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Ketzin Bürgerbefragung: Barrierearme Wohnungen fehlen
Lokales Havelland Ketzin Bürgerbefragung: Barrierearme Wohnungen fehlen
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11:00 28.08.2018
Im Mehrfamiliengebäude der GWV in der Feldstraße in Ketzin sind alle Wohnungen barrierearm und per Fahrstuhl zu erreichen. Sie waren mit Inbetriebnahme sofort vermietet. Quelle: Jens Wegener
Ketzin/Havel

Dass in der Havelstadt Ketzin und in den Ortsteilen barrierearme Wohnungen fehlen, ist keine Neuigkeit. So verwundert es kaum, dass die Einwohner, die sich an der von der Gemeinschaftswerk Wohnen und Pflege GmbH initiierten Bürgerbefragung im März und April beteiligt haben, die Altersfreundlichkeit des Wohnstandortes Ketzin sehr negativ beurteilt haben. Aber es gibt auch einige positive Überraschungen. Die Ergebnisse der Befragung stellte der Geschäftsführer des Gemeinschaftswerkes Werner Futterlieb jetzt im Sozialausschuss vor.

Wobei er gleich einräumte, dass von den ausgegebenen mehr als 1000 Fragebögen lediglich 122 ausgefüllt zurückgekommen sind. „Die Ergebnisse sind zwar nicht repräsentativ, aber sie geben trotzdem Tendenzen und Wünsche der Menschen wieder“, so Futterlieb.

In den Ortsteilen gibt es mehr Reserven

Grundsätzlich ist zu erkennen, dass die Bewertungen der Leute bei allen Aspekten der Altersfreundlichkeit in den Ortsteilen meist deutlich schlechter sind als in der Kernstadt. So wird das Bewegen im öffentlichen Raum in der Kernstadt als überwiegend altersfreundlich angesehen, in den Ortsteilen eher weniger. Barrierefreie Gehwege und gefahrloses Überqueren von Straßen stellen für die Mehrheit der Befragten Probleme dar.

Ähnlich verhält es sich bei dem Punkt Erreichbarkeit von öffentlichen und privaten Einrichtungen. Die wird in der Kernstadt im Gegensatz zu den Ortsteilen meist positiv bewertet. Allerdings empfinden nur 38 Prozent der Teilnehmer, dass die Sitzgelegenheiten in einem ordentlichen Zustand sind, und gar nur 14 Prozent empfinden die Zahl der öffentlichen Toiletten als ausreichend.

Bürgerbus fehlt

Ein zentraler Aspekt im Fragebogen war die Mobilität. Immerhin 70 Prozent zeigen sich mit dem Öffentlichen Personennahverkehr zufrieden, weil mit Bussen wichtige Angebote in öffentlichen Gebäuden, die Nahversorgungseinrichtungen sowie Ärzte erreichbar sind. Ein Problem sind allerdings ergänzende Mobilitätsangebote wie Bürgerbusse oder Mitfahrgelegenheiten. Das Angebot an Aktivitäten in der Stadt und die Möglichkeit, sich daran zu beteiligen, wird weitgehend positiv beurteilt, wobei mehr generationsübergreifende Angebote gewünscht sind.

Zu wenig Tagespflegeplätze

Beim Thema Pflege gehen die Meinungen auseinander. Sind 50 Prozent der Teilnehmer mit den sozialen, hauswirtschaftlichen und pflegerischen Dienstleistungen in der Kernstadt zufrieden, sieht es in den Ortsteilen weniger gut aus. Noch düsterer sind die Ergebnisse bezüglich der Möglichkeiten einer 24-Stunden-Betreuung und bei Tagespflegeplätzen. „Diese Angebote werden am meisten vermisst“, so Werner Futterlieb. Er kündigte an, dass das Gemeinschaftswerk auch in den Ortsteilen von Ketzin gewillt und jetzt auch rechtlich befugt sei, jeweils Pflegepersonen zu etablieren. „Wir dürfen, wenn die Räume und der Bedarf da sind, Pflegekräfte dauerhaft in einem Ort beschäftigen, so dass die älteren Menschen nicht mehr irgendwo hinfahren müssen. Pflege im Dorf sozusagen.“ Dazu soll es demnächst Gespräche in den Ortsteilen geben.

Zweites Forum im vierten Quartal

46 Prozent der Umfrageteilnehmer haben das Gefühl, dass die Ketziner Politiker und die Verwaltungsmitarbeiter es wünschen, dass ältere Menschen in Entscheidungen eingebunden werden. Allerdings sehen nur 38 Prozent die Informationen zu Beteiligungsmöglichkeiten für ältere Bürger als „leicht zugänglich und verständlich“ an. Auch hierbei gibt es das Gefälle zwischen Kernstadt und Ortsteilen, wobei es in den Ortsteilen als weit schlechter empfunden wird.

Im vierten Quartal des Jahres sollte es wieder ein Forum in Ketzin geben, auf dem über die Ergebnisse und mögliche Konsequenzen gesprochen wird, wünscht sich Werner Futterlieb.

Bürgermeister Bernd Lück (FDP) stimmte dem zu, kritisierte aber noch mal die geringe Beteiligung bei der Befragung: „Das ist einfach enttäuschend. Noch dazu, weil aus Falkenrehde und Tremmen fast gar keine ausgefüllten Bögen zurückgekommen sind.“

Von Jens Wegener

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