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Ketzin will mehr als ein Geheimtipp sein

Havelland Ketzin will mehr als ein Geheimtipp sein

Das neue Tourismuskonzept für die Stadt Ketzin im Havelland liegt vor. Darin sind Stärken und Schwächen beschrieben. So fehlen hochwertige Übernachtungsmöglichkeiten und bei manchem Anbieter das Servicebewusstsein.

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Der Stadtsteg an der Havelpromenade wird von Boottouristen gut angenommen.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Ketzin/Havel. 93,2 Prozent der Touristen, die 2017 in der Havelstadt Ketzin zu Gast waren, würden wiederkommen. Das ergab eine Befragung in den Monaten Juni bis September 2017 an unterschiedlichen Standorten (Strandbad, Schloss Paretz, Campingplatz, Beherbergungsbetriebe, Havelpromenade, Steganlage, an der Fähre und an beiden Tourist-Informationen) zu verschiedenen Tageszeiten. Wohl ein Grund zur Freude für die Verantwortlichen in der Stadt, aber kein Grund zum Ausruhen, wie das jüngst vorgelegte neue Tourismuskonzept beweist. Erarbeitet wurde es in wesentlichen Teilen von Victoria Große, Bachelorstudentin der Geografie an der HU Berlin.

Große kommt darin unter anderem zu der Erkenntnis, dass es Schwächen bei Übernachtungsmöglichkeiten und im Servicebereich gibt: „Das Beherbergungs- und Gastronomieangebot bietet in quantitativer und qualitativer Hinsicht ein einfaches bis mittleres Niveau und wenige Übernachtungsmöglichkeiten in höherwertigen Beherbergungen. Das Qualitäts- und Servicebewusstsein ist kaum vorhanden.“

Genau in diesem Punkt liegt eigentlich die Chance der kleinen Havelstadt. Freundlichkeit gegenüber Gästen, für Wünsche jederzeit offen zu sein und eine gute Qualität anzubieten, ist die Grundlage, wenn Ketzin/Havel über den Status eines „Geheimtipps“ hinaus kommen will. Denn Victoria Große sagt auch: „Das Stadtbild mit historischen Besonderheiten, der attraktive Naturraum, die Infrastruktur, das besondere Kultur- und Freizeitangebot und die Verkehrslage sind beste touristischen Voraussetzungen, um zu einer kleinen aber feinen Tourismusdestination mit herausstechendem Charakter im Havelland zu werden.“

Auf mehr als 150 Seiten hat Victoria Große mit Hilfe der Stadtverwaltung das neue Konzept erarbeitet. „Es soll für die politischen und touristischen Entscheidungsträger der Stadt eine Orientierung bieten, in welche Richtung die touristische Entwicklung qualitativ und quantitativ in den nächsten Jahren führt“, so Große.

Fakten und Zahlen

Im Jahr 2009 gab es 17283 touristische Übernachtungen in Ketzin/Havel, bis zum Jahr 2016 stiegen die Übernachtungen bis auf 20834.

Die Aufenthaltsdauer der Gäste liegt von 2007 bis 2016 im Durchschnitt bei 2,7 Tagen. Damit ist die Aufenthaltsdauer im Havelland höher als in der Stadt Ketzin/Havel. Dort liegt diese bei 2,1 Tagen.

Die Anzahl der Beherbergungsbetriebe (ab 10 Betten) ist mit sieben Einrichtungen konstant geblieben, wobei es 2008 einmalig acht gewesen waren. Im Durchschnitt wurden 2009 bis 2016 rund 200 Betten in den Beherbergungsbetrieben angeboten. Die durchschnittliche Auslastung der Betten in Ketzin/Havel lag 2016 bei 29,1 Prozent.

Vorwiegend besuchen Touristen die Stadt von März/April bis Oktober. August ist der Hauptreisemonat.

Neben der Ist-Standanalyse gehe es vor allem darum, die gegebenen Handlungsempfehlungen umzusetzen, um den Standort Ketzin/Havel regional und überregional bekannter und für Touristen attraktiver zu machen.

Dazu gibt es diverse Vorschläge für kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen. Kurzfristig hieße das für den Bereich Stadtbild, das touristische Leitsystem weiter auszubauen, die Ortseingangsschilder sollten größer und kreativer werden, Willkommens- und Hinweisschilder auf dem Wasser müssen aufgestellt werden, außerdem würde mit den für Ketzin typischen Figuren wie Fischer, Fischerkönigin oder Angelsymbolen zu wenig geworben. Die Autorin bemängelt die schlichte Außenfassade der Touristinformation in der Rathausstraße, unzureichende Sitzmöglichkeiten in der Innenstadt sowie fehlende Flyer in englischer Sprache.

Im Bereich Verkehr sollte es zusätzliche Parkmöglichkeiten in Paretz geben, auch für Busse und Wohnmobile, auf der Fähre würde eine wassertouristische Tafel mit Ortsplan Sinn machen, dazu Informationen zu Gastronomie, Kultur, Beherbergung und Sehenswürdigkeiten. Wichtigste kurzfristige Maßnahme im Bereich Landschaft ist die Entkrautung der Havel im Strandbad und an der Havelpromenade.

Als ein Erfordernis im Bereich Beherbergung sieht Victoria Große an, dass es in allen Pensionen, Gästewohnungen und im einzigen Hotel in Falkenrehde eine einheitliche Mappe der Gastgeber gibt, in der die Gäste auf alles Wissenswerte in der Region hingewiesen werden. Ebenfalls könnten Synergien und Kooperationen zwischen bestimmten Anbietern zu positiven Effekten führen.

Typisch regionale Produkte, Spezialitäten rund um den Fisch, eine „Ketziner Küche“ würden mehr Gäste in die gastronomischen Einrichtungen bringen. „Nötig ist für die Kurzurlauber auch ein attraktives Abendprogramm, vor allem am Wochenende in der Saison der Wassertouristen. Livemusik am Abend, längere Öffnungszeiten könnten helfen, dazu sollten die Ruhetage wegfallen beziehungsweise sollten sich die Gastronomen dazu besser abstimmen. Und: Das Internet sei für Touristen die Hauptquelle ihrer Planung, so Große. Aktuelle Webseiten, Online-Buchungsplattformen, die Präsenz in Online-Foren, in Internet-Reiseportalen und in sozialen Netzwerken sei heute unverzichtbar.

Bei den Freizeitangeboten ist Ketzin/Havel mit Aktionen wie dem Radwandertag, dem Havelbadetag, dem Ketziner Marathon und natürlich dem Fischerfest auf dem richtigen Weg. Die Chancen, die der benachbarte Havelradweg bietet, sollten durch den Ausbau eigener Radwege vergrößert werden. Geführte Touren, ob zu Fuß durch die Stadt oder Wanderungen in die Natur, wären wünschenswert. Wlan im öffentlichen Raum sei genauso unverzichtbar wie sportliche Angebote im Strandbad wie Minigolf, Bowling oder Frisbee Golf.

Wie alle diese Ideen umgesetzt und finanziert werden, steht auf einem anderen Blatt. Sicher aber ist, dass es einen Zuständigen in der Stadtverwaltung gegen muss – und das sei die Abteilung Tourismusmanagement und Öffentlichkeitsarbeit. „Diese sollte die Schnittstelle zwischen allen touristischen Anbietern der Stadt werden, um ein gemeinsames einheitliches Auftreten überregional zu ermöglichen“, resümiert Victoria Große.

Von Jens Wegener

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