Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Kleber übernimmt ASB, vorerst Doppelspitze

Falkensee Kleber übernimmt ASB, vorerst Doppelspitze

Nach 25 Jahren bereitet sich Ulf Hoffmeyer-Zlotnik auf seinen Ruhestand vor. In Falkensee hat er innerhalb des vergangenen Vierteljahrhunderts ein ASB-Universum aufgebaut. Jutta Kleber übernimmt die ASB-Geschäfte, wenn er aus dem Berufsleben ausscheidet. Bis dahin arbeiten die beiden ein halbes Jahr lang als Doppelspitze.

Voriger Artikel
4. Taste of Hip Hop Festival am 6. August
Nächster Artikel
Theatertrio lässt die Puppen tanzen

Jutta Kleber und Ulf Hoffmeyer-Zlotnik führen die Geschicke des ASB in Falkensee eine Zeit gemeinsam.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Falkensee. Der ASB in Falkensee arbeitet seit Monatsanfang mit einer Doppelspitze. Es ist eine Doppelspitze auf Zeit. Jutta Kleber ist die neue Geschäftsführerin, die Geschäftsführer Ulf Hoffmeyer-Zlotnik begleitet, der zum Jahresende in Ruhestand geht. Nach 25 Jahren gibt er die Geschäfte ab.

Angefangen hatte alles im Jahr 1991

Angefangen hatte alles 1991, als der ASB das Kinderheim in Falkensee übernahm. Das gehörte zum einstigen Hilfsschulkomplex „Clara Zetkin“ an der Ruppiner Straße. Und während der Schulbau zum städtischen Gymnasium umgewandelt wurde, wuchs um das Kinderheim ein neuer ASB-Komplex. Ein ganzes ASB-Universum ist in den vergangenen 25 Jahren entstanden. „ASB - gemeinnützige Gesellschaft für Kinder-, Jugend- und Familienhilfe im Havelland mbH“ lautet der etwas umständliche Titel des Unternehmens. Mit rund 340 Angestellten ist die Gesellschaft der zweitgrößte Arbeitgeber der Stadt Falkensee. Hinzu kommt ein Heer an ehrenamtlichen Mitarbeitern, die helfen, die Angebote abzusichern.

Kinder aus dem Havelland, Potsdam, Spandau und Oberhavel

„Das Kinderheim war wohl das erste im Osten, das an einen freien Träger übergeben wurde“, blickt Ulf Hoffmeyer-Zlotnik auf die Anfänge in Falkensee zurück. 1950 in Schleswig-Holstein geboren, kam er als Kind nach Berlin, engagierte sich früh in der Jugendverbandsarbeit, studierte Psychologie, setzte sich in Spandau für die Ausländerintegration ein. Am 1. Juli 1991 kam er ins Havelland, damals lebten 60 Kinder in dem Heim, das der ASB übernahm. Das Heim hat sein Profil gewandelt, ist längst nicht nur für Lernbehinderte da. „Die Bewohner gehen heute an alle möglichen Schulen, bis zum Gymnasium“, sagt Ulf Hoffmeyer-Zlotnik. Zur Zeit hat das Haus 136 Heimplätze, davon rund 50 auf dem Gelände an der Ruppiner Straße, andere Kinder sind bei Erziehern zuhause untergebracht, in Einzelgruppen oder in Einrichtungen des Betreuten Wohnens. „Das Angebot ist sehr ausdifferenziert“, schätzt Ulf Hoffmeyer-Zlotnik die Struktur ein. Betreut werden Kinder mal Wochen, manchmal über Jahre. Es wird Hilfe zur Erziehung geleistet, dort wo Kinder und Eltern den Alltag nicht alleine bewältigen können. Die Kinder kommen aus dem Havelland, aber auch schon mal aus Spandau, Potsdam oder Oberhavel.

