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Knochen aus längst vergangener Zeit

Archäologen haben in der Berliner Straße Überreste eines Friedhofs entdeckt Knochen aus längst vergangener Zeit

Bei den Bauarbeiten in der Berliner Straße sind Überreste eines alten Friedhofs entdeckt worden. Die Archäologen des Grabungsteams Dinter haben in den vergangenen Tagen zehn Grabstätten freigelegt. Die Skelette wurden dokumentiert und geborgen, und zu weiteren Untersuchungen ins Landesarchiv nach Wünstorf gebracht.

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Rathenow. Um einen Überraschungsfund handelt es sich nicht. "Aus alten Stadtplänen war uns bekannt, dass es nahe der Hauptkreuzung früher einen alten Friedhof gegeben hat", berichtet Grabungsleiter Michael Walter. Dennoch seien die Gräber wichtige Belege für die Rathenower Stadtgeschichte. Denn immerhin habe man nun handfeste Belege dafür, dass es den Friedhof gab. Wichtiger noch: Die Funde erlauben den Archäologen eine konkrete Verortung des Gräberfeldes. Man sei erstaunt gewesen, dass man Gräber östlich der Hauptkreuzung gefunden habe, sagt Walter. Man habe nach Studium der alten Pläne eigentlich erst auf Höhe der Kreuzung mit Grabanlagen gerechnet.

Belegt ist, dass im Bereich der Kreuzung bis zum Ende des 17.Jahrhunderts ein Krankenhaus gestanden hat, das St. Katharinen-Hospital. Die nun entdeckten Gräber waren nach Auskunft Walters mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Teil des zum Hospital gehörigen Friedhof. Angelegt wurde die Gräberstätte aller Voraussicht nach im späten Mittelalter. Doch die genaue Datierung der Funde erfolgt später.

Bei ihren Untersuchungen haben die Archäologen festgestellt, dass Gräber verschiedener Epochen ganz dicht beieinander liegen, bisweilen reichen Knochen eines Skeletts in den Bereich eines anderen hinein. Die Erklärung dafür ist ganz einfach. Wie heute wurden Gräber auch früher nach einer gewissen Zeit aufgelöst. An derselben Stelle wurde ein neues Grab ausgehoben. So kommt es vor, dass die gefundenen Skelette ganz dicht über- und beieinander liegen.

Die Gräber geben nicht nur Aufschlüsse über die Anlage der Stadt im Mittelalter. Die Knochen lassen auch Rückschlüsse zu auf den damaligen Lebensalltag. So habe man beim Skelett eines Kindes grünliche Verfärbungen am Schädel festgestellt, berichtet Walter. Diese stammen mit großer Wahrscheinlichkeit von einer Totenkrone. Vor allem im Barock sei es üblich gewesen, verstorbene Kinder auszustaffieren wie Brautleute. Mit Hochzeitsgewändern und eben jenen Kronen.

Von der Krone, die zumeist aus kunstvoll gebogenem Silber- oder Kupferdraht bestand, ist nichts mehr übrig. Aber der Schädel mit der Verfärbung ist da. Und er wird von den Konservatoren aufbewahrt. Als Beleg für längst vergessene Sitten und Gebräuche.

Von Markus Kniebeler

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