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Kein Freibrief für Kirchberg-Investor

Rathenow Kein Freibrief für Kirchberg-Investor

Auf dem Rathenower Kirchberg ist an prominenter Stelle ein Wohnhaus entstanden. Allerdings hat der Bauherr bei Sanierung und Neubau gleich gegen mehrere Richtlinien verstoßen. Die Rathenower Stadtverordneten waren wegen der Vielzahl der Verstöße nicht bereit, diese im Nachhinein zu genehmigen.

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Das sanierte Haus im Kirchgang 11 (links) und der Anbau.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Es ist noch nicht lange her, da zählte das Grundstück am Kirchberg 11 zu den Schandflecken in der Rathenower Innenstadt. Das Haus, seit Jahren dem Verfall preisgegeben, konnte man getrost als Ruine bezeichnen. Und auch das Umfeld an dieser prominenten Stelle machte einen verwahrlosten Eindruck.

Diese Zeiten sind Geschichte. Ein Rathenower Investor erwarb 2011 das Grundstück von einer Erbengemeinschaft. Im vergangenen Jahr begann er – nach Verhandlungen mit dem Denkmalschutz – mit der Sanierung der Immobilie. Außerdem errichtete er auf der westlichen Seite einen Neubau, der unmittelbar an das alte Gebäude anschließt. Dass der jetzige Anblick besser ist als der vorherige Zustand, ist unbestritten.

Allerdings wurde bei der Errichtung des Neubaus gegen diverse Festlegungen sowohl des B-Plans als auch der Gestaltungssatzung verstoßen. Der Antrag des Bauherren, diese Abweichungen nachträglich zu genehmigen, wurde von den Rathenower Stadtverordneten auf der jüngsten Sitzung mit großer Mehrheit abgelehnt. Nun liegt der Ball beim Bauordnungsamt des Kreises. Dieses ist dafür zuständig, Bauherren an ihre Pflichten zu erinnern. Und Verstöße gegen rechtliche Bestimmungen zu ahnden.

So sah das Haus vor der Sanierung aus

So sah das Haus vor der Sanierung aus. Der Anbau wurde rechts neben das Gebäude gesetzt.

Quelle: Stadt Rathenow

Die Liste der Abweichungen ist lang. Es geht um Balkonverkleidungen, die blickdicht statt transparent sind. Es geht um die farbliche Gestaltung des Anbaus. Es geht um eine Photovoltaikanlage, die nicht beantragt worden ist. Am schwersten ins Gewicht fällt die Dachterrasse auf dem Anbau. Die Brüstung ist einen halben Meter höher geraten als genehmigt. Dadurch wirke die Dachterrasse wie ein zusätzliches Geschoss, wodurch der Neubau eine unerwünschte Dominanz erhalte, heißt es in der Erklärung der Verwaltung zu der Beschlussvorlage. Somit sei die ursprünglich genehmigte Unterordnung des Neubaus zum Altbau nicht mehr erkennbar. Auch die Zweckentfremdung einer öffentlichen Grünfläche – der Bauherr versetzte den Grundstückzaun um rund anderthalb Meter nach außen und verleibte sich so rund 60 Quadratmeter städtischen Grund und Bodens ein – wurde von den Abgeordneten scharf kritisiert.

Die Stadtverordneten machten klar, dass sie nicht bereit sind, dieses Vorgehen gutzuheißen. „Wenn wir diese Ausnahmen im Nachhinein genehmigen, dann können wir unsere Gestaltungssatzung gleich in den Papierkorb werfen“, sagte René Hill (CDU). „Eine Baugenehmigung hat den Zweck, dass man sich daran hält“, ergänzte Jean-Luc Meier (Bündnisgrüne). Und Daniel Golze sagte: „Der Investor hat gebaut, wie es ihm passt“. Dem müsse man einen Riegel vorschieben, sonst würden irgendwann die Ausnahmen zur Regel.

Der Kompromissvorschlag von Bürgermeister Ronald Seeger, dem Bauherren noch einmal die Chance zu geben, sich im Bauausschuss zu erklären, fand keine Mehrheit. Auch der Hinweis von Wilfried Verter, der Investor habe in Rathenow schon viel Gutes getan, deshalb solle man ihm die Chance geben, sich zu erklären, fruchtete nicht. Nun ist es Aufgabe des kreislichen Bauordnungsamts, den Bauherrn aufzufordern, den Bau entsprechend der Genehmigung herzustellen.

Von Markus Kniebeler

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