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Havelland Klavierstimmer sorgt für die richtigen Töne
Lokales Havelland Klavierstimmer sorgt für die richtigen Töne
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02:15 24.04.2017
Thomas Rönisch bei der Arbeit am Konzertflügel der Musikschule am Schwedendamm Quelle: Markus Kniebeler
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Rathenow

Wenn man behauptet, Thomas Rönisch sei von Berufs wegen ein Stimmungsmacher, dann ist das zwar sachlich korrekt, könnte aber leicht missverstanden werden. Denn die Arbeit des 61-jährigen Berliners ist von der Partyanimation à la Ballermann weiter entfernt, als man es sich überhaupt vorstellen kann. In Rönischs Welt dominieren nicht die schrillen, sondern die leisen Töne. Und die sollen so klar und rein sein wie möglich: Der Mann ist Klavierstimmer.

Sehr viele gibt es davon nicht. Und deshalb kommt Rönisch zwei Mal im Jahr von Berlin nach Rathenow, um einen Großauftrag zu erledigen. Für die Rathenower Zweigstelle der Musik- und Kunstschule Havelland stimmt er rund 30 Klaviere und Flügel. Und weil das pro Instrument rund anderthalb Stunden dauert, quartiert Rönisch sich für eine Woche in Rathenow ein. Ohne Anreise kann er gleich morgens mit der Arbeit beginnen und abends so lange stimmen, wie es ihm passt.

Dass der Mann, der im Berliner Stadtteil Altglienicke lebt, einen Beruf ergreifen würde, der mit Musik zu tun hat, war kaum zu vermeiden. Der Vater Kapellmeister an der Staatsoper Berlin, die Mutter Opernsängerin ebendort – was will man da machen, wenn nichts mit Musik? Rönisch absolvierte eine Lehre zum Klavierbauer bei einer Traditionsfirma in Leipzig, bildete sich zum Klavierstimmer fort und ist seit 1980 als selbstständiger Klavierstimmer unterwegs.

Wer dem Mann bei der Arbeit über die Schulter schaut, erkennt schnell, dass der Beruf mehr Handwerk ist als Musik. Es geht darum, die Spannung der über 220 Saiten zu regulieren und die Töne harmonisch aufeinander abzustimmen. „Ein guter Pianist muss man nicht sein“, sagt Rönisch. Er selbst spiele zwar leidlich, aber viele Kollegen kämen nicht mal über Anfängerlevel hinaus. Es komme auch gar nicht darauf an, wie ein kleiner Rubinstein zu musizieren „Was ein Klavierstimmer braucht, ist ein feines, ausgeprägtes Gehör.“ Denn nur so sei eine exakte, vom Kammerton a ausgehende Stimmung möglich.

Weil die Rathenower Instrumente regelmäßig von einem Fachmann geprüft werden, sind sie nicht so verstimmt wie Klaviere, die 20 Jahre auf einem Dachboden gestanden haben. Gleichwohl gibt es genug zu tun. Temperaturschwankungen, Luftfeuchtigkeit und Zugluft sorgen dafür, dass die Instrumente arbeiten und sich die Spannung der Saiten verändert. Ohne ständige Nachjustierung wäre es schnell vorbei mit der Harmonie.

„Konzertflügel, an denen die Starpianisten spielen, werden vor jedem Auftritt gestimmt“, erzählt Rönisch. Und oft sei der Stimmer von der ersten Probe bis zum letzten Ton des Konzerts vor Ort. Er habe das auch schon gemacht. Aber heute lieferten die berühmten Flügelhersteller wie Steinway und Bechstein ihre Experten gleich mit. In diese Kreise komme man als Selbstständiger gar nicht mehr rein.

Thomas Rönisch hat aber auch so genug zu tun. Wenn es keine Sammelaufträge gibt wie den in Rathenow, dann ist er in Privathaushalten unterwegs. Und das sei gerade das Interessante an dem Beruf, sagt er. Man komme viel herum, sehe interessante Wohnungen und treffe originelle Leute. „Menschen, die sich ein Klavier kaufen, sind ja in der Regel keine Idioten“, sagt er. „Da kann man sich meist sehr gut mit unterhalten.“

Thomas Rönischs Arbeit beschränkt sich nicht auf das Spannen der Saiten. Er nimmt auch Reparaturen vor, wechselt Filze aus, zieht neue Saiten auf. Und wenn es noch mehr zu tun gibt, lädt er das Instrument auf den Anhänger, um es in der heimischen Werkstatt auf Vordermann zu bringen. In Rathenow steht ein kleiner Flügel aus dem Jahr 1913, dem Rönisch durch eine intensive Behandlung zu neuer Klangfülle verholfen hat.

Dass man, wenn man in so viele Haushalte kommt, auch Kurioses erlebt, versteht sich von selbst. In geheimer Mission hat Rönisch schon einen Flügel gestimmt, der einst dem Ober-Nazi Hermann Göring gehörte. Er ist bei der Arbeit an den Saiten auf Sparbücher, Schmuck und Bargeldumschläge gestoßen, weil sich die Hohlräume als Versteck großer Beliebtheit erfreuen. Aber am schrägsten war wohl der Anruf einer Frau, die behauptete, ihr Klavier spiele bisweilen ganz von selbst. Als der Fachmann die Tastatur freigelegt hatte, stieß er auf ein veritables Mäusenest. Immer, wenn der Mäusenachwuchs auf Abenteuertour durch die Weite des Pianos ging und in Berührung mit einer Saite kam, erklang ein Ton. Thomas Rönisch fand das ganz lustig. Die Klavier-Besitzerin weniger. In Panik sprang sie auf einen Stuhl – und stieg erst nach einigem guten Zureden wieder herunter.

Die richtige Saitenspannung

Aufgabe eines Klavierstimmers ist es, Klaviere und Cembali zu stimmen, indem er die Spannung der Saiten reguliert und so die Töne harmonisch aufeinander abstimmt.

Zuständig ist der Klavierstimmer außerdem für Servicearbeiten beim Kunden und im Konzertbetrieb wie die Optimierung der Intonation durch Bearbeiten (Abziehen, Stechen etc.) der Hammerfilze, das Aufziehen neuer Saiten und die Regulierung der Klaviermechanik.

Ein Klavierstimmer arbeitet mit Stimmgabel oder Stimmgerät, Stimmkeilen aus Gummi, Filz oder lederüberzogenem Holz zum Abdämpfen mitklingender Saiten und einem Stimmhammer. Begonnen wird mit dem Anlegen der so genannten Temperatur-Oktave, zum Beispiel im Quintenzirkel vom Kammerton a aus.

Von Markus Kniebeler

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