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Havelland Körcenter: Ex-Mitarbeiter klagen Gehalt ein
Lokales Havelland Körcenter: Ex-Mitarbeiter klagen Gehalt ein
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13:30 22.02.2018
Im Körcenter geht es nicht voran. Quelle: Markus Kniebeler
Rathenow

Über den Pflegedienst im Rathenower Körcenter, der erst im vergangenen Jahr seine Arbeit aufgenommen hat, gibt es massive Beschwerden. Wegen aus ihrer Sicht unhaltbarer Arbeitsbedingungen haben mehrere Mitarbeiterinnen ihre Verträge wieder gekündigt. Weil ihnen nur Teile ihres Gehalts ausgezahlt wurden, haben mindestens zwei Mitarbeiterinnen nun einen Anwalt eingeschaltet.

Geleitet wird der Pflegedienst von einem Ehepaar aus dem Landkreis Stendal. Der Mann fungiert als Geschäftsführer. Die Frau ist für die praktische Organisation des Dienstes zuständig. Und über diese Organisation reiht sich eine Beschwerde an die andere.

So sollen nach Aussage von zwei Altenpflegerhelferinnen die Mitarbeiter bei der Dienstplangestaltung in vertraglich nicht vereinbarte Nachtschichten eingeteilt worden sein. Außerdem seien Altenpflegehelferinnen mit Aufgaben betraut worden, für die sie nicht qualifiziert waren.

Ex-Mitarbeiterinnen reden von chaotischen Zuständen

Die Zustände in dem Bereich „betreutes Wohnen“, der im vergangenen Jahr im vorderen Teil des Körcenters eingerichtet wurde, werden von den ehemaligen Mitarbeiterinnen, die nun vor Gericht für die Auszahlung ihres Gehalts kämpfen, als chaotisch bezeichnet.

So sei die Essensversorgung der Bewohner zum Teil mangelhaft gewesen. Eine der Klägerinnen berichtet, dass sie bisweilen Essen von zu Hause mitgebracht habe, um die Versorgung sicher zu stellen.

Immobilie mit Problemen

Das Körcenter wurde Anfang der 90er Jahre errichtet. Die anfangs voll belegte Ladenpassage verlor von Jahr zu Jahr Mieter, bis zum kompletten Leerstand vor fünf Jahren.

Seitdem hat es verschiedene Interessenten gegeben – vom Schnäppchen- bis zum Polstermöbelmarkt – die sich aus den unterschiedlichsten Gründen zurückgezogen haben.

2016 erwarb der Immobilienmakler Peter zum Felde die Immobilie, die er zu einem Pflege- und Gesundheitszentrum umbauen will.

Dass diese Vorwürfe nicht völlig aus der Luft gegriffen zu sein scheinen, belegt ein Blick über die Kreisgrenze. Im Januar wurde die Leiterin des Dienstes vor dem Amtsgericht Stendal wegen mehrfachen Betruges, Insolvenzverschleppung und Vorenthalt von Arbeitsentgelt zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt.

Unter anderem soll die 39-Jährige Urlaubsreisen nicht ordnungsgemäß bezahlt und die Miete für einen geleasten Pkw nicht entrichtet haben.

Umbau geht nicht voran

Der angekündigte Umbau der ehemaligen Einkaufspassage zu einem Pflege- und Gesundheitszentrum geht derweil nicht voran. Ende 2016 hatte der Immobilienmakler Peter zum Felde, der das Körcenter erworben hatte, eine Eröffnung des Zentrums für Ende 2017 in Aussicht gestellt.

Aber außer einigen rudimentären Aufräumarbeiten ist in dem Haus mit seinen rund 3500 Quadratmetern Nutzfläche nichts geschehen. Vor einem Monat hatte zum Felde auf MAZ-Nachfrage mitgeteilt, dass der Bauantrag eingereicht und das erforderliche Brandschutzkonzept in Arbeit sei.

Nach den Plänen des Investors sollen die ehemaligen Läden im Körcenter zu Wohnungen, Gemeinschafsräumen und Praxen umgebaut werden. Vorgesehen sind 40 Einraum-Appartements für betreutes Wohnen, die mit Küche und eigenem Sanitärbereich ausgestattet sind.

Außerdem sollen zwei so genannte Betreuungs-Wohngemeinschaften eingerichtet werden, in denen bis zu 20 Intensivpatienten rund um die Uhr betreut werden können. Und schließlich soll es einen Tagespflege-Bereich geben.

Stadt droht mit Aufhebung des B-Plan-Beschlusses

In der Stadtverwaltung wird der Stillstand im Bebauungsplan-Verfahren Körcenter zunehmend skeptisch betrachtet. „Der im städtebaulichen Vertrag vereinbarte Zeitplan ist inzwischen nicht mehr haltbar“, sagte Jens Hubald, Leiter des Sachgebiets Stadtentwicklung. Hubald teilte mit, er werde vom Eigentümer erfragen, ob er vorhabe, das Planverfahren überhaupt noch fortzuführen.

„Sollte keine Antwort erfolgen, wird die Stadtverwaltung der Stadtverordnetenversammlung nach Ablauf der vertraglichen Fristen empfehlen, den Aufstellungsbeschluss zum B-Plan Nr. 062 ’Gesundheits- und Pflegezentrum’ wieder aufzuheben.“

Von Markus Kniebeler

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