„Ich hatte Lust auf Praxis“

„Die Gesellschaft braucht so ein Haus“, ist Ulf Hoffmeyer-Zlotnik überzeugt. Auch in der Zukunft. Das glaubt auch seine Nachfolgerin Jutta Kleber. Sie war eine von 24 Bewerbungen auf die ausgeschriebene Geschäftsführerstelle und brachte viel Erfahrung in Theorie und Praxis mit. „Ich komme eigentlich aus der Wissenschaft“, sagt die gebürtige Hockenheimerin. Sie studierte Germanistik und Romanistik in Heidelberg, studierte dann in Wien und Berlin, ging über zur Medizinsoziologie. War bei dem einen das Mittelalter mit seiner Mentalität, seinem Verhältnis zu Liebe und Sexualität ihr Schwerpunkt, wandte sie sich beim anderem gegenwärtigen Themen zu: Warum ist der Krebs die Krankheit des 20. Jahrhunderts?

Kommentar: Moderne Samariter

Vielleicht weiß schon gar nicht mehr jeder, was ASB eigentlich bedeutet. Das Kürzel ist inzwischen eine moderne, soziale Marke geworden, die „Arbeiter“ und „Samariter“ im Namen muten da fast wie ein historisches Zitat an. ASB als Wohlfahrtsverband, und auch „Wohlfahrt“ klingt ein bisschen nach 19. Jahrhundert. Die drei Buchstaben haben es in Falkensee in sich: Kinderbetreuung, Familienhilfe, Hausaufgabenhilfe, Familienbildung, betreutes Wohnen für junge Flüchtlinge, Sommerlager für sozial benachteiligte Kinder, Schulprojekte für desorientierte Schüler, Jugendclubs, Erziehungsbeistand, Mädchengruppe, ambulante Hilfe zur Erziehung, Kleiderkammer, Fahrradwerkstatt, Familiencafé. Die Liste ist lang. Ein ganzes Netz an Einrichtungen, die das mit den „Arbeitern“ und „Samaritern“ zeitgemäß umsetzen. Hier wird für Menschen in Not etwas getan. Und all das wird getragen vom Samariter-Gedanken des Helfens. Des Für-einander-Daseins. Gut, dass es das in einer Stadt, in der mehr Gutbetuchte wohnen als in anderen Teilen des Havellandes, auch gibt. Marlies Schnaibel

Aber nach Habilitation und vielen Büchern und Fachartikeln, die sie verfasst hat, wollte sie etwas anderes. „Ich hatte Lust auf Praxis“, beschreibt sie ihre Motivation, „und ich habe gemerkt, dass man da viel bewegen kann.“ Bei der Diakonie baute sie Projekte auf, die neue Wege im wirtschaftsnahen Ehrenamt aufzeigten. Sie ging zum ASB nach Berlin, wurde Landesgeschäftsführerin und brachte den Verband nach dessen Insolvenz wieder auf Kurs.

Auf die Arbeit in Falkensee freut sie sich

Auf die Arbeit in Falkensee freut sie sich, die Einrichtung hat ihr gut gefallen, sie spürte einen offenen Umgang untereinander und mit den Bewohnern. Sie wird einen Tanker übernehmen und auf Kurs halten. Was nicht heißt, dass sie in manchem nach- oder gegensteuern wird. Einiges will sie anders machen, sie wird nicht wie ihr Vorgänger Geschäftsführerposten und Heimleitung in Personalunion machen, sondern „nur“ Geschäftsführerin sein. „Alles soll erhalten und weitergeführt werden“, sagt sie. Alles – dazu zählen die Horte, Jugendclubs, Erziehungsfachstellen und Kindertagesstätten, eine neue Kita wird gerade in Dallgow-Döberitz von der Gemeinde gebaut, der ASB wird sie übernehmen, mit Eltern ist man zudem im Gespräch über eine Inklusionskita in Brieselang. Ein paar neue Facetten will Jutta Kleber mit einbringen und denkt dabei unter anderem an chronisch kranke Kinder und auch sterbende Kinder.

Und auch das wird bleiben: Der ASB unterstützt junge Leute, die ein Freiwilliges Soziales Jahr machen. Eine neue Stelle für Öffentlichkeitsarbeit und soziale Medien ist da noch frei. Wer das macht, könnte ja vielleicht die Internetseite des ASB Falkensee ein bisschen auffrischen. Dort steht nämlich als Aufsichtsratsvorsitzender immer noch „Altbürgermeister Werner Salomon“. Der Mann ist seit mehr als zwei Jahren tot.

Von Marlies Schnaibel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg