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Havelland Landkreis verfehlt seine eigenen Ziele
Lokales Havelland Landkreis verfehlt seine eigenen Ziele
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21:11 20.04.2018
Im Landkreis Havelland fehlen Elektrotanklstellen. Quelle: Peter Geisler
Havelland

Gleich zu Beginn des Jahres platzte Kreisumweltdezernent Henning Kellner (SPD) der Kragen. Der Kreis erreiche seine Klimaschutzziele, die in dem Klimaschutzkonzept des Kreises verankert sind, noch immer nicht. Bereits vor zwei Jahren hatte er im Umweltausschuss darauf hingewiesen, dass der Kreis mit der Planerfüllung hinterherhinkt.

Frust bricht durch

Bei Kellner brach sich Frust Bahn. Zwar gelingt es, in der Verwaltung nach innen, einen Teil der Mitarbeiter für das Thema Klimaschutz zu sensibilisieren. Auch bei seinen Dezernentenkollegen stößt Kellner auf offene Ohren. Aber eben nicht bei allen. Und das hemme die Arbeit, ließ Kellner Anfang des Jahres die Menschen im Landkreis wissen.

Von der Nachricht aufgeschreckt forderte die Kreistagsfraktion der Partei Die Linke am Montag bei einer Sitzung des Kreistages in Rathenow, das gesamte Klimaschutzkonzept auf den Prüfstand zu stellen. „Wir benötigen bis Juni eine Evaluierung“, sagte Harald Petzold von der Linksfraktion. „Wir stagnieren und wir Kreistagsabgeordnete bieten da gerne unsere Mithilfe an.“

Kreisumweltdezernent Henning Kellner. Quelle: Maz

Henning Kellner räumte ein: „Ich bin sehr froh, dass mit dem Antrag gas Klimaschutz-Thema mal wieder beachtet wird.“ Der Umweltdezernent zeigte auf, dass die Verwaltung bei eigenen Klimaschutzprojekten im Plan liegt. „Wir haben die Aktionen mit den Schulen, die sehr erfolgreich sind. Dazu gibt es eine Aktion mit Landwirten.“ Aber der Versuch, das Bewusstsein außerhalb der Verwaltung zu schärfen, gelinge nicht immer.

Personalproblem kommt dazu

Dazu kommt ein Personalproblem. Die Mitarbeiterin für Klimafragen habe ihre Arbeit auf 30 Stunden reduziert, vorher war sie in Elternzeit. Dazu komme ein weiterer Mitarbeiter. „Das ist nicht genug, um alle Anforderungen schnell zu erfüllen“, sagte Kellner.

Echte Schwierigkeiten gibt es auf dem weiten Feld der Elektromobilität. Wenn das Ziel, E-Busse anzuschaffen, bei einer Ausschreibung dadurch konterkariert wird, dass andere Fahrzeuge erheblich günstiger sind, kommen wir nicht weiter.“ Und Kellner zeigte ein Infrastrukturproblem auf: „Im Havelland kann man nur an wenigen Stellen Strom tanken.“ In der Hinsicht sei das Havelland ein weißer Fleck auf der Stromtankstellenlandkarte.

Im Kreis eine Querschnittsaufgabe

Für Felix Doepner (Bündnis 90/Grüne) ist Klimaschutz eine Querschnittsaufgabe. Der Kreistagsabgeordnete aus Nennhausen fordert, „dass sich alle Dezernate und Abteilungen einer Kreisverwaltung daran beteiligen, das voranzubringen.“ Falls es Personalprobleme müsse man auch über eine weitere Planstelle im Umweltdezernat nachdenken. „An Finanzfragen darf der Klimaschutz nicht scheitern“, sagte Doepner.

Gerald Hübner (AfD) bestritt die Theorien, weshalb sich die Erde erwärmt. Der Mensch habe damit nichts zu tun. Er sprach vom „Fetisch CO2“ . Allerdings bestritt auch Hübner nicht, dass sich das Klima erwärmt – mit Folgen.

Die gelte es im Blick zu behalten, sagte der Kreisumweltdezernent. „Wir müssen ja nicht selber auch noch alles dazutun, um die Lage zu verschlechtern“, sagte Henning Kellner. Für ihn ist es wichtig, dass für das Thema Klimaschutz im nächsten Haushalt etwas mehr Geld zur Verfügung steht.

Mehr Einwohner, als vorberechnet

Zudem gibt es Einflüsse, die von der Kreisverwaltung nicht gesteuert werden können – zugleich aber gewollt sind. „Wir haben zum Beispiel deutlich mehr Einwohner, als wir in der Einwohnerprognose zur Urfassung des Klimaschutzkonzeptes vorgesehen hatten“, sagte Kellner. „Wir freuen uns über die neuen Bewohner – aber sie beeinflussen die Bilanz.“ Ähnliches gelte auch für die Wirtschaftsentwicklung im Kreis. „Wir hatten ja gehofft, dass sich Gewerbetreibende ansiedeln. Aber mit den großen Logistikzentren, die hier neu gebaut wurden und werden, kann man die Umweltbilanz so nicht halten“, so Kellner.

Das sind Hinweise, die dafür sprechen, das gesamte Konzept genau zu prüfen. Sowohl Michael Koch (CDU-Fraktion) als auch Stefan Schneider (SPD) unterstützten den Vorschlag, das Thema in den kommenden Wochen zu vertiefen – zunächst im Umweltausschuss des Kreistages.

Im Umweltausschuss geht es weiter

Hier wird – so lautete am Montag die vorläufige Empfehlung des Kreistages – weiter diskutiert. Große Hoffnung, dass sich dadurch das Klima zum Besseren wendet hat Gerhard Stackebrandt (Bauen) nicht: „Betrachtet mit Blick auf die ganze Welt, sind wir hier ein ganz kleiner Fleck. Was soll das also?“

Später, wenn eine Evaluierung vorliegt, sollen die Klimaziele des Kreises erneut im Kreistag auf die Tagesordnung kommen.

Von Joachim Wilisch

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