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Diese Frau kämpft verbissen um ihr Kind

Rathenow Diese Frau kämpft verbissen um ihr Kind

Wenn zwei sich streiten, freut sich nicht immer ein Dritter. Die Auseinandersetzung zwischen den Eltern der kleinen Daria B. wurde auf dem Rücken des Mädchens ausgetragen. Darum holte das Jugendamt das Kin ins Heim. Inzwischen ist Daria bei ihrem Vater. Da will sie nicht bleiben – sagt die Mutter und wendet sich mit einem Brief an die Kreisverwaltung.

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Im Landratsamt Rathenow wird der offene Brief von Kristina Becker bearbeitet.

Quelle: Bernd Geske

Rathenow. Wahrscheinlich hoffte man im Jugendamt des Landkreises Havelland bereits, den Fall Daria B. nun abschließen zu können. Nun schlägt der Fall aber erneut Wellen. Auf dem Schreibtisch des persönlichen Referenten des Landrates Roger Lewandowski, Roman Lange, liegt ein Brief. Darin fordert Kristina Becker, die Mutter der kleinen Daria, Lange möge sich „als oberster Dienstherr des Jugendamtes“ mit „Unregelmäßigkeiten und Vergehen“ in der Behörde befassen.

Brief ist bekannt

Nun ist Roman Lange nicht Leiter des Jugendamtes sondern Referent des Landrates. Dennoch kennt er den Brief, das bestätigte am Donnerstag Kreissprecherin Caterina Rönnert. Aufsehen erregte der Fall, weil Kristina Becker ihre Geschichte in der WDR-Nachtsendung „Domian“ erzählen durfte. Wie immer in solchen Fällen, lässt das Jugendamt des Kreises einen tieferen Einblick nicht zu. Personen- und Datenschutz sind die Gründe. Erwiesen ist, dass es zwischen den Eltern der kleinen Daria zum Bruch kam und dass man sich über das Sorgerecht stritt.

Sorgerechtstitel im November 2013

Im November 2013 hatte das Jugendamt einen Sorgerechtstitel in der Hand, die kleine Daria sollte aus schwierigen Familienverhältnissen herausgenommen werden. So jedenfalls sah es die Behörde. „Alles Lüge“, sagt Kristina Becker nach wie vor. Man habe sie in der Sache gar nicht anhören wollen. Im Kinder- und Jugendheim sei es der kleinen Daria sehr schlecht gegangen.

Kristina Becker und ein Verband erhoben schwere Vorwürfe gegen die Kreisverwaltung, es wurde auch zu Demonstrationen vor dem Kinder- und Jugendheim und dem Landratsamt aufgerufen. Die Jugendverwaltung des Kreises wies die Vorwürfe allerdings stets zurück.

Ab in den Iran

Im November 2013 ging Kristina Becker mit ihrem Kind in den Iran. Wie es aussah, hatten Mitarbeiter des Jugendamtes keine Ahnung, wo Mutter und Kind schon seit Anfang des Monats waren. Nur der Kindsvater kontaktierte Kristina Becker, sagte ihr sie solle das Kind zurückbringen, es gebe einen Sorgerechtsentscheid. „Aber wieso sollte ich ihm glauben?“ sagt die Mutter. Klar war, Kristina Becker reiste mit der kleinen Daria zu einem Zeitpunkt in den Iran, als sie noch das volle Sorgerecht hatte.

Als sie später doch nach Deutschland zurück wollte – es gab Kontakt mit dem Jugendamt – brannte das Wohnhaus in Friesack ab. Mutter und Kind kamen in Baden-Württemberg unter, dort war das Jugendamt über den Fall informiert. Und dieses Jugendamt dort habe eine gute Prognose zum Mutter-Kind-Verhältnis abgegeben, sagt Kristina Becker.

Und dann doch ins Kinderheim

Dennoch habe das havelländische Jugendamt – wie Kristina Becker schreibt – „durch Falschangaben beim Amtsgericht Rathenow dafür gesorgt, dass mir als allein sorgeberechtigte Mutter in Abwesenheit das Sorgerecht entzogen wurde. Sodann hat es aufgrund von falschen Tatsachenbehauptungen Daria grundlos in das Kinderheim gebracht.“ Beim Vater ist Daria, weil das in einem Sorgerechtsstreit so entschieden worden war.

Kristina Becker bleibt dabei: „Daria wollte nicht zu ihrem Vater und will dort auch nicht bleiben. Es geht ihr schlecht. Angeblich, so ist aus dem offenen Brief zu erfahren, gibt es einen Brief von Daria, in dem die erklärt, ihr Vater habe sie geschlagen.

Freispruch im Strafverfahren

Neben dem Sorgerechtsstreit gab es auch ein Strafverfahren wegen Kindesentzug, weil Kristina Becker mit ihrer Tochter in den Iran gegangen ist. Von dem Vorwurf wurde sie allerdings freigesprochen, nachdem es im Strafverfahren widersprüchliche Aussagen von Mitarbeitern des Jugendamtes gab.

Caterina Rönnert machte am Donnerstag deutlich, dass Kristina Becker eine Antwort auf den offenen Brief erhalten werde.

Von Joachim Wilisch

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