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Keine Lust auf Veränderung der Kreise

Havelland Keine Lust auf Veränderung der Kreise

Was halten die MAZ-Leser von der Gemeindegebietsreform? Eine Umfrage ergab, dass 78,6 Prozent sie ablehnen. Sie befürchten weite Wege und hohe Kosten. Sie wollen ihr geliebtes Havelland behalten. Die Befürworter sind dafür, wenn lokale Angebote bleiben

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Landkreis Havelland – so soll es nach dem Willen der meisten auch künftig auf den Ortsschildern stehen.

Quelle: Marlies Schnaibel

Havelland. Für den Nauener Bürgermeister ist die Sache klar: „Havellandkreis müsste Kreisstadtsitz in Nauen haben“ – genau so lautete eine Überschrift heute vor 25 Jahren in der MAZ. 1992 tobten die Kreisgebietsreformkämpfe. Der Nauener Landrat Burkhard Schröder traf sich mit seinem Amtskollegen Karl-Heinz Schröter und zeigte Interesse an einer Fusion der Altkreise Nauen und Oranienburg. Flugblätter wurden verteilt, Anzeigen geschaltet, auf denen selbstbewusst gereimt wurde: „Die Entscheidung dieser Tage: Nauen bleibt Kreisstadt, ohne Frage!“

Nun ja, die Frage wurde bekanntlich anders entschieden. Rathenow wurde dann doch Kreistag, der Landkreis Havelland wuchs irgendwie zusammen und funktionierte. Offensichtlich doch so gut, dass viele sich mit ihrem Landkreis inzwischen identifizieren können und ihn als Heimat bezeichnen. „Alles soll so bleiben, wie es ist“, war die am häufigsten gegebene Antwort der MAZ-Leser zu dieser Frage. Die Zeitung befragte Leser in Falkensee, Dallgow-Döberitz und Schönwalde-Glien und wollte wissen, was sie von einem Großkreis aus Havelland und der Stadt Brandenburg/Havel halten. 3,5 Prozent meinten, sie könnten das nicht beurteilen, ihnen fehlten Einzelheiten. Die anderen waren sich ziemlich sicher im Urteil. 17,9 Prozent waren irgendwie dafür, 78,6 Prozent aber vehement dagegen.

„Ich plädiere für den Zusammenschuss“, schrieb Brigitte Reither und ergänzte: wenn sich dadurch die bürokratischen Aufwendungen reduzierten. „Die Bildung weniger Kreise ist richtig“, meinte Detlev Mier und nannte als wichtige Bedingung, dass Rathenow Kreisstadt bleibt und die Stadt Brandenburg ihre Schulden selbst abträgt. Jamie Dolan ist vom ständigen Gemecker und Gejammer nicht angetan und meinte gelassen: „Nur nicht immer alles zerreden, sondern einfach mal machen. Wird schon gehen.“ Und Birgit Leiblich bemerkte zu einer Fusion mit der Stadt Brandenburg: „Wenn die Ämter in Nauen oder Falkensee bleiben, dann wäre ein Großkreis okay.“

Von Angelkarte über Kfz-Zulassung bis Waisenrente – bei vielem ist der Landkreis Ansprechpartner der Einwohner, dafür hat er Büros in Rathenow, Nauen und Falkensee eingerichtet. Aber das kann Kritiker der Reform nicht besänftigen. Ganz viele haben vor allem Angst vor langen Wegen. „Großkreise sind nicht bürgernah“, sagte Horst Hinderberger voraus. Vor allem Ältere, die mitunter kein Auto haben, befürchten lange Wege. „In einem Großkreis mit Brandenburg besteht eine geringere lokale Zusammengehörigkeit“, meinte Reiner Stern, da gehe Heimatverbundenheit verloren und ländliche Gebiete würden benachteiligt, befürchtet er. „Das Havelland ist sowieso in West und Ost unterschiedlich, das sollte homogener gestaltet werden“, wünschte sich Hans Sedlmair. Und ob Rathenow oder Brandenburg – beide Städte sind von Falkensee gleich schlecht zu erreichen, etwa 70 Kilometer entfernt und keine Alternative.

Nicht nur weite Wege werden bei den MAZ-Lesern befürchtet. Vor allem das Thema „Kosten“ bewegt sie. „Die hoch verschuldete Stadt Brandenburg wird durch die Landkreise nicht erlöst“, sagte Rolf Bremer, für ihn ist die Reform lediglich Aktionismus. Christine Richter befürchtet künftig eine ungerechte Verteilung der Mittel, wenn das kommunale Schwergewicht Brandenburg in den Landkreis kommt. „Strukturreformen in anderen Bundesländern zeigten, dass mit keiner Reform je Geld gespart wurde“, argumentierte Juliane Gansen. Nicht nur der Landkreis, auch ihre Gemeinde Schönwalde-Glien soll bleiben, wie sie ist. Joachim Hackbarth hält nichts vor der Reform und meinte: „Sie kostet nur Geld, bringt Unzufriedenheit und Unruhe.“

„Ein Großkreis würde dem Havelland viel von dem nehmen, was wir alle so lieben“, sagte Johanna Liersch aus Wansdorf, „das Havelland soll so bleiben, wie bisher.“

Von Marlies Schnaibel

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