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Das Dorf der Unzufriedenen

In Zeestow gewann die AfD 20 Prozent der EU-Stimmen Das Dorf der Unzufriedenen

Nirgendwo sonst im Havelland hat die Alternative für Deutschland (AfD) prozentual gesehen so viele Stimmen bei der Europawahl bekommen wie in Zeestow. 20 Prozent haben die Neupolitiker, die sich als europakritisch begreifen und von anderen als rechtspopulistisch bezeichnet werden, dort bekommen.

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Im Wahllokal in Brieselang.

Quelle: Vivien Boche

Zeestow. Zeestow, knapp 600 Einwohner, wirkt auf Besucher erst einmal unspektakulär. Eine Kirche, eine Kita, eine Bushaltestelle, Einfamilienhäuser, dazu die Hauptstraße, auf der Lkws durchs Dorf rumpeln – das ist es auf den ersten Blick. Eigentlich ein Fleckchen Havelland, so scheint es, an dem man in Ruhe sein Leben leben kann. Doch bei der Wahl am Sonntag haben auffallend viele Zeestower ihre Unzufriedenheit ausgedrückt. Sie haben Protest gewählt.

Nirgendwo sonst im Havelland hat die Alternative für Deutschland (AfD) prozentual gesehen so viele Stimmen bei der Europawahl bekommen wie in dem Ortsteil von Brieselang. 20 Prozent haben die Neupolitiker, die sich als europakritisch begreifen und von anderen als rechtspopulistisch bezeichnet werden, dort bekommen. Das ist mehr als die SPD – und nur ein bisschen weniger als die CDU, die stärkste Kraft in Zeestow. Bei der Kreistagswahl landete die AfD dort mit rund 14,4 Prozent auf dem dritten Platz. Auch das ist ein überdurchschnittliches Ergebnis. Ähnlich sieht es in Teilen Falkensees und im westhavelländischen Landin aus (siehe Kasten), neben Zeestow die Hochburgen der Havelländer, die laut AfD-Regionalchef Kai Giersch „die Nase voll haben von der SPD-Regierung“ und der „Allparteienkoalition“ im Kreistag.

Michaela Belter, gerade wieder frisch in den Ortsbeirat gewählt, ist eine derjenigen, die bei der AfD ihre Kreuze gemacht haben. „Notwehr“, sagt sie, fasst ihr Motiv dafür ganz gut zusammen. Das Konzept Europa, so wie es existiert, überzeugt sie nicht. Dafür laufe dort, aber auch in der Region, zu viel schief. Das Schulsystem, Sozialleistungen für Einwanderer, das ganze herausgeschmissene Geld – während man sich selbst ums Sparen und im Ort seit mehreren Jahren um einen Spielplatz bemühe – das findet Michaela Belter alles nicht in Ordnung. Sie glaubt, dass die etablierten Politiker den Sinn für die Realität verloren haben.

„Sie tun so, als ob alles schön wäre. Sie lügen sich in die eigene Tasche“, sagt sie. Die Mittvierzigerin ist selbst politisch kein unbeschriebenes Blatt. Sie hat einst gegen das Gaskraftwerk gekämpft und ist bei der Kommunalwahl für die Initiative für Bürgerinteresse und Bürgerbeteiligung (IBB) angetreten. So wie sie, sagt Michaela Belter, denken viele Zeestower: „Wir empfinden die Realität anders, als sie uns vorgegaukelt wird.“ An der AfD mit ihren Wahlsprüchen „Washington spioniert, Brüssel diktiert, Berlin pariert“ gefällt ihr, dass „sie den Mund aufmachen, Klartext reden“. Ihre Wahl soll die Etablierten „endlich mal wachrütteln“. Und vielleicht steuere die AfD ja auch neue Blickwinkel bei und bringe Bewegung in den eingefahrenen Politbetrieb. Dass die Partei ein Konzept hat, das alles besser macht, glaube sie allerdings nicht.

Von Jana Einecke

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