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Kleines Dorf mit Kindertagesstätte

Vietznitz Kleines Dorf mit Kindertagesstätte

Gut ausgelastet ist die Kindertagesstätte im Wiesenauer Ortsteil Vietznitz. Viele Eltern aus dem Dorf, aber auch aus den anderen Ortsteilen bringen ihren Nachwuchs dort hin. Doch auch für die älteren Einwohner wird Einiges getan, wie wir bei unserem Besuch im Rahmen der Serie „MAZ zu Hause in...“ erfahren konnten.

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Voll ausgelastet ist die Kindertagesstätte in dem Dorf mit seinen 217 Einwohnern.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Vietznitz. Hat er was mit Dorf oder Häuserreihe zu tun, geht er auf einen Jan Vycenytz zurück oder aber bedeutet er „hoch gelegener Ort“? Woher der Name Vietznitz stammt, ist nicht gesichert. Fakt ist, dass der Ort 1365 als Vicenitz erstmals urkundlich erwähnt wurde. Heute lassen manche Einwohner das „Z“ in der Mitte aus Bequemlichkeit gern mal weg, so dass „Vietnitz“ übrig bleibt.

Den Kleinsten im Dorf dürfte die korrekte Aussprache völlig egal sein. Sie haben das Glück, dass der Weg zu ihrer Kita nicht weit ist, die Einrichtung liegt im Dorf, gleich neben der kleinen Kirche. Es ist gar nicht so lange her, dass der Spielplatz in einer echten Gemeinschaftsarbeit neu gestaltet worden ist. Vor Kurzem wurde auch im Inneren Hand angelegt. Es gibt nun mehr Platz, so dass ab 2017 dann 27 statt 22 Kinder – nicht nur aus Vietznitz – dort betreut werden können. Zeichnet sich doch ab, dass die Kita auch in Zukunft ausgelastet ist. „Wir haben in letzter Zeit einen großen Zuwachs an jungen Familien, die nach Vietznitz gezogen sind“, sagt Ortsvorsteher Dirk Massow. Viele seien darunter, die wieder zurück kehren, ein Haus bauen und Kinder bekommen. Sie nehmen das Pendler-Leben in Kauf.

Aber auch für die Älteren wird eine Menge getan, wie Renate Kotzur zu berichten weiß. Die 69-Jährige ist im Vorstand der Ortsgruppe der Volkssolidarität in Vietznitz. „Wir haben jetzt 29 Mitglieder und auch darüber hinaus einige, die sich nützlich machen“, sagt sie. Monatlich wird zu Veranstaltungen eingeladen, und zwar nicht nur zum Kaffeeklatsch. Auch Vorträge gibt es, beispielsweise zu Rassehühnern. „Wir haben früher auch schöne Ausflüge gemacht“, sagt Renate Kotzur, Der tollste war für sie eine Fahrt mit Führung zum Gestüt in Neustadt/Dosse. Doch mit den Fahrten geht es eher zurück, weil viele alters- und krankheitsbedingt nicht mehr teilnehmen können. „Leider sind wir ein wenig überaltert, es gibt kaum jemand unter 70“, lädt sie die anderen Vietznitzer ein, auch einmal an den Veranstaltungen teilzunehmen. Anfang Dezember ist wieder die Weihnachtsfeier.

Renate Kotzur ist eine Rückkehrerin. Geboren in Berlin, wuchs sie in Vietznitz auf und ging dort sowie in Friesack und Nauen zur Schule. Dann lebte sie in Berlin. „Vor neun Jahren bin ich dann wieder hergekommen und ich fühle mich hier wohl“, sagt sie, will ihr Vietznitz nicht missen.

