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Kellner: „Wir haben keine Riesenbetriebe“

Massentierhaltung im Havelland Kellner: „Wir haben keine Riesenbetriebe“

Nachdem das Volksvotum zur Massentierhaltung an den Landtag gegangen ist, müssen sich auch die Bauern im Havelland wieder mit dem Thema beschäftigen. Den Auftakt machte der Kreistagsausschuss für Landwirtschaft. Dort hatte man aber schon länger verabredet, sich dem Thema Massentierhaltung objektiv zu nähern.

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Das Tierwohl hat Vorrang.

Quelle: W. Walter

Rathenow. Für Henning Kellner sind die Landwirte im Landkreis keine Massenfutterproduzenten. „Die Bauern hier sind sehr vernünftig“, sagte er kürzlich den Mitgliedern des Kreistagsausschusses für Umwelt und Landwirtschaft. Die Landwirte im Kreis haben, so Kellner, „stets das Tierwohl im Sinn“.

Im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gibt es eine Expertengruppe, die eine umfangreiche Studie zum Thema Massentierhaltung, Ernährungsverhalten und Tierwohl verfasst hat. In dem Gutachten sind Zahlen und Fakten aus der gesamten Bundesrepublik zusammengetragen.

Tierwohl ist im Havelland wichtig

Aber kann man Hofgrößen, wie sie im Landkreis Havelland üblich sind, überhaupt mit anderen großen Massentierhaltungen in Nordrhein-Westfalen oder Niedersachsen vergleichen? Erhard Lücke, lange Zeit Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Havelland, sitzt nun im Kreistag – er glaubt: Nein. Das Gutachten habe einen Grundansatz, der im Havelland mit Sicherheit nicht gelte: „In der Studie geht man von Hofgrößen aus und nicht vom Tierwohl.“ Dabei sei das Tierwohl doch der Faktor, an dem sich ein Hof messen lassen müsse.

Mit dem Tierwohl nehmen die Landwirte im Havelland schon sehr genau, sagt Henning Kellner. Der Dezernent kann die Verstöße, bei denen seine Aufsichtsbehörden eingreifen mussten, an den Fingern einer Hand abzählen. Im vergangenen Jahr griff ein Landwirt zur Waffe, als ihm eine Viehherde abgenommen werden sollte. Außerdem musste das Amt einmal eine Schafherde sicherstellen. Wenn die Kreisveterinäre aus einem Bauernhof Tiere mitnehmen müssen, ist das hier in der Region immer noch spektakulär – so selten passiert es.

Hohennauen ist Vorbild

Ein Vorbild für den Bau von Ställen sei die Milchviehanlage in Hohennauen. „Das ist eine tolle Investition und man sieht, wie es aussehen muss, damit Tiere sich wohlfühlen.“ Das hört Gerhard Stackebrandt gern. Auch er ist für die Bauern im Kreistag. Und er warnt: „Man sollte das vielleicht auch einmal von der anderen Seite her überlegen.“ Viele Leute, die gegen Massentierhaltung unterschrieben haben, wollen nicht auf das billige Stück Fleisch im Großmarkt verzichten. „Das ist paradox“, sagt Stackebrand. Entscheidend sei, dass die Tiere genügend Platz haben. Und auch der Einsatz von Arzneimitteln werde von Tierärzten überwacht. „Es ist nicht so, dass wir hier alle in unseren Ställen die Arzneimittelschränke stehen haben und das Zeug selber verabreichen.“

Die Papiere, da waren sich die Bauern-Vertreter im Ausschuss einig, werden immer aus der Sicht der intensiven Tierhaltung geschrieben – so auch das Gutachten aus dem Landwirtschaftsministerium.

Das Votum zur Massentierhaltung ist aber da und der Landtag muss das Thema auf die Tagesordnung nehmen. Stackebrandt abschließend: „Vielleicht haben wir unseren Standpunkt hier im Havelland doch nicht offensiv genug vertreten.“

Von Joachim Wilisch

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