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Kiffergeständnis: "Ich fühle mich zufrieden"

MAZ spricht mit einem einstigen Dauerraucher Kiffergeständnis: "Ich fühle mich zufrieden"

In Berlin-Kreuzberg wird gerade dafür gekämpft, dass Cannabis in Coffee-Shops verkauft werden darf. Kritiker warnen jedoch vor der Droge. Wahr ist aber auch, dass immer mehr junge Menschen Gras rauchen. Die MAZ hat mit einem einstigen Dauerkiffer darüber gesprochen, was die Droge mit ihm gemacht hat und warum er nicht mehr kifft.

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Der 19-jährige David aus Falkensee hat lange gekifft.

Quelle: Vivien Boche

Falkensee. Kiffen. Davon hören die meisten. Der Konsum von Marihuana, also der getrockneten Blüten und Blätter der Cannabispflanze, oder Haschisch, das Harz der Blütenstände, ist allgegenwärtig. Vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Doch wie ist die Situation in unserer Region? Welche Wirkungen hat die Droge und wie populär ist sie?

Um das rauszufinden, treffe ich mich mit David (Name geändert) aus Falkensee. Der 19-Jährige hat 2014 sein Abitur abgeschlossen und spricht offen darüber, dass er immer wieder episodisch regelmäßig gekifft hat. „Ich habe ziemlich früh über einen Freund erste Erfahrungen mit Marihuana gehabt. Da muss ich 14 gewesen sein“, erzählt er.

Was Cannabis ist

Cannabis wird als Sammelbegriff für Rauschmittel verwendet, die aus Hanf gewonnen werden. Cannabis, lateinisch für Hanf, wird umgangssprachlich auch Marihuana oder Haschisch genannt.

Die unter den illegalen Drogen am häufigsten konsumierte Substanz hatten im Jahre 2011 laut einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 6,7 Prozent aller Zwölf- bis 17-Jährigen wenigstens einmal probiert. Mit einem deutlich größeren Anteil präsentiert sich die Gruppe der 18- bis 25-Jährigen: Da waren es 39,2 Prozent.

Rund 40 Prozent aller jungen Leute haben schon mal gekifft

Laut einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2011 haben 39,2 Prozent der 18- bis 25-Jährigen Cannabis schon einmal probiert. Damit konfrontiere ich David: „39,2 Prozent, das kann ich mir gut vorstellen“, sagt er. „Viele Leute meines Alters in meinem Bekanntenkreis kiffen oder haben es wenigstens mal ausprobiert.“ Bei den meisten bleibt es beim „Probieren“ oder zumindest dem gelegentlichen Konsum. Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, schätzt die Gruppe der Leute, die Cannabis aber regelmäßig konsumieren, als besonders zu berücksichtigende „Risikogruppe“ ein. 600 000 Menschen sollen in diese Gruppe zählen, darunter auch Jugendliche und junge Erwachsene.

Wer kifft, muss mit Folgeschäden rechnen

Laut Experten ist es bewiesen, dass jugendlicher Cannabiskonsum die Entwicklung des heranwachsenden Gehirns beeinträchtigt und bleibende Schäden nicht auszuschließen sind. Phänomene wie Persönlichkeitsstörungen, Angststörungen und Depressionen sind nicht auszuschließen. David mag diese Formulierungen: nicht: „Das hört sich für mich zu sehr nach Panikmache an. Natürlich ist Cannabis in bestimmter Weise gefährlich“, sagt er. „Der Konsum kann mit Sucht in Verbindung gebracht werden, ja. Das gleiche gilt aber auch für Videospiele. Die Psyche wird in direkter Weise davon beeinflusst, das kann auch schief laufen. Deswegen würde ich auch jedem, der in irgendeiner Weise psychisch labil ist, dringend raten, komplett die Finger davon zu lassen“, so David weiter.

David: "Es ist belebend"

Wer wissen will, warum viele junge Menschen Cannabis für sich entdeckt haben, muss sich mit der Wirkung der Droge auf den Körper auseinandersetzen. Denn darin steckt der Reiz. Auch wenn immer wieder unterstrichen wird, dass sich die Wirkung von Konsument zu Konsument unterscheidet, wird doch fast immer von eintretender Entspannung, einer vergnügten Stimmung, oft auch Kommunikationsdrang und intensiveren Sinneseindrücken berichtet.

David: „Es ist belebend, ich fühle mich zufrieden und kann mich für fast alles begeistern. Um mich herum wirkt dann alles irgendwie interessant.“ Und als er noch zur Schule ging? „Über Gras konnte ich mit allen reden. Ich meine natürlich die Schüler. Fast jeder hatte das schon mal ausprobiert“, erzählt er. „Ich hatte auch das Gefühl, dass die Lehrer mitbekamen, dass viele Schüler Gras rauchen, aber sie sagten nichts dazu.“ Cannabis habe teilweise auch verbunden. „Blöd war nur, wenn man merkte, dass man mit einer Person nicht wirklich befreundet war, sondern sich ausschließlich zum Kiffen traf.“ Im Gespäch nähert sich nun auch David den Schattenseiten des Cannabiskonsums.

David: "Es hat mir Struktur aus meinem Leben genommen"

„Vor allem als ich anfing, war das Kiffen überwältigend. Ich hing herum, tat Dinge, die mich gar nicht weiterbrachten“, erzählt er. „Ich war auch ganz allein glücklich und habe mich mit niemandem getroffen. Es hat mir Struktur aus meinem Leben genommen. Ich kenne Leute, die haben Cannabis als Problemlöser benutzt. Das ist gefährlich. Die haben ihr Sozialleben extrem vernachlässigt, konnten in der Schule nicht mehr folgen und sind ausgestiegen.“

Erst spät merkt David an, dass er schon längere Zeit überhaupt kein Cannabis mehr konsumiert. Warum? „Es gibt gerade viele Wendungen und Entscheidungen, die ich treffen muss. Momentan würde sich Kiffen für mich nicht richtig anfühlen. Man braucht es ja auch nicht, um glücklich oder kreativ zu sein. Aber ich kann mir vorstellen, dass ich damit zu einem späteren Zeitpunkt wieder anfange.“

Im Laufe der Recherche habe ich von Fällen erfahren, die nachdenklich machen. Junge Menschen, die kein geregeltes Leben mehr führen können, die lustlos oder ängstlich sind, mit Halluzinationen zu kämpfen haben oder sich grundlos verfolgt fühlen. Eine Minderheit unter den Cannabiskonsumenten? Sicherlich, und doch lassen sie aufhorchen. Mit David habe ich jemanden getroffen, der wie viele junge Menschen einen anscheinend ausbalancierten Umgang mit Cannabis gefunden hat. Wie und wem das gelingt, dazu gibt es keine klare Antwort. Eine kritische Grundhaltung gegenüber Cannabis ist wohl für keinen ein schlechter Rat.

Von Jonas Ambs

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