Sie hat dort auch Mitstreiter außerhalb der Volkssolidarität gefunden, so wie Thorsten Döring. Der 46-Jährige ist Vorsitzender des Fördervereins für die Dorfkirche. 1981 war er nach Vietznitz gekommen, lebt gern dort und engagiert sich. Der Verein sammelt Spenden, um die Kirche auch in Zukunft erhalten zu können. Ein Harmonium ist bereits instandgesetzt worden, so bald wie möglich müssen auch die Lecks im Dach beseitigt werden. Zukunftsmusik ist indes noch die Fassadenerneuerung. Aber der Verein kümmert sich nicht nur um die Kirche, sondern mischt auch im Dorfleben mit. „Wir organisieren alljährlich das Backofenfest im Juni“, sagt Döring. Am 10. Dezember stellen sie auch wieder die Dorfweihnacht auf die Beine, unter anderem mit Unterstützung der Simsonfreunde. Die Frauen im Ort machen Kaffee und backen Kuchen. Um 17 Uhr tritt Tonis Frauenchor auf. Vom Erlös des Festes soll auch etwas in die Kirchensanierung gehen.

Auf dem Sportplatz des Dorfes gibt es jedes Jahr zwei große Veranstaltungen: Das Treffen der Simsonfreunde mit mehreren hundert Besuchern, aber auch den Amtsausscheid der Jugendfeuerwehren. Bei letzterem ist auch die Volkssolidarität mit dabei. „Wir stehen dann hinter dem Grill“, sagt Renate Kotzur. Für Ortswehrführer Fred Schindler ist diese Veranstaltung sehr wichtig, um die Kinder für die Feuerwehr zu begeistern. „Wir wollen auch versuchen, eine Mini-Feuerwehr für Kinder ab fünf Jahren aufzubauen“, sagt der 58-Jährige. Er lebt für den Brandschutz: „Meine ganze Familie ist in der Feuerwehr.“ Nach schwierigen Zeiten befinde sich diese wieder im Aufwind. 14 aktive Kameraden rücken bei Alarm aus.

Wie Schindler sagt, habe er in Vietznitz eine schöne Kindheit gehabt, jedoch sah der Ort früher schöner aus. „Es gibt mehrere Schandflecke, so wie die ehemalige Gaststätte“, sagt er. Aus einem alten Wohnhaus wachsen Bäume aus dem Dach. Mutter Herta Schindler ärgert sich zudem, dass der ehemalige Konsum jetzt zur Müllhalde verkommt. „Dabei hatten wir das Haus erst 1988 eröffnet“, sagt sie.

Die heute 80-Jährige kennt sich mit Vietznitz’ Entwicklung bestens aus, war zwei Jahrzehnte Bürgermeisterin im Ort. „1974 hatte man mich überzeugt“, sagt Herta Schindler, die 1947 ins Havelland kam – als Flüchtling. Bei ihrer vorherigen Station wurden sie sehr schlecht behandelt, nicht so in Vietznitz. „Hier hat man uns vernünftig aufgenommen. Das rechne ich den Vietznitzern bis heute hoch an. Das Dorf ist meine zweite Heimat geworden“, sagt sie. Lange Zeit arbeitete sie in der Landwirtschaft, heiratete. Nach der Wende stellte sie sich noch einmal zur Wahl. „Ich wollte wissen, ob man mich noch einmal wählen würde.“ Es gab keine Probleme.

Wohl fühlt sich auch Irmgard Kögler in Vietznitz. Als sie vor 15 Jahren ins Dorf kam, half ihr auch ihre Kontaktfreudigkeit, dort Fuß zu fassen. „Ich habe jeden angesprochen.“ Ehrenamtlich hilft sie in Friesack in einer Wohngemeinschaft für Senioren sowie in der Tagespflege. Aber auch im Dorf ist Nachbarschaftshilfe für sie wichtig, da fährt sie auch mal Jemanden zum Arzt.

Dirk Massow ist ebenfalls ein Zugezogener. Er kam 1987 nach Vietznitz – der Liebe wegen. „Ich wurde im Dorf mit offenen Armen aufgenommen.“ Heute versucht er als Ortsvorsteher etwas zu bewegen und hofft unter anderem, dass es gelingt, den baufälligen Bungalow auf dem Festplatz wieder herzurichten und den Abriss zu vermeiden.

Von Andreas Kaatz

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