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Das Leben in Kotzen

Selbstbewusst und lebenslustig Das Leben in Kotzen

Die Bredows und Stechows prägten die Geschichte des Dorfes Kotzen über Jahrhunderte. Doch im Dorf ist der Blick zurück nicht alles. Die heutigen Kotzener sind selbstbewusst und packen an. Bester Beweis: Zehn Kotzener führen kleine Handwerksbetriebe oder Unternehmen.

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Diese drei wissen einiges über den Ort zu erzählen: Harald Schindelhauer, Wolfgang Münchow und Kurt Sonnenberg (von li.)

Quelle: Uwe Hoffmann

Kotzen. „Über Kotzen gibt es viel zu erzählen. Man muss nur Zeit haben und zuhören. Es ist ein schöner Ort. In den letzten Jahren wurden viele Einfamilienhäuser renoviert und viele neue gebaut“, sagt Harald Schindelhauer stolz über sein Dorf. „Kotzen hat eine vielfältige Geschichte.“ Im Jahr 1335 wurden derer von Bredow mit dem Ländchen Friesack mit Kotzen belehnt. In den folgenden Jahrhunderten prägten vor allem die von Stechows den Ort zwischen Hohem Rott und Havelländischen Hauptkanal. Ein Schriftstück aus dem Jahr 1541 erwähnt die von Stechows als Patronen der Kirche. „Seit Jahren setzen sich die in Stechow wohnenden Alexander und Benita von Stechow für Kotzen, besonders für die Kirche ein“, sagt Kurt Sonnenberg. Noch in diesem Jahr soll mit deren Hilfe das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs saniert werden.

„’Es ist schönste Kirche im Nusswinkel zwischen Lochow und Nennhausen’ schrieb schon Fontane in seinen Wanderungen durch die Mark“, erzählt Sonnenberg, seit zehn Jahren Kirchenältester in der Gemeinde Kotzen. Aber auch die Familien von Friesack, von Retzow und von Lochow prägten die Geschicke des Ortes. Ab 1798 war Familie von Stechow alleiniger Besitzer des Gutes. „Rhinsmühlen mit heute sieben Häusern gehörte schon seit 1552 als Wassermühle, Schäferei und Vorwerk des Rittergutes zu Kotzen“, erzählt Wolfgang Münchow.

„Mein in Bredow geborener Vater kam 1922 nach Kotzen und arbeitete als Gärtner auf dem Gut. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg war Rhinsmühlen viele Jahre Hauptsitz des großen Volkseigenen Gutes.“ Der mit 87 Jahren älteste lebende Kotzener kann sich auch noch an die Zeit der letzten Kriegstag erinnern. „Im Dorf gab es damals viele vom Nationalsozialismus Begeisterte“, so Münchow, der nicht mehr zum Kriegsdienst eingezogen wurde. „Bis zuletzt sollte der Ort verteidigt werden. Hier wurde stärker gekämpft als in den anderen Dörfern der Region.“

Auch Wolfgang Münchow hat bis 1990 auf dem Gut mit Tier- und Pflanzenproduktion gearbeitet. „Viele Arbeitsplätze fielen mit dem Ende des Gutes weg“, erzählt Kurt Sonnenberg. „Aber viele junge Kotzener haben den Mut ergriffen und sich selbstständig gemacht. Zehn Kotzener führen Handwerksbetriebe oder Unternehmen.“ Dazu gehören eine Kfz-Werkstatt, ein Bauunternehmen, eine Transportfirma. Aber auch der Partyservice von Kurt Sonnenbergs Schwiegertochter und der Putzservice des Sohnes von Harald Schindelhauer. „Früher gab es alles im Ort. Neben Bäcker, Geschäften auch eine Tankstelle, den Schmied, den Sattler und einen Schuhmacher“, ergänzt Wolfgang Münchow. Auch im ROW und im Chemiefaserkombinat in Premnitz arbeiteten bis Anfang der 90er Jahre viele Kotzener.

Der in Damme geborene Harald Schindelhauer hat seit 1974 in Mögelin, einer zu Carl Zeiss Jena gehörenden Maschinenfabrik, gearbeitet. Gewohnt hat er in Rathenow. 2001 zog er nach Kotzen zurück, übernahm das Grundstück seiner Eltern. Seine zwei Söhne haben auch im Ort gebaut.

Ein Kotzener schaffte es sogar als Afrikareisender und Entdecker in die Geschichtsbücher. Karl Klaus von der Decken (1833 bis 1865) erkundete im Jahr 1861, 13 Jahre nach Erstsichtung durch einen deutschen Missionar den Kilimandscharo. Mit der Erstbesteigung wurde es aber nichts: Auf Grund von Schneefall musste er auf 4200 Metern aufgeben.

Von Uwe Hoffmann

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