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Havelland Kehrtwende: Keine neuen Windräder in Ketzin
Lokales Havelland Kehrtwende: Keine neuen Windräder in Ketzin
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02:15 01.12.2017
Neue Windräder sollen im Bereich Ketzin nicht hinzukommen. Quelle: Konrad Radon
Ketzin/Havel

„47 Windräder in der Gemarkung Ketzin/Havel sind genug. Mit Blick auf das Gemeinwohl und die Interessen der Bürger sollten die Stadtverordneten sich gegen den Bau weiterer Anlagen aussprechen.“

Dieser Appell des Falkenrehders Karl-Heinz Konrad von der Bürgerinitiative „Gegenwind Ketzin“ am Montagabend hat seine Wirkung zumindest bei den Mitgliedern des Ketziner Hauptausschusses nicht verfehlt. Die stimmten (5 x Ja, 1 x Nein, 1 x Enthaltung) für die Einstellung der laufenden Änderungsverfahren für vier Bebauungspläne zu Windparks in Ketzin/Havel.

Damit kippten sie die Empfehlung des Ketziner Bauausschusses. Der hatte sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, die vier Bebauungspläne „Windpark Etzin“, „Windpark Etzin II“, „Windpark Ketzin“ und „Renergiefarm Knoblauch“ an die im Regionalplan Havelland-Fläming 2020 vorgegebenen neuen Grenzen des Windeignungsgebietes 13 „Nauener Platte“ anzupassen.

„Sie als Stadtverordnete sind trotz des Windeignungsgebiets nicht verpflichtet, die Flächen der Windparks bis auf das mögliche Höchstmaß mit Windrädern zu verdichten. Schon gar nicht, Anlagen mit einer Höhe von mehr als 200 Meter zuzulassen“, erklärte Karl-Heinz Konrad von der BI. Die letzte Entscheidung treffen nun die Stadtverordneten am 12. Dezember.

Spätestens mit Inkrafttreten des Regionalplanes 2020 hatten die potenziellen Investoren MDP GmbH, Rübsamen Windenergie GmbH und UKA Meißen Projektentwicklung GmbH & Co. KG angekündigt, zusätzliche Windräder im Bereich der vier Windparks errichten zu wollen. Ursprünglich waren es 17, zuletzt nur noch fünf. Gepaart mit dem Wunsch, vorhandene 150 Meter-Windräder durch höhere, die die 200-Meter-Grenze überschreiten, zu ersetzen.

Dagegen aber lief die Bürgerinitiative „Gegenwind Ketzin“ Sturm. Es wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die aus Vertretern der Verwaltung, aus Kommunalpolitikern, Vertretern der BI und der Investoren bestand, um nach Lösungen zu suchen. „Doch gemeinsame Beratungen aller Beteiligten hat es nicht gegeben. Zum Runden Tisch waren die Investoren nie eingeladen worden, so dass sie ihre Kompromissvorschläge auch nicht in großer Runde erläutern konnten“, beklagte SPD-Mann Heinz Irmer und stimmte als Einziger gegen die Einstellung der Änderungsverfahren für die Bebauungspläne.

Anders sehen das seine Fraktionskollegen. Doris Radtke: „Seit 1990 steht für mich als Stadtverordnete das Gemeinwohl oben an. Wir können den Bürgern nicht noch weitere Belastungen durch die Windräder zumuten.“ Jürgen Tschirch sieht einen Konflikt zwischen dem Aufstellen weiterer Windkraftanlagen und der Entwicklung des Tourismus in Ketzin. „Das beißt sich. Außerdem sehe ich nicht ein, dass bei uns Strom erzeugt wird, der eigentlich gar nicht gebraucht wird.“

Christdemokratin Christel Zimmer ärgert sich darüber, dass „nur die Investoren und einige wenige Landbesitzer mit den Anlagen Geld verdienen, aber die meisten Ketziner davon nichts haben.“

Sollten sich die Stadtverordneten der Empfehlung des Hauptausschusses anschließen, bleiben die vier Bebauungspläne unberührt. Allerdings ist damit nicht ausgeschlossen, dass es künftig doch neue Windräder in der Gemarkung Ketzin/Havel geben wird. „Potenzielle Investoren könnten für Flächen außerhalb der vier Bebauungspläne, die aber innerhalb des Windeignungsgebietes 13 liegen, einzelne Bauanträge stellen“, sagt Susanne Storch von der Ketziner Stadtverwaltung.

Derzeit verhindere zwar der gültige Flächennutzungsplan der Stadt neue Windräder auf besagten Flächen. Aber: „Der Flächennutzungsplan wird gerade überarbeitet, unter anderem wegen der Ausweisung neuer Wohngebiete. Wenn er beschlossen werden soll, müssen wir ihn an die aktuell geltende Landesplanung anpassen. Das heißt, auch an die Grenzen des Windeignungsgebietes“, so Susanne Storch.

Von Jens Wegener

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