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Havelland KiJuPa: So verändern junge Leute ihre Stadt
Lokales Havelland KiJuPa: So verändern junge Leute ihre Stadt
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13:14 11.03.2018
KiJuPa Vorsitzender Maximilian Vogt und seine Stellvertreterin Frederike Timme. Im Hintergrund macht Jugendkoordinator Tilo Windt Späßchen. Quelle: Christin Schmidt
Rathenow

Sie sind jung, politisch interessiert und wollen etwas bewegen. Die Mitglieder des Rathenower Kinder- und Jugendparlaments (KiJuPa) setzten sich seit 15 Jahren für die Interessen junger Menschen ein. Heute feiert das KiJuPa seinen 15. Geburtstag mit Gästen aus Politik, Wirtschaft und Vereinsleben. Vorab sprach die MAZ mit dem KiJuPa-Vorsitzenden Maximilian Vogt (27 Jahre) und seiner Stellvertreterin Frederike Timme.

15 Jahre KiJuPa, warum ist das ein Grund zu feiern?

Maximilian Vogt: Zum einen sind wir das zweitälteste Kinder- und Jugendparlament in Brandenburg und 15 Jahre ist durchaus eine beträchtliche Zahl.

Frederike Timme: Angesichts der Tatsache, dass sich das KiJuPa etwa alle zwei Jahre erneuern muss und neue Mitglieder braucht, ist es durchaus ein Erfolg, dass es uns schon so lange gibt. Es finden sich immer wieder aufs Neue Jugendliche, die sich im KiJuPa engagieren. Darauf bin ich stolz.

Wie seid ihr zum KiJuPa gekommen?

Vogt: Ich bin im sechsten Jahr dabei und kam über das Projekt Kinderstadt Rathenow dazu. Denise Jäkel, die damals schon im KiJuPa war und als ehrenamtliche Betreuerin die Kinderstadt unterstützte, lud mich zu einem Treffen ein. Ich hatte mich zwar schon vorher fürs KiJuPa interessiert, aber erst durch diese konkrete Einladung kam ich dazu.

Timme: Ich wurde durch die „Meckerrunden“ des KiJuPa in den Schulen auf das Gremium aufmerksam und bin seit Oktober 2015 dabei. Ich interessierte mich damals schon für Politik und hatte mich gefragt, wie ich mich in unserer Stadt einbringen kann. Ich wollte mich beteiligen, etwas verändern, wusste aber nicht wie - da kam das KiJuPa gerade richtig.

Ist das KiJuPa unter jungen Rathenowern hinreichend bekannt?

Timme: Ich würde sagen nein. In dieser Hinsicht müssen wir an uns arbeiten. Der Informationsfluss zwischen uns und der breiten Masse an Jugendlichen ist noch nicht optimal.

Vogt: Wobei uns die Jugendlichen, die sich für Politik interessieren, meist kennen.

15 Jahre KiJuPa – Mitmachen statt meckern

Das Rathenower Kinder- und Jugendparlament wurde im Februar 2003 gegründet.

Es ist nach Strausberg (2011) das zweitälteste im Land Brandenburg.

Ab zwölf Jahren können junge Rathenower im KiJuPa mitarbeiten.

Wer jünger ist und Interesse hat, kann aber schon vorher reinschnuppern.

Sechs Mitglieder hat das KiJuPa derzeit – mit dem Rückzug des Vorsitzenden Maximilian Vogt sind es bald nur noch fünf. Mehr sind jederzeit willkommen.

Wer Mitglied werden möchte, sollte drei Mal an einer ordentlichen Sitzung teilnehmen, die monatlich im Rathaus stattfindet.

So soll sichergestellt werden, dass potenzielle Mitglieder auch wirklich Interesse an der Arbeit im KiJuPa haben.

Interessenten nehmen über Facebook oder per E-Mail unter kijupa-rathenow@gmx.de Kontakt auf.

Inwiefern hat das KiJuPa in den letzten Jahren etwas verändert?

Vogt: Zum Beispiel entscheiden wir bei der Vergabe der Mittel aus dem Jugendfördertopf mit und können so gezielt Projekte für Kinder und Jugendliche finanziell unterstützen. Auch unsere Weihnachtsfeier für benachteiligte Kinder und Jugendliche, die wir seit 2005 veranstalten, und die Verleihung des Jugendförderpreises bereichern das gesellschaftliche Leben.

Timme: Genau wie unser Projekt „Wahlalter 16“ und das Projekt zur Bundestagswahl, das wir letztes Jahr veranstaltet haben. Auch an der Schaffung der Stelle des Jugendkoordinators war das KiJuPa beteiligt. Zudem haben wir in jedem Ausschuss einen Sitz und Rederecht.

Vogt: Und nicht zu vergessen unser Projekt zur Bürgermeisterwahl „How to make a Bürgermeister“, an dem wir nach wie vor arbeiten.

Hat das politische Interesse unter Jugendlichen Dank des KiJuPas in der Stadt zugenommen hat?

Vogt: Das ist schwer zu sagen. Es ist leider so, dass wir immer wieder Probleme haben, neue Mitglieder zu finden.

Timme: Ich glaube an politischem Interesse mangelt es gar nicht. Ginge es nur darum, würden wir sicher genug Mitstreiter finden. Das Problem ist die Zeit. Viele haben bereits ein oder mehrere Hobbys, wenn das Interesse fürs KiJuPa einsetzt. Dann sind sie etwa 14, 15 Jahre. Ein Zeitpunkt, zu dem auch der Schulalltag stressiger wird. Das KiJuPa ist dann ein zusätzliche Aufgabe, für die vielen die Zeit fehlt.

Warum lohnt sich trotz Zeitmangels eine Mitgliedschaft im KuJuPa?

Timme: Ich denke, dass man etwas verändern kann und wenn es nur kleine Dinge sind, wie zum Beispiel im Ausschuss seine Meinung äußern. Ich habe den Wunsch, einmal etwas großflächig zu verändern. Ich möchte meine Fußstapfen auf der Erde hinterlassen und dachte mir, ich fange im KiJuPa erst einmal klein an. Deshalb bin ich jetzt hier.

Vogt: Ich habe in den letzten Jahren immer wieder gesehen, dass man selbst als Jugendlicher etwas in der Stadt verändern kann.

Wo liegen aus Sicht des KiJuPa die größten Probleme in der Stadt?

Timme: Dazu gehört in jedem Fall das Alkohol- und Drogenproblem. Es wird offenbar immer mehr von immer jüngeren Jugendlichen konsumiert. Dagegen muss dringend etwas getan werden. Das ist auch ein Thema, mit dem wir uns beschäftigen. Wir überlegen, wie wir ein stärkeres Bewusstsein unter jungen Menschen schaffen können. Was uns in diesem Zusammenhang ärgert, ist das Pauschalisieren: Es heißt immer „die Jugendlichen“. Aber es sind längst nicht alle Jugendlichen, die im Stadtzentrum randalieren. Es ist ein relativ kleiner Kreis. Von den „normalen“ Jugendlichen hört man einfach nicht viel. Was in den Köpfen hängen bleibt, ist das Bild, das wenige hinterlassen.

Vogt: Kinderarmut ist ein weiteres Brennpunktthema. Rathenow gehört zu den sozial schwächsten Regionen, darunter leiden insbesondere die Jüngsten.

Inwiefern unterstützt euch die Stadt?

Vogt: Neben dem Rederecht in den Ausschüssen steht uns auch Jugendkoordinator Tilo Windt zur Seite. Außerdem treffen wir uns ein bis zwei Mal pro Jahr mit dem Bürgermeister. Wir können Probleme vorbringen und Wünsche äußern.

Timme: In diesem Zusammenhang sind auch die Parteien zu erwähnen, die uns mit Rat und Tat unterstützen.

Könnt ihr euch vorstellen, später selbst in die Politik einzusteigen?

Timme: Es ist ein kleiner Traum von mir, später hauptamtlich in der Politik zu arbeiten.

Vogt: Einige unserer ehemaligen Mitglieder mischen ja inzwischen aktiv in der Politik mit, zum Beispiel Corrado Grusch, Sebastian Lodwig, Susanne Meier, Martin Kündiger oder Marcel Böttger. Ich könnte mir durchaus vorstellen, in der Stadtverordnetenversammlung zu sitzen. Aber erst einmal steht meine Familie an erster Stelle. Deshalb werde ich mich nach der Bürgermeisterwahl zurückzuziehen.

An welche Erlebnisse mit dem KiJuPa erinnert ihr euch besonders gern?

Vogt: An Begegnungen mit hochrangigen Politikern. Dank des KiJuPas hatte ich mehrmals die Möglichkeit, mich mit dem Bundespräsidenten zu unterhalten. Auch mit Dietmar Woidtke und Hubertus Heil konnten wir sprechen. Zudem war das KiJuPa zum Ehrenamtsempfang des Ministerpräsidenten eingeladen. Finanzminister Christian Görke hat uns zu Gesprächen eingeladen und Sozialministerin Diana Golze hat stets ein offenes Ohr für uns. Zu den schönen Momenten gehört für mich zudem unsere Weihnachtsaktion. Die glücklichen Kinderaugen berühren mich.

Timme: Ich erinnere mich gern an die gemeinsamen Bildungsfahrten und Seminare. Im KiJuPa kommen ja die unterschiedlichsten Jugendlichen zusammen, die sich vorher kaum kennen. Die Fahrten haben uns immer ein Stück näher zusammengebracht. Ein persönlicher Erfolg war für mich, das Bundestagswahlprojekt, das ein Stück weit meine Idee war. Auf meine Moderation bin ich durchaus ein bisschen stolz.

Inwiefern gibt es im KiJuPa Platz für verschiedene Meinungen?

Timme: Wir sind alle sehr basischdemokratisch und auf einer gewissen politischen Wellenlänge. Was nicht heißt, dass wir immer einer Meinung sind – was mir sehr gut gefällt. Würde man uns verschiedenen Parteien zu ordnen, wären wir durchaus breit aufgestellt.

Was gibt es vom KiJuPa in den nächsten Monaten zu hören?

Vogt: Erst einmal wollen wir die Feier und das Bürgermeisterprojekt hinter uns lassen. Anschließend werden wir wohl erst einmal für zwei Wochen unsere Handys ausschalten. Ich werde mich dann langsam zurückziehen.

Timme: Und wir starten durch, wählen einen neuen Vorstand und arbeiten an unserem Jahresplan. Es wird sicher wieder eine Weihnachtsaktion geben, auch der nächste Jugendförderpreis muss geplant werden.Ich könnte mir vorstellen, dass wir zu einem jugendpolitischen Thema ein Projekt starten. Und wir beginnen mit der Planung für die Wahl der Stadtverordnetenversammlung im kommenden Jahr, um möglichst viele Jungewähler(innen) zu mobilisieren.

Was wünscht ihr euch für die Zukunft des KiJuPa?

Vogt: Dass sich immer wieder neue Mitglieder finden und es am Leben gehalten wird mit Traditionen wie dem Jugendförderpreis oder unserer Weihnachtsaktion.

Timme: Ich würde mir dazu noch wünschen, dass wir unser positives Image, das wir in der Stadt haben, auch weiterhin aufrecht erhalten und noch mehr für die Jugend in der Stadt zum Positiven verändern können.

Von Christin Schmidt

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