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Ketzin Neue Wohnform mitten in der Havelstadt
Lokales Havelland Ketzin Neue Wohnform mitten in der Havelstadt
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19:11 20.02.2019
Gemeinschaftswerk-Geschäftsführer Werner Futterlieb (l.) und einige Mitarbeiterinnen besuchten Mittwoch die neue Ketziner Wohngemeinschaft. Quelle: Tanja M. Marotzke
Ketzin/Havel

Die Havelstadt ist um eine alternative Wohnform reicher. Vor wenigen Tagen sind die Mieter in das ehemalige Sparkassengebäude in der Rathausstraße 8 in Kettzin eingezogen. In der unteren Etage des privaten Wohnhauses leben jetzt sieben Menschen mit Demenz, die aus Ketzin, Falkensee und aus Potsdam kommen.

Es ist die erste Wohngruppe dieser Art in Ketzin, deshalb freute sich Bürgermeister Bernd Lück umso mehr, dass damit der Auftakt für diese alternative Wohnform in der Stadt gelungen ist: „Es hat zwar lange gedauert, bis das Gebäude umgebaut war, aber jetzt passt es auch optisch wunderbar in die Umgebung. Und die Bewohner sind mitten in der Altstadt.“ Er hoffe, so Lück, dass auch der Baubeginn für die Seniorenresidenz am Stadtpark in der Fontane-Siedlung schnell erfolgt, damit noch mehr ältere Leute dort ein neues Zuhause finden und nicht wegziehen oder in ein Heim müssen.“

Sieben Wohnungen unter einem Dach

Betreiber der neuen Ketziner Wohngemeinschaft ist die Gemeinschaftswerk Wohnen und Soziales GmbH, die auch in Nauen und Wustermark ähnliche Objekte führt. „Hier haben wir eine Wohn-Pflege-Gemeinschaft. Wir sind der Generalmieter, jeder Einzelne ist Untermieter für sein Zimmer und die anteiligen Gemeinschaftsflächen“, erklärt Werner Futterlieb, Geschäftsführer des Gemeinschaftswerkes.

Die sieben Wohnungen sind 15 und 20 Quadratmetern groß.

Mandy Jorisch (l.) beschäftigt sich mit Bewohnerin Renate Sterzinsky. Quelle: Tanja M. Marotzke

Dazu kommt eine Gemeinschaftsküche mit etwa 45 Quadratmetern, wo sich das tägliche Leben abspielt. „Der Eigentümer baut im Hof noch eine überdachte Terrasse, wo die Bewohner sitzen, grillen oder die frische Luft genießen können“, sagt Marco Huth, Niederlassungsleiter der Wohnen und Pflege GmbH für Wustermark und Ketzin/Havel. Die Pflegeleistungen für die Bewohner erbringt der ambulante Pflegedienst des Gemeinschaftswerkes in Zusammenarbeit mit den Mietern selbst und deren Angehörigen.

Besondere Rolle der Angehörigen

Überhaupt kommt den Angehörigen der Bewohner eine besondere Rolle zu. „Es ist ja kein Pflegeheim, wo den Menschen alles abgenommen wird. Wir unterstützen mit unserer Wohngruppenmanagerin Mandy Jorisch, die montags bis freitags vor Ort ist, und einer Pflegekraft. Aber die Organisation des täglichen Lebens in der Wohngemeinschaft müssen die Angehörigen mitgestalten“, so Werner Futterlieb. Dazu gehören die verschiedenen Einkäufe, aber auch Absprachen mit dem Vermieter. „Die Angehörigen sollen diese Wohngemeinschaft als Entlastung empfinden, aber die Verantwortung bleibt bei ihnen“ , ergänzt Futterlieb.

Geeignete Wohnungen fehlen

Grundsätzlich werde aus Sicht des Geschäftsführers diese Form des Zusammenlebens älterer Menschen mit Unterstützungsbedarf stark zunehmen. Ein selbstbestimmtes und autogenes Leben im Alter sei möglich, wenn die Verantwortung für alles Nötige im Alltag und in der Pflege geteilt werde. „Dafür aber brauchen wir viel mehr geeignete Wohnungen in zentraler Lage wie hier in Ketzin und nicht Pflegeheime an Stadträndern oder auf der grünen Wiese“, so Werner Futterlieb. Er lobte private Eigentümer, die solche Neu- oder Umbauten in Angriff nehmen und finanzieren.

Gemeinschaftswerk zahlt nach Tarif

Trotz der zunehmenden Zahl an pflegebedürftigen Menschen geht man beim Gemeinschaftswerk im Havelland davon aus, dass es „bei uns keinen Mangel an Fachkräften geben wird“, sagt Werner Futterlieb und erklärt: „Wir hatten uns im Vorjahr entschieden, ab Oktober 2018 die Gehälter der 450 Mitarbeiter in der ambulanten und teilstationären Pflege in drei Stufen dem Tarifniveau des öffentlichen Dienstes anzupassen.“ Im Klartext: Eine Pflegefachkraft (40 Stunden pro Woche) verdient ab April 2020 dann 3185 Euro, eine Pflegekraft mit Basisqualifikation 2611 Euro und eine Pflegekraft ohne Vorqualifikation 1742 Euro.

Von Jens Wegener

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