher in den MAFZ Erlebnispark nach Paaren im Glien lockte, waren sie zwar deutlich in der Minderheit, aber auch das weibliche Geschlecht entwickelt zunehmend Interesse an diesem speziellen Outdoorsport.

So wie Vanessa Fuchs, die mit ihrem Partner für die Messe extra aus Kassel angereist war. Seit drei Jahren ist die junge Frau ein Angelkarpfenfan. Angesteckt wurde sie von ihrem Partner, der schon lange diesem Hobby nachgeht. „Ich mag den Reiz, immer ein neues Tier zu fangen“, verriet Vanessa Fuchs, die auf der Messe bereits Haken, Kleinteile und Boilies erstanden hat. Boilies, ein Kunstwort für gekochte Karpfenköder (abgeleitet vom englischen Wort boil für Kochen), sind an unzähligen Ständen der Messe erhältlich. Mal quietschbunt, mal neonfarben und dann wieder naturbelassen blass. Erhältlich in den verrücktesten Geschmacksrichtungen von Knoblauch bis Tutti-Frutti, und sogar Boilies der Sorte „Egg and Brandy“ (Eierlikör) gingen in kleine Drei-Kilo-Tüten und großen Zehn-Kilo-Säcken über den Messetisch.

„Mit drei Kilogramm kommt man übers Wochenende“, verriet Helmut Rogalla, Inhaber von Master Baits, der mit der Herstellung von Karpfenfutter sein Hobby zum Beruf gemacht hat. „Seitdem habe ich kein Hobby mehr“,sagte der Kölner lachend, nur noch selten findet er selber Zeit zum Angeln. Ständig sei er dabei Rezepturen der Karpfenköder zu verbessern oder neue Aromen auszuprobieren. Seine neuste Kreation sind sogenannte Pop-Ups, Hohlkörper, die mit einem Lockstoff, dem Dip, gefüllt werden, der dann zehn bis zwölf Stunden ausläuft und die Beute anlockt.

Die Messe in Paaren sei die größte Messe in Deutschland, die sich auf Karpfen spezialisiert habe, so Rogalla. „Deutschland ist aber ein kleiner Markt.“ Angesichts der großen Messe mit rund 60 Ausstellern kaum vorstellbar. Auf dem Parkplatz standen Autos aus allen Bundesländern, aber auch aus dem benachbarten Ausland. Mehrere Vorträge, Diashows und Filme sorgten für volle Stuhlreihen im Veranstaltungszelt, während in den drei Messehallen wirklich alles erhältlich ist, was das Anglerherz begehrt: Angelköder, Liegen, Zelte, Taschen, Stühle, Kleidung, Angeln und Zubehör. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Nur keine lebenden Karpfen. Manch Petrijünger sei beim Angeln besser ausgestattet als daheim, schmunzelte ein Aussteller. So werden sogar Futterboote – Kostenpunkt 500 Euro aufwärts – verkauft, die mit Echolot und Unterwasserkamera ausgestattet sind.

Fast ein Nischengeschäft ist da der Stand von Detlef Flemming aus Passau, der neben Ferngläsern und Lampen vor allem Messer im Angebot hat. „Auf der BraLa bin ich Stammgast, nun das erste Mal auch auf der Carp-Expo, aber mit dem Verkauf bin ich zufrieden.“ Denn nur noch die wenigsten Angler werfen ihre Leine aus, um einen Fisch zu fangen, der dann auch in die Pfanne kommt. Es geht beim Karpfenangeln nur darum, den größten Fisch zu fangen und ein Foto mit dem jeweiligen, teilweise über 30 Kilogramm schweren, Prachtexemplar zu machen. Catch and release – fangen und freilassen – ist das Motto.

„Wenn der Fisch raus ist, gibts einen Knutscher, ein Foto, dann wieder rein ins Wasser, damit er munter weiterschwimmen kann“, erklärte Anne Oertel aus Finsterwalde das Prozedere, und ergänzte: „Fische töten ist eher was für die ältere Generation.“ Sie schätzt an ihrem Hobby das Gesamtpaket. Die Mischung aus Entspannung und Action. Mit einer Boiliesfuttertüte war sie auf der Messe unterwegs und lässt die Besucher schnuppern. Ein intensiver, starker Geruch entweicht. Die schwarzen und weißen Kugeln gehören zur Sorte Krabbengeschmack. „Karpfen lieben es“, erzählte die junge Frau, die für Imperial Baits arbeitet. Und auch Vanessa Fuchs aus Kassel hat die Erfahrung gemacht, dass besonders die fischigen Geschmacksrichtungen bei Karpfen beliebt seien.

Die Jungs von Hidden Visitors aus Cottbus, die ihr Boilies ohne Konservierungsstoffe herstellen, schätzen am Karpfenangeln vor allem den Aufenthalt in der Natur, die Gemütlichkeit und die flucht vor dem Alltagsstress: „Die Krönung ist dann der Fisch.“

Von Ulrike Gawande

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