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Ketzin, das gemütliche Fischerstädtchen

Zuhause in... Ketzin, das gemütliche Fischerstädtchen

Die Vorteile der Lage an der Havel weiß Ketzin zu nutzen. Nicht nur bei der Einwohnerzahl legt die Kleinstadt zu. Auch unter den Wasserwanderern ist Ketzin inzwischen sehr beliebt.

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Ein Blick auf die neue Mitte von Ketzin und die katholische Kirche.
 

Quelle: Tanja M. Marotzke

Ketzin/Havel.  Zwei Kirchtürme überragen die Ketziner Altstadt. Der eine in der Nähe des Marktplatzes gehört zu der aus dem 12. Jahrhundert stammenden evangelischen St.-Petri-Kirche. Sie gehört zu den ältesteren Gebäuden der Stadt. Aber in Ketzin gibt es in der Rudolf-Breitscheid-Straße auch eine katholische Kirche, die 1911 geweiht wurde. Der Bau dieser Kirche ist eng verknüpft mit der Ketziner Geschichte des Tonabbaus, wie Helmut Augustiniak vom Ketziner Heimatverein weiß.

Nachdem 1860 Lehrer Käselitz eher zufällig die Tonerde in der Stadt entdeckte hatte, danach sehr schnell die ersten Ziegeleien in Ketzin entstanden, kamen die meisten Ziegeleiarbeiter aus Schlesien und Polen. „Das waren Katholiken, und wollten Gottesdienste besuchen“, so Augustiniak. Also baute man eine katholische Kapelle und später die Kirche.“

Die Silos sind 45 Meter hoch

Das eigentliche Wahrzeichen Ketzins sind aber nicht die beiden Kirchtürme, sondern sind die markanten Silos des Kraftfuttermischwerkes (KFM) in Havelnähe. Das Maschinenhaus erreicht eine Höhe von 60 Metern, die Silos 45 Meter. Wo ursprünglich die Ketziner Zuckerfabrik, als Außenstelle des Nauener Betriebes, errichtet wurde, steht seit Mitte der 1960er-Jahre das KFM. Der Betreiber hat gewechselt, aber noch heute wird in den Silos Getreide getrocknet und auf dem Areal umgeschlagen. Als es in der Nachwendezeit mit dem KFM etwas bergab ging, die Zukunft unklar war, entwickelten Planer ein Wohnprojekt der besonderen Art: 500 Wohnungen sollten in den Silos entstehen. Umgesetzt wurde das aber nie.

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Die Vorteile der Lage an der Havel weiß Ketzin zu nutzen. Nicht nur bei der Einwohnerzahl legt die Kleinstadt zu. Auch unter den Wasserwanderern ist Ketzin inzwischen sehr beliebt.

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Gewandelt hat sich seit der Wende die Ketziner Altstadt. Ein Großteil der Häuser sind saniert, die Infrastruktur ist in Ordnung. Ein ausschlaggebender Punkt für diese positive Entwicklung war die Teilnahme der Stadt am Förderprogramm Altstadtsanierung, das inzwischen abgeschlossen ist.

Noch immer schwer zu verkraften sei die Schließung des Bahnhofes Ketzin, sagt Helmut Augustiniak. 1966 fuhr von dort der letzte Zug in Richtung Nauen. „Ich erinnere mich noch genau, dass wir als Schüler alle einem Stammplatz in einem bestimmten Waggon hatten, Und wehe, dass dort ein Fremder saß.“ Viele Arbeitsplätze sind mit der Einstellung der Bahntrasse, die 1893 eröffnet worden war, verschwunden, weil das Bahnbetriebswerk Ketzin wegfiel. „Ketzin hat wirklich etwas verloren“, sagt Augustiniak.

Bahnhofsgebäude am Eingangstor

Zumindest aber ist das Bahnhofsgebäude der Stadt erhalten gebleiben. Und es gibt am Eingangstor der Stadt aus Richtung Nauen und Brandenburg/Havel inzwischen ein erfreuliches Bild ab. Die ehemals graue Fassade ist Geschichte. Ein warmer Gelbton ziert jetzt das 1892 errichtete Gebäude an der Nauener Straße. Alle Fenster wurden ausgetauscht, verfügen über eine „Optik nach altem Muster”, wie es Eigentümer Normen Schubert nennt. Innen sind Wohnungen und einige Praxen entstanden. Wenige Meter dahinter auf dem Bahngelände hat sich der Verein AG Osthavelländische Kreisbahnen angesiedelt und versucht nach und nach, das Areal in Schuss zu bringen. Die Mitglieder schrauben an alten Loks herum und bieten zu bestimmten Anlässen die Möglichkeit für Eisenbahnfans, ein Stück mitzufahren.

Komplett neu ist die Ketziner Mitte. Aus der jahrelang vor sich hin dümpelnden Ruine des Späth’schen Gutshofes hat die Neu-Ketzinerin und Stifterin Helga Breuninger (mit Fördermitteln und einem hohen Eigenanteil) ein Schmückstück geschaffen: den Gutshof Ketzin. Das Ensemble aus restauriertem Stallgebäude, in dem sich jetzt eine Bank befindet, einem Gästehaus mit Übernachtungsmöglichkeiten und der Cantina mit Außensitzgelegenheiten haben der Stadt ihre Mitte zurückgegeben.

Vier Fischer in Ketzin

Trotz aller Neuerungen ist Ketzin die kleine, gemütliche Fischerstadt geblieben. Die Tradition der 1738 gegründeten Ketziner Fischergilde wird fortgesetzt. Erst im Jahr 2014 riefen die Fischer Jörg Valjeur, sein Sohn Andreas Valjeur und Christian Thierlich eine „Fischerinnung zu Ketzin/Havel“ ins Leben. Alle drei haben noch Fischereirechte im Bereich Ketzin. Der bekannteste Fischer Lutz Schröder aus Plaue, der auf großen Teilen der Ketziner Havel fischt, ist erst am vergangenen Wochenende beim Fischzug wieder in Aktion getreten. Wer außerhalb des Fischerfestes in Ketzin frischen Fisch kaufen möchte, ist in „Gitti’s Fischstube“ in der Albrechtstraße richtig. Auch in anderen Gaststätten „Am Markt“ oder „An der Fähre“ sind Hecht und Havel-Zander zu haben.

Das Fischerfest selbst, das es als Innungsfest seit dem 17. Jahrhundert gab, hat sich im Laufe der Jahre zu einem Publikumsmagneten entwickelt und die Stadt weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt gemacht. Etwa 30 000 Menschen aus der Region, aus Berlin und Potsdam strömen immer am dritten Augustwochenende nach Ketzin. Das war auch dieses Mal wieder so. Trotz des Regens.

Von Jens Wegener

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