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Havelland Kirchturm muss saniert werden
Lokales Havelland Kirchturm muss saniert werden
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07:05 23.11.2016
Optisches Kontrastprogramm am Dorfanger: Die teils sanierungsbedürftige Kirche und das mittlerweile funktionslose Feuerwehrgebäude. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Wutzetz

Geläutet werden kann schon lange nicht mehr, der Turm der Wutzetzer Kirche würde es nicht aushalten. Im oberen Bereich ist er marode, der Schwamm steckt im Gemäuer. Ziegel drohen herauszufallen. „Der Turm muss aufwendig saniert werden. Es ist ein sehr teures Unterfangen“, sagt der Friesacker Pfarrer Udo Gerbeth, der auch für das kleine Dorf nördlich der Stadt zuständig ist.

Rund 170 000 Euro würde die Sanierung kosten, ohne Fördermittel geht da gar nichts. Zudem weiß Gerbeth auch noch nicht, wo die Eigenmittel herkommen sollen. Frühestens 2018 könnten die Arbeiten beginnen, so der Pfarrer, der bedauert, dass eine preiswertere Variante beim kirchlichen Bauamt auf Ablehnung stieß. „Wir warten jetzt auf die Genehmigung des kirchlichen Bauamtes“, sagt er. Dem Turm auch die seit Langem fehlende Spitze zurückzugeben, ginge schon gar nicht. „Da müsste man groß in der Lotterie gewinnen. Dieses Vorhaben ist auf bessere Zeiten vertagt.“

„Wir würden uns schon sehr wünschen, dass der Turm mal fertig wird, nachdem die Kirche von 1992 bis 1994 grundhaft saniert worden war. Es ist schade, dass nicht mehr geläutet werden kann“, sagt Gundula Maack, Vorsitzende des Gemeindekirchenrates. Seit sie 1978 nach Wutzetz kam, hat sie sich in der Kirchengemeinde engagiert. Jedes Jahr finden Veranstaltungen statt – etwa die Adventsfeier, auch das Erntedankfest. „Das wird immer gut angenommen“, sagt sie und findet, dass es sich im Dorf gut lebt.

Die 67-Jährige kann sich noch gut daran erinnern, als das Dorf kurz nach der Wende sein 500-jähriges Bestehen gefeiert hat, denn 1491 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. „Alle waren mit dabei, viele haben sich Kostüme ausgeliehen.“ Auch Wilhelm Beyer weiß noch, dass zum Fest „das ganze Dorf auf den Beinen war. Es war ein großer Erfolg“. Er bedauert, dass die Gemeinschaft heute nicht mehr so gut ist. „Ich würde mir wünschen, dass sich der Zusammenhalt wieder verbessert“, meint er deshalb. 1945 war er mit seiner Familie nach Wutzetz gekommen und dort geblieben.

Andere sind bei weitem noch nicht so lange in Wutzetz zu Hause, so wie Ruth Schröder, die 1982 der Liebe wegen von Falkensee nach Wutzetz kam. „Es war schwer, hier Fuß zu fassen. Ein paar Jahre habe ich gebraucht.“ Mittlerweile schätzt sie die gegenseitige Unterstützung der Dorfbewohner. „Wenn man Hilfe braucht, dann bekommt man sie auch.“Die 74-jährige Christa Schümann kam 2005 in den Norden des Landkreises. Dabei musste auch sie lernen, dass die Integration in die Dorfgemeinschaft kein Selbstläufer ist. „Man muss sich als Fremder das Dorf erobern und auf die Leute zugehen“, ist ihre Erfahrung. „Ich habe deshalb versucht, mich an vielem zu beteiligen.“ So nimmt sie unter anderem an gemeinsamen Fahrradausflügen teil oder geht im Februar zum Fasching. Auch in der Handarbeitsgruppe oder beim Kartenspielen in geselliger Runde fühlt sie sich wohl.

Wie Gundula Maack sagt, gab es zu DDR-Zeiten sogar einen gemischten Chor, in dem auch sie mitsang. Damals wurden zudem Betriebsfeste, Feuerwehrbälle und Dorffeste gefeiert. Ein Gemeindefest gibt es aber auch heute noch, im August. Der Ortsvorsteher und die Gaststätte organisieren es, die Landfrauen backen Kuchen. Abends wird getanzt. Die „Wutzetzer Spaßvögel“ sind da allerdings nicht mehr zu erleben, es gibt sie seit ein paar Jahren nicht mehr. „Das war immer ein großer Auflauf, wenn sie aufgetreten sind“, erinnert sich Holger Warnstedt gern.

Der 64-Jährige hat einen deutlichen Wandel im Ort festgestellt. „Zu DDR-Zeiten haben 90 Prozent der Bewohner im Dorf gearbeitet, heute arbeiten 90 Prozent außerhalb.“ Zudem sei Wutzetz in der glücklichen Lage, einen relativ guten Zuzug an jungen Leuten zu haben, die im Dorf ein Haus bauen. Er fände es aber auch gut, wenn die Jüngeren mehr an Veranstaltungen im Dorf teilnehmen, aber es müsse auch generell das Miteinander gefördert werden. Eine weitere Veränderung nennt Wilhelm Beyer: „Wutzetz ist jetzt ein Ort, wo die Pferde zu Hause sind. Dadurch ist das Dorf attraktiver und bekannter geworden.“ So befindet sich dort das Shagya-Araber-Gestüt Eichenhof der Familie Orgis, außerdem hat der Poloclub Timmendorfer Strand am Dorfring sein Domizil. So kommen vor allem am Wochenende viele Berliner ins Dorf.

Ein Thema, das zuletzt für viele Diskussionen gesorgt hat, ist die Feuerwehr. Die ist seit Ende 2015 aufgelöst, sieben der neun Kameraden hatten zuvor ihren Austritt erklärt. „Es ist sehr schade, dass die Feuerwehr gestorben ist“, sagt Wilhelm Beyer, denn er findet, dass eine Feuerwehr zum Dorf gehört, um das Eigentum zu schützen. Das Spritzenhaus hat nun keine Funktion mehr. Friesacks Bürgermeister Klaus Gottschalk (SPD) ist der wenig attraktive Zweckbau ein Dorn im Auge. „Ich versuche das Historische im Rundlingsdorf wiederherzustellen. Da passt dieses Gebäude nicht hin“, meint er, würde es am liebsten abreißen lassen. Wie er sagt, seien Runddörfer slawischen Ursprungs wie Wutzetz oder der Nachbarort Läsikow sehr selten in Brandenburg.

Neben der Historie hat Wutzetz aber auch etwas zu bieten, was vor allem Städtern auffällt: „Als ich aus Berlin hierher kam, sprang uns die Stille und Ruhe an“, weiß Horst Knop noch ganz genau, der im Jahre 2000 nach Wutzetz zog.

Von Andreas Kaatz

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