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„Kritik ist teilweise berechtigt“

Interview mit Friesacks Amtsdirektor Christian Pust „Kritik ist teilweise berechtigt“

Nach seiner kürzlich erfolgten Wiederwahl als Friesacker Amtsdirektor spricht Christian Pust über die schwierige Feuerwehrdiskussion, die Verwaltung als Ideengeber für die Kommunen und die bevorstehende Gebietsreform. Am 1. August dieses Jahres beginnt seine zweite achtjährige Amtszeit.

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Christian Pust, Amtsdirektor.

Quelle: Andreas Kaatz

Friesack. Amtsdirektor Christian Pust wurde vor Kurzem vom Friesacker Amtsausschuss erneut auf diesen Posten gewählt. Die zweite Amtszeit beginnt am 1. August. Im Interview nimmt der 40-Jährige Stellung zu Vergangenem und Künftigem und übt dabei auch Selbstkritik.

Herr Pust, acht der zwölf anwesenden Ausschussmitglieder hatten für Sie gestimmt, einer dagegen. Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis der Wiederwahl oder haben Sie sich etwas Besseres vorgestellt?

Christian Pust: Nein, mit dem Ergebnis bin ich zufrieden. Als es zuvor darum ging, auf die Ausschreibung der Stelle zu verzichten, gab es neun Ja-Stimmen. Eine ist jetzt verloren gegangen, das bedauere ich sehr. Aber dafür war es jetzt auch eine Nein-Stimme weniger.

Reicht Ihnen das als Vertrauensbeweis?

Pust: Ja, ich sehe es als eine ausreichend tragfähige Grundlage. Bei der ersten Wahl 2008, als ich gegen Mitbewerber Karsten Schwab antrat und nur eine Stimme Vorsprung hatte, war es eine ganz andere Dramatik.

Im Nachgang bescheinigten Ihnen einige Bürgermeister zwar eine gute Entwicklung, stellten aber auch fest, dass Sie sich bei der Feuerwehrproblematik zu wenig mitgenommen gefühlt haben. Ist die Kritik berechtigt?

Pust: Die Kritik ist schon teilweise berechtigt. Warum lief es so holprig? Es war immer wie ein Tabu, das Thema Feuerwehr und die Schließung und Zusammenlegung von Standorten überhaupt anzusprechen. Viele wollten, dass alles so bleibt, wie es ist. Aber es zeigte sich, es kann nicht so bleiben. Vielleicht auch deshalb sagte ich mir, dass man auch mal mit dem Kopf durch die Wand muss. Es war nicht die elegante Lösung. Aber am Ende war der Gipfel des Konflikts die Lösung.

Wie meinen Sie das?

Pust: Als wir das von uns erarbeitete Konzept im Amtsausschuss vorstellten und lange darüber diskutiert wurde, merkten viele: Es ist kein theoretisches Machwerk, sondern das Konzept basiert auf Fakten. Da sind sinnvolle Gedanken eingeflossen. Einige meinten, dass sie kleinere Vorentscheidungen schon mitgetragen hätten, wenn sie das gewusst hätten. Damit war der Druck raus aus dem Kessel, es gab zumindest einen grundlegenden Konsens.

Also alles auf gutem Weg?

