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Kreis kämpft digital gegen Hochwasserrisiko

Havelland Kreis kämpft digital gegen Hochwasserrisiko

Unaufhörlich schieben sich die digitalen Wassermassen von der Elbe in Sachsen-Anhalt bis vor die Tore Rathenows – was der Landkreis Havelland am Donnerstag als reine Theorie und Worst-Case-Szenario präsentierte, war im Jahr 2013 bereits zerstörerische Wirklichkeit. Das nun vorgestellte Hochwasser-Vorhersagemodell soll zur Früherkennung beitragen.

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Bastian Meltz, Christine Fliegner und Landrat Roger Lewandowski stürzten sich aufs Kartenmaterial.

Quelle: Sander

Havelland. Unaufhörlich schieben sich die digitalen Wassermassen von der Elbe in Sachsen-Anhalt bis vor die Tore Rathenows – was der Landkreis am Donnerstag als reine Theorie und Worst-Case-Szenario präsentierte, war im Jahr 2013 bereits zerstörerische Wirklichkeit.

Deichbruch bei Fischbeck

Damals brach der Deich bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt und plötzlich gerieten auch havelländische Landstriche in Gefahr, überschwemmt zu werden. Am 9. Juni wurde der Katastrophenfall ausgerufen, tatsächlich blieb die ganz große Katastrophe jedoch aus. So recht hätte damals wohl auch niemand reagieren können – nicht einmal der einberufene Krisenstab.

Das soll sich mit dem am Donnerstag vorgestellten Hochwasser-Vorhersagemodell ändern. Innerhalb einer Stunde kann das eigens entwickelte Computerprogramm künftig vorhersagen, wohin das Wasser in 24 Stunden fließt, sollte es zu einem erneuten Deichbruch kommen und das Havelland bedroht werden. „Natürlich können wir kein Hochwasser vorhersagen, sondern nur seine Folgen für die Gemeinden. Damals wussten wir zwar, dass das Wasser kommt, wie schnell und wo es das Havelland treffen würde, davon hatten wir keine Ahnung“, so Umweltamtsleiterin Christine Fliegner, die 2013 mit im Krisenstab saß.

Software berechnet Fließgeschwindigkeiten oder Strömungsrichtungen

Mit der Software, die sich aus einer Vielzahl von Daten speist, könnten bereits bei ersten Anzeichen eines drohenden Hochwassers Vorkehrungen getroffen werden. Bewohner könnten rechtzeitig evakuiert, Straßen frühzeitig abgesichert oder weitere Maßnahmen ergriffen werden, um schlimmere Schäden zu vermeiden. Anhand der gesammelten Daten berechnet die Software Fließgeschwindigkeiten oder Strömungsrichtungen. Grundlage sind unter anderem Straßenhöhen und Wasserstände, die die Experten in das System einpflegen.

„Wir haben 2014 damit begonnen die Daten zu sammeln. Mit insgesamt acht verschiedenen Stellen haben wir Nutzungsvereinbarungen getroffen – so etwas gab es noch nie“, weiß Projektleiter Bastian Meltz, der das System am Donnerstag vorstellte.

Drei-Tage-Vorhersage

Bis zu drei Tage im Voraus sei so eine Vorhersage möglich. „Bislang haben wir zwei mögliche Szenarien im System. Das wäre zum einen ein Deichbruch bei Klietznick und einer bei Parey an der Elbe“, sagte der Projektleiter. Die eingegebenen Daten werden zu einer Simulation umgewandelt, die im Fall eines Deichbruchs bei Klietznick prognostiziert, dass das Wasser nach etwa 48 Stunden bereits das Havelland erreichen könnte.

Nach 72 Stunden stünde die Gemeinde Zollchow im Milower Land unter Wasser. Treffen dann Wassermassen mit einer Fließgeschwindigkeit von 200 Kubikmetern pro Sekunde, wie sie während des Hochwassers 2013 gemessen wurden, auf die Havel, die in Spitzenzeiten ebenfalls Durchflüsse von 140 Kubikmetern pro Sekunde verzeichnet, dann wird es kritisch – auch für Rathenow und Premnitz.

Auf Zuarbeit angewiesen

„Wir sind auf die Zuarbeit der einzelnen Gemeinden angewiesen. Sie verfügen über die nötige Ortskenntnis“, so Meltz. In Zusammenarbeit mit den Kommunen könnten bereits weit vor einem drohenden Hochwasser Maßnahmen, wie beispielsweise entsprechende Sanierungsmaßnahmen ergriffen werden. Betroffene Kommunen erhalten die Hochwasserrisiko- und Gefahrenkarten mit beiden Szenarien in Papier- und in digitaler Form.

Noch 2017 soll das System, dessen Entwicklung sich der Kreis bislang 100 000 Euro hat kosten lassen, in einer Katastrophenschutzübung auf seine Funktionalität geprüft werden. In einer zweiten Phase sollen die Szenarien noch präzisiert und weitere Daten für ein größeres Berechnungsgebiet, das letztendlich rund 1500 Quadratkilometer umfassen soll, erhoben werden.

Von Laura Sander

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