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Kolkraben jagen Störche

Jungtiere werden immer wieder getötet Kolkraben jagen Störche

Junge Störche werden immer wieder Opfer von gefräßigen Kolkraben. Dieses Jahr wurden so viele Jungtiere wie noch nie gefressen. Allein im Osthavelland haben 17 Jungtiere nicht überlebt. Viele wurde gefressen, einige aber auch von ihren Eltern aus dem Nest gestoßen.

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Havelland. Der Rekord aus dem Jahr 2008 bleibt bestehen. Damals wurden 83 junge Störche in den Nestern im Osthavelland gezählt. "Diesmal lagen wir bei 82", sagt Dieter Stark vom Naturschutzbund, Regionalverband Osthavelland.

Trotzdem kann sich der Falkenseer Tierfreund nicht so recht freuen, weil ein anderer, bedauernswerter Rekord aufgestellt wurde: 17 junge Störche haben nicht überlebt (im Vorjahr waren es sechs). Einige seien von den Alttieren aus dem Nest gestoßen worden, so berichten es ehrenamtliche Nestbetreuer in den Gemeinden. Sorge bereitet Dieter Stark aber vor allem die Tatsache, dass Kolkraben offenbar Geschmack an den jungen Störchen gefunden haben. Er schildert einen Fall aus Friesack, der unweigerlich an den Hitchcock-Thriller "Die Vögel" erinnert. Nestbetreuer Günter Lenecker hatte am 4. Juni beobachtet, wie vier Kolkraben über dem Nest am Bahnhof kreisten. "Zuerst haben sie wohl die Storchenmutter aufgeschreckt. Als die weggeflogen war, stürzten sich die Raben auf die drei Jungen und nahmen die vier bis sechs Wochen alten Tiere mit", berichtet Stark. Auch von anderen Nestbetreuern habe er noch solche Gruselmeldungen erhalten, unter anderem aus Bredow. "Nie vorher habe ich gehört, dass die Kolkraben so etwas machen. Ich weiß auch nicht, was los ist."

Auf ganz andere Weise umgekommen sind Jungtiere in Wansdorf. Ortsvorsteher Siegfried Spallek hatte sich zunächst über drei Junge im Nest auf seinem Grundstück gefreut. Doch Ende Juni soll ein Blitz das Nest und den Mast getroffen haben. Kein Jungvogel hat überlebt.

Das schlechte Wetter im Juni mit starken Sturm und viel Regen trugen ein Übriges zu der negativen Bilanz bei. "Viele Tiere starben an Unterkühlung oder sind im Nest ertrunken", sagt Dieter Stark. Immer häufiger muss er registrieren, dass die Alttiere ihr Nest mit Material auslegen, das ein Abfließen von Regenwasser erschwert oder gar verhindert. Dagegen ist auch der Storchenbeauftragte machtlos.

Zahlenvergleich

Im Westhavelland wurden bisher 94 Jungstörche registriert.
In neun Nestern muss noch gezählt werden. So dürften es 2013 mehr als 100 Jungstörche sein.
In sechs Nestern wachsen jeweils vier Jungstörche heran, in 14 Nestern leben drei Junge.
Tote Storchenjunge wurden in Rübehorst, Barnewitz, Stölln und in Buckow gefunden.

Die lebenden 65 jungen Störche verteilen sich auf 27 Nester. Gleich vier Junge wurden in Niebede, Wachow, Wutzetz und Vietznitz gezählt. In elf Nestern sind jeweils drei Nachkömmlinge flügge geworden. "Überhaupt ist zu beobachten, dass einige Storchenpaare zwar ihr Nest verteidigen, als wären sie Eltern. Aber in Wahrheit haben sie keine Junge", erzählt Dieter Stark. Er nennt sie Verlobungsstörche. Neun Nester blieben im Osthavelland ohne Eier.

Leider Pech hat in diesem Jahr der Storchenhof in Paretz. Die drei Eier im Nest waren taub. Ebenso keine Nachwuchsstörche werden die Besucher das Landgutes A.Borsig in Groß Behnitz zu Gesicht bekommen.

Großen Dank schickt der Storchenbeauftragte an die vielen Nestbetreuer, ohne die die Statistik nicht zu machen wäre, ohne die viele Informationen zu den Tieren nicht zu bekommen wären. "Besonders die Familien Busse in Hoppenrade, Scholz in Friesack, Seifert in Vietznitz und Lenecker in Friesack seien genannt, weil sich über das normale Maß hinaus um die Nester kümmern", so Stark. So habe jetzt Martin Scholz an seinem Grundstück einen Schaukasten aufgestellt, wo seit 1904 alles über die dortigen Störche festgehalten ist.

Von Jens Wegener

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