Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Havelland Kreative Szene tagt erstmals
Lokales Havelland Kreative Szene tagt erstmals
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 09.10.2017
Nach der Gesprächsrunde erkundete Kathrin Rentmeister mit Volker Blankenburg (.) und weiteren Künstlern die kreative Szene in den Askania Werken.   Quelle: Christin Schmidt
Anzeige
Rathenow

 Wilfried Löbel machte sich am Donnerstagnachmittag Luft. Der Chef der Askania Immobilienverwaltung hatte zu einer Gesprächsrunde in die ehemaligen Askania Werke eingeladen, um in großer Runde über die Suche nach einer neuen Bleibe für die kreative Szene der Stadt zu sprechen. „Seit 1996 hat sich niemand dafür interessiert, was hier passiert. Jetzt wo Bewegung in die Sache kommt, haben plötzlich alle kluge Sprüche“, stellte Löbel fest.

 32 Mieter gibt es derzeit in dem Gebäudekomplex. Davon nutzen 14 die Räume für Musik, Kleinkunst oder Sport. Sein Ziel ist es, so Löbel, die Bands und Künstler, die zum Teil seit vielen Jahren hier proben, bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten zu unterstützen.

Bürgermeister Seeger sichert Unterstützung zu

Auch die Stadtverwaltung will sich beteiligen und der kreativen Szene helfen. Das machten Bürgermeister Ronald Seeger (CDU) und die Leiterin des Sachgebiets Öffentlichkeitsarbeit, Kultur, Jugend und Sport, Katrin Rentmeister deutlich, die beide an dem Treffen teilnahmen. Auch Vertreter des Unternehmervereins und zahlreiche Mieter waren gekommen. Andere hatten aufgrund des Sturms abgesagt. Auf eine Stellungnahme des Landkreises und der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Rathenow (KWR) mussten die Anwesenden vorerst verzichten.Wie Löbel zu berichten wusste, habe die KWR aber bereits bekundet, sich einbringen zu wollen.

Eine Nachricht, die die Bands zum Teil erfreut, zum Teil verhalten aufnahmen. Bürgermeister Ronald versuchte zu beruhigen und wies daraufhin, das nichts entschieden ist, denn noch ist das Gebäude nicht verkauft. „Die Bands sind jetzt hier und sie bleiben auch erst einmal hier. Natürlich können wir schon darüber reden, welche Alternativen es gibt. Dazu sind wir jederzeit bereit“, betonte Seeger.

Kathrin Rentmeister ließ sich von Danny Musial, Volker Blankenburg und Marcel Böttger (v.l.) die Probenräume zeigen. Quelle: Christin Schmidt

Die Verwaltung hat bereits angefangen, die Anzahl und die Größe der Räume zu erfassen, die für Musik, Kunst und Sport benötigt werden, um den Bedarf zu ermitteln und nach einer geeigneten Immobilie zu suchen. „Fakt ist, alle Kreativen, die ihre Räume verlieren, müssen woanders unterkommen. Da sehe ich auch die Stadt in der Verantwortung. Das hier ist ein Stück Kulturlandschaft dieser Stadt und deshalb werden wir helfen“, machte Seeger deutlich.

Wie Wilfried Löbel auf Nachfrage erklärte, geht er davon aus, dass sich bis Ende 2018 nichts ändern wird. Bis dahin könnten die Bands ihre Räume nutzen. Dennoch sei es wichtig, rechtzeitig nach Alternativen zu suchen, so Marcel Böttger, Mitglied im Rathenower Bildungsausschuss und selbst Mieter in den Askania Werken. „Vielleicht ergibt sich eine Lösung, in die auch die Stadt bereit ist, mit Hilfe von Fördermitteln zu investieren.“ Böttger denkt dabei an eine Immobilie mit genug Platz für alle Bands und eine Kleinkunstbühne, so dass auch Kultur angeboten werden kann.

Die alte Musikschule ist als mögliche Alternative im Gespräch

„Mein Wunsch ist, dass die Bands zusammenbleiben können. Es wäre doch schön, wenn durch die aktuelle Situation neue Möglichkeiten entstehen“, erklärte Böttger optimistisch. Dabei erinnert er daran, dass die Rathenower Optis ebenfalls eine neue Bleibe brauchen.

Böttger regte außerdem an, noch einmal zu prüfen, ob nicht die alte Musikschule in der Großen Hagenstraße in ein kreatives Zentrum verwandelt werden kann. „Bevor die Abrissbirne das Gebäude wegreißt, sollte wir noch einmal beim Landkreis nachfragen. Ich finde es schade, dass ein solches Haus, das für die Musik geschaffen wurde, verfällt“, so Böttger. Auch andere sprachen sich für die alte Musikschule aus, darunter Löbel und René Hill, stellvertretender Vorsitzender des Bildungsausschusses.

„Was nach 2018 passiert wissen wir alle nicht und zwölf Monate sind schnell um, deshalb sollten wir jetzt in Ruhe darüber reden, wo wir hin wollen und können“, mahnte Hill. Zugleich versprach er, das Thema in den Bildungsausschuss zu tragen und mit dem Landrat über eine mögliche Nutzung der alten Musikschule zu sprechen.

In diesem Gebäudekomplex proben derzeit zahlreiche Bands. Bis Ende 2018 können sie vermutlich bleiben. Quelle: Christin Schmidt

Katrin Rentmeister erwähnte, dass der Eigentümer der ehemaligen Notunterkunft am Hasenweg, Interesse geäußert hat, dass Gebäude an Vereine zu vermieten. „Wir können nur vermitteln, die Konditionen müssen dann ausgelotet werden. Sollte es zu teuer werden, müssen wir prüfen, inwiefern die Stadt fördern kann“, so Rentmeister.

In jedem Fall müsse sich nun jemand an die Spitze des Vorhabens stellen, so Löbel. „Und dieser jemand muss aus den Reihen der Bands kommen“, ergänzte Fred Meier, zweiter Vorsitzendes des Unternehmervereins. „Ihr müsst jetzt aktiv werden und an potenzielle Investoren herantreten. Ihr könnt nicht von der Verwaltung erwarten, dass sie zu euch kommt. Wenn erst die eine oder andere Band abspringt, seid ihr nicht mehr stark genug. Ihr müsst jetzt zusammenstehen“, mahnte Fred Meier.

Nach einer zum Teil emotionalen Diskussion erklärte Wilfried Löbel, dass dieses Treffen keine Eintagsfliege gewesen sein soll. Er versprach einen Aktivitätenplan zu erstellen und lud bereits zum nächsten Treffen im Dezember ein.

Von Christin Schmidt

Im Ketziner Zentrum gibt es immer weniger Bäume. Viele sind eingegangen, weil im Zuge des Baus der Parkbuchten in den Wurzelbereich eingegriffen wurde. Jetzt stehen Nachpflanzungen an.

09.10.2017

Das Bild von der Eiche, die beim Sturm Xavier in der Rathenower Gartenstraße umstürzte und zwei Autos unter sich begrub, sorgte landesweit für Aufsehen. Erhard Niendorf, dem eines der Autos gehört, erzählte der MAZ, wie er das dramatische Geschehen vor seiner Haustür erlebt hat.

09.10.2017

MAZ-Schulreporter 2.0 geht im November mit 1250 Jugendlichen wieder an den Start. Die Schüler werden im Unterricht vier Wochen lang jeden Tag die MAZ lesen und viel über Medienkompetenz erfahren. In Zeiten von Fake News sei es wichtig, journalistisch recherchierte Nachrichten von gefälschten zu unterscheiden, sagt MAZ-Chefredakteurin Hannah Suppa.

06.10.2017
Anzeige