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Kein Handy-Empfang: In Kleßen funktioniert nicht mal der Notruf

Eine Reise ins Funkloch Kein Handy-Empfang: In Kleßen funktioniert nicht mal der Notruf

In Kleßen versagen auch modernste Smartphones den Dienst. Das Dorf liegt in einem Funkloch. Im März kam eine Frau deswegen nicht zum Notruf durch, als sie ein brennendes Auto sah. Jetzt diskutierten Abgeordnete mit Einwohner über ein Problem, das eigentlich nicht in die heutige Zeit passt, aber für das es Lösungen gäbe.

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Politiker und Einwohner suchen gemeinsam vergebens nach einer Funkverbindung in Kleßen

Quelle: Norbert Stein

Kleßen. Nico Heider schüttelt verständnislos den Kopf. Der junge Mann kann mit seinem Handy wieder einmal nicht telefonieren. „So ist es meistens und zwar im ganzen Dorf“, sagt er und fügt verärgert hinzu: „Eine Leistung, die ich bezahle, möchte ich auch nutzen können“. Mobil telefonieren sei besonders auf dem Land wichtig, um erreichbar zu sein auf der Arbeit oder für die Kita, ergänzt Tatjana Milatz am Donnerstagnachmittag in einer Diskussionsrunde mit dem Bundestagsabgeordneten der CDU, Sebastian Steinecke, und dem wirtschaftspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Dierk Homeyer, vor dem Dorfgemeinschaftshaus in Kleßen.

Auch der Rhinower Amtsdirektor Jens Aasmann (SPD), Ortsvorsteher Michael Austen, weitere Einwohner und der Bürgermeister der Gemeinde Havelaue, Guido Quadfasel (CDU), sind gekommen, ums sich Luft zu verschaffen und nach Lösungswegen zu suchen für ein Problem, das den Menschen im Ländchen Rhinow „unter den Nägeln brennt“, besonders aber den Einwohnern von Kleßen-Görne.

Für Mobilfunkanbieter rechne sich eine Investition nicht

Die Ursache sehen Steinecke und Homeyer auf ihren eigenen Smartphones. Sie haben selbst kein Empfang und machen die Einwohner auf die Möglichkeit aufmerksam, das Problem im Internet an den „Funklochmelder“ zu schicken, der alle „weißen Flecken“ im Land registriert.

Mobil telefonieren ist in Kleßen ein Glücksfall, zumeist aber nicht möglich. Die Gemeinde liegt zwischen Rhinow und Friesack in einem Funkloch. Damit die Einwohner und ihre Besucher im Ort und in der Umgebung einen ordentlichen Handyempfang bekommen, muss in Kleßen ein Funkmast aufgestellt werden. Alle drei Mobilfunkanbieter haben bisher eine solche Investition abgelehnt mit der Begründung, sie würde sich für ihr Unternehmen in der dünn besiedelten Region wirtschaftlich nicht rechnen.

Dierk Homeyer (M) im Gespräch mit den Einwohnern Nico Heider und Tatjana Milatz

Dierk Homeyer (M.) im Gespräch mit den Einwohnern Nico Heider und Tatjana Milatz.

Quelle: Norbert Stein

„Das in der heutigen Zeit aber nicht sein“, meint Dierk Homeyer. Mobil telefonieren zu können, gehöre heutzutage zur Daseinsfürsorge wie Wasser und Strom, betont Sebastian Steinecke. Er sieht dafür die Provider und die Landesregierung in der Pflicht. Dem stimmt auch der Ortsvorsteher zu. „Wir brauchen zuverlässige Funk- und Internetverbindungen. Sie sind für alle wichtig, ob Einwohner, Handwerker, Landwirt oder Gast“, erklärt Michael Austen. Er und der Bürgermeister der Gemeinde, Joachim Tessenow, werden nicht müde, immer wieder auf das Problem aufmerksam zu machen.

„Wir lassen auch nicht locker“, sagt Amtsdirektor Jens Aasmann. Er und die sechs Bürgermeister des Amtes Rhinow haben bereits im Herbst vergangenen Jahres an die Bundestags- und Landtagsabgeordneten aus der Region und die Mobilfunkanbieter geschrieben, mit der Bitte, sich für eine Lösung einzusetzen. Der Amtsdirektor bekam die Möglichkeit das Problem im Wirtschaftsausschuss des Landtages vorzutragen, auch der Landtag beschäftigte sich damit. Geändert hat sich in Kleßen aber bisher nichts. Der Amtsdirektor und die Bürgermeister haben nun ihren Bundestags- und Landtagsabgeordneten sowie den Mobilfunkanbietern erneut einen Brief geschrieben, um ihrer Bitte und Forderung Nachdruck zu verleihen.

Nicht einmal Notrufe können abgesetzt werden

Die Bundesnetzagentur habe sogar schon einen Standort für einen Funksendemast registriert, berichtet Aasmann. Errichtet werden könnte der Mast auf dem Hof eines Landwirtschaftsbetriebes im Dorf. Die Agrar GmbH Kleßen sei damit einverstanden, so der Ortsvorsteher.

Rund 200 000 Euro wären für den Funkmast aufzubringen, schätzt der Amtsdirektor. Wie schon an anderen Standorten könnten die Provider auch in Kleßen den Funkmast gemeinsam nutzen. Dafür sollten die Mobilfunkanbieter in Kleßen gemeinsam investieren. Sollte dann immer noch eine Finanzlücke hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit bestehen müsste das Land mit einer Förderung helfen, meinten Homeyer und Steinecke mit der Zusage, sich weiter für eine Lösung einsetzen zu wollen.

Sie sind auch für eine weitere vom Amtsdirektor vorgeschlagene Prüfung. Das Land soll prüfen ob eine Kombination mit dem Ausbau des BOS-Funkes für Rettungs- und Einsatzkräfte in Brandenburg möglich ist. Auch damit gibt es Probleme in der Region. Weil mit dem Handy telefonieren auch auf den Straßen um Kleßen und in den Nachbarorten oft nicht möglich ist, kam es schon zu bedrohlichen Situationen. So konnte im März diesen Jahres eine Kraftfahrerin, als sie bei Schönholz ein brennendes Auto sah, nicht sofort die Feuerwehr alarmieren, weil sie mit dem Handy keinen Notruf absetzen konnte. Das Handy hatte keine Funkverbindung.

Von Norbert Stein

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