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Havelland Kränze und Gedenkreden zum Volkstrauertag
Lokales Havelland Kränze und Gedenkreden zum Volkstrauertag
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10:25 14.11.2016
Angehörige von Elly Jäger mit Bürgermeister Ralf Tebling (links).  Quelle: Norbert Stein
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Mögelin/Rathenow

 In Mögelin sind am Obelisk auf dem Dorfplatz vor der Kirche die Namen der Opfer des ersten Weltkrieges verewigt. Seit diesem Jahr gibt es eine zweite Tafel – mit den Namen der Opfer des zweiten Weltkrieges. Auf der Gedenktafel sind nicht nur die Namen der gefallenden Soldaten, sondern auch die von zivilen Opfern aus dem Dorfes zu lesen. „So war es der Wunsch vieler Einwohner“, sagte der Premnitzer Bürgermeister Ralf Tebling am Sonntag beim Gedenken am Obelisk im Ortsteil Mögelin. Die Namen von über 50 Opfern des zweiten Weltkrieges stehen auf der Gedenktafel, auch der von Elly Jäger.

Suche nach Ursachen

Ihr Sohn Ernst Jäger legte am Volkstrauertag mit Geschwistern und weiteren Familienangehörigen im Beisein des Bürgermeisters einen Familienkranz mit zwei Schleifen am Obelisk nieder. Eine Schleife trägt die Inschrift „Wir gedenken unserer Mutter, Oma, Uroma Elly Jäger und den Opfern des letzten Krieges“. Warum Elly Jäger sterben musste und wie sie ums Leben kam, war lange Zeit ungeklärt. Ihr Schicksal ließ die Familie nie zur Ruhe kommen, vor allen aber Ernst Jäger nicht.

Viele Recherchen

Ernst Jäger (81 Jahre) und seine Frau Christa leben heute in Wolfsburg. Mehrmals war er in den letzten Jahren in Mögelin, gedachte am Volkstrauertag der Mutter und versuchte die Umstände ihres Todes herauszufinden. Er habe in Archiven recherchiert, über 20 Zeitzeugen befragt, aber nicht von allen Antworten auf seine Fragen bekommen, erzählte Ernst Jäger am Sonntag.

Ernst Jäger legt den Kranz nieder. Quelle: Norber6t Stein

Elly Jäger machte sich am 27. April 1945 große Sorgen um ihre Mädchen Margot und Liselotte, die ihre Schwester von ihrer Arbeitsstelle in Rathenow nach Hause holen wollten. Weil alle drei Töchter nicht zurück kamen, machte sie sich selbst auf den Weg von Premnitz über Mögelin nach Rathenow. Unterwegs traf sie Ernst Jägers Recherche zufolge höchstwahrscheinlich russische Zwangsarbeiter, denen sie helfen wollte. Dazu kam sie nicht mehr. Sie wurde zuvor erschossen. Knapp zwei Wochen vor Kriegsende hinterließ Elly Jäger sechs Waisenkinder im Alter von 22,20, 16, 12, 10 und 7 Jahren. Drei Monate zuvor hatten die Kinder bereits ihren Vater verloren.

Gedenkschrift für Elly Jäger

„Den Verbleib der Leiche der mutigen Widerstandskämpferin aufzuklären, lag uns alle am Herzen und dafür danken wir Ernst Jäger“, hob dessen Nichte Ursula Stockmann in einer schriftlich verfassten Gedenkrede zum Volkstrauertag hervor. In dieser Gedenkrede schilderte sie, wie Elly Jäger sich für Kriegsgefangene einsetzte, Missstände des Naziregimes kritisierte, Zivilcourage bewies und inhaftiert wurde. Auch vom Einsatz ihres Ehemanns, Otto Jäger, gegen das Naziregime und seiner Inhaftierung berichtet die Gedenkschrift.

Vom Sinn des Volkstrauertages

In Rathenow erinnerte Pfarrer Andreas Buchholz an den Sinn des Gedenktages. „Der Volkstrauertag ist wichtig für die Menschen, die die Schrecken des Krieges mit eigenen Augen gesehen haben“, sagte er. „Er ist auch wichtig für die Angehörigen, die lange auf eine Nachricht ihrer Familienmitglieder gewartet haben“, so Buchholz weiter. „Der Tag ist wichtig für Menschen, die nicht aussprechen wollen oder bis heute nicht aussprechen können, wie sehr ihnen das Erlebte auf dem Herzen liegt, der Tag ist wichtig, um das Erlebte und die Trauer zu verarbeiten.“

Volkstrauer-Gedenken in Rathenow. Quelle: Uwe Hoffmann

Am großen Kreuz auf dem evangelischen Friedhof trafen sich am Sonntag über 30 Rathenower, um den Toten zweier Weltkriege zu Gedenken. Der Erste Beigeordnete der Stadt, Hans-Jürgen Lemle erinnerte aber auch an die Opfer, die zurzeit in Kriegen sterben. Darunter viele Zivilisten, Soldaten und auch wieder deutsche Soldaten im Auslandseinsatz.

Mahnung und Versöhnung

„Die Überlebenden des Zweiten Weltkriegs gaben sich und für die künftigen Generationen das Versprechen, sich dafür einzusetzen, dass dies nie wieder geschieht“, so Hans-Jürgen Lemle. „An der lebenden Generation liegt es, zu fragen, wie es zu diesen Kriegen kommen konnte und dass so etwas nie wieder geschieht.“ Der Volkstrauertag sei ein Tag zur Mahnung und zur Versöhnung.

Landrat Roger Lewandowski bei der zentralen Feier des Kreises Havelland in Falkensee. Quelle: Tanja M. Marotzke

Musiker des Blasorchesters der Freiwilligen Feuerwehr Rathenow gestalteten die Gedenkveranstaltung. Die zentrale Gedenkveranstaltung des Landkreises mit Landrat Roger Lewandowski fand in diesem Jahr in Falkensee statt. In Milow gedachten die Menschen mit Pfarrer Christoph Sydich am gerade sanierten Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs und denen des Zweiten Weltkriegs, für die jetzt erstmals eine Namenstafel angebracht wurde.

Von Norbert Stein und Uwe Hoffmann

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