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Kita-Konflikt: Wer Kritik äußert, fliegt

Kinder werden nicht mehr betreut Kita-Konflikt: Wer Kritik äußert, fliegt

In der Kita Kindermund in Rathenow gärt seit Monaten ein Personalstreit. Anfang November zogen die Leiterin und eine Erzieherin die Reißleine und kündigten. Seitdem gibt es eine Art Notversorgung. Sechs Müttern, die diese Missstände angezeigt haben, flatterte nun die Kündigung ins Haus – und die Kita wirbt bereits für die frei werdenden Plätze.

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Mütter der Initiative, die auf Missstände in der Kitabetreuung aufmerksam gemacht haben, mit ihren Kindern.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Als die Kita Kindermund in der Rathenower Waldsiedlung im Frühjahr des vergangenen Jahres eröffnet wurde, da war die Welt noch in Ordnung. Die Erzieherinnen freuten sich nach dem Umbau der ehemaligen Gaststätte darauf, endlich mit der Arbeit anfangen zu können. Und die Eltern waren gespannt darauf, wie der Verein Kindermund sein Konzept, in dem die musische Erziehung einen großen Stellenwert genießt, umsetzen würde.

Anfangs lief es nach Auskunft von Katrin Lechelt, die zwei Kinder in der Kita angemeldet hat, auch rund. Aber zu Beginn dieses Jahres kam es zu Unstimmigkeiten. Offenbar hatte es ein Zerwürfnis zwischen dem Vorstand des Betreibervereins und Erziehern gegeben, in dessen Folge es im Juni sogar zu einer einwöchigen Schließung der Einrichtung kam.

Eltern erheben schwere Vorwürfe

Seitdem ist es nach Auskunft von Katrin Lechelt und weiteren Müttern, die sich zu einer Initiative zusammengeschlossen haben, immer schlimmer geworden. Seit der oben erwähnten Kündigung der beiden Mitarbeiterinnen könne von einer konzeptionellen Betreuung nicht mehr die Rede sein. „Die Kinder werden eher verwahrt als betreut“, so der Vorwurf der Initiative am Montagabend im Bildungsausschuss. Und auch sonst sei in der Fritz-Reuter-Straße vieles im Argen.

Tatsächlich haben viele Eltern bereits die Konsequenzen aus der zugespitzten Situation gezogen und ihre Kinder aus der Einrichtung genommen. Von anfangs über 30 Kindern sind noch 22 übrig. Und auch ein Teil der Eltern, deren Kinder noch angemeldet sind, will dem Treiben nicht tatenlos zusehen. Mit Schreiben an die Stadt und das Jugendamt des Kreises haben die in der genannten Initiative versammelten Mütter auf die Missstände aufmerksam gemacht. Und die betreffen nicht nur die aus ihrer Sicht mangelhafte Betreuung, sondern beziehen sich auch auf das Gebaren des Trägervereinvorstands. So gebe es seit Eröffnung der Kita keine ordentliche Kassenführung, zugesagte Investitionen in Lern- und Spielmaterial seien ausgeblieben, und der Bitte nach Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, auf der die Probleme thematisiert werden sollten, sei nicht entsprochen worden.

Kündigung wegen Kritik am Kita-Betrieb

Stattdessen flatterte den sechs Müttern in der vergangenen Woche ein Brief des Vereinsvorstands ins Haus, in dem ihnen mitgeteilt wird, dass der Betreuungsvertrag fristgerecht zum Jahresende gekündigt werde. Die zehn betroffenen Kinder werden ab dem 1. Januar – so der derzeitige Stand der Dinge – keinen Kita-Platz haben.

Hans-Jürgen Lemle, als Dezernatsleiter im Rathenower Rathaus zuständig für den Bereich Bildung, hörte sich die Klagen der Mütter am Montagabend geduldig an. Allerdings sei die Stadt der falsche Adressat, sagte er. Der Trägerverein müsse die Dinge in eigener Regie klären, die Stadt sei nicht befugt, in die Angelegenheiten eines privaten Betreibers einzugreifen. Wenn es zu rechtlichen Verfehlungen komme, sei das Sache der Gerichts und des Jugendamts.

Kita wirbt bereits mit frei werdenden Plätzen

Letzteres verwies die Initiative an das Bildungsministerium. Die angeschriebene Mitarbeiterin erteilte den Rat, die Angelegenheit in einem Gespräch mit dem Vorstand des Vereins „Kindermund“ zu klären. Doch diese Klärung ist nach der Kündigung unwahrscheinlicher denn je.

„Wir wissen nicht mehr weiter“, sagt Katrin Lechelt. Eigentlich seien sie und ihre Mitstreiterinnen immer noch von dem Ursprungskonzept überzeugt. Aber mit diesem Vorstand werde das nie was werden. In der Kita wollte man sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Im Internet wirbt der Verein Kindermund bereits um die Neubesetzung der frei werdenden Plätzen.

Die Kita Kindermund

Die Kita Kindermund in der Fritz-Reuter-Straße wurde im Mai 2014 eröffnet. Betrieben wird die Kita vom Verein Kindermund, der eigens zu diesem Zweck gegründet worden war.

Die Stadt Rathenow hatte die Gründung der Kita abgelehnt, weil sie Zweifel am Betreiberkonzept hatte. Das Jugendamt des Kreises nahm das Projekt aber in den Kita-Bedarfsplan auf, weil es in Rathenow zu wenig Betreuungsplätze gab und immer noch gibt.

Die Kita ist ausgelegt für die Betreuung von 32 Kindern. Nach den Personalquerelen meldeten etliche Eltern ihre Kinder ab. Derzeit werden noch 22 Kinder betreut.

 

Von Markus Kniebeler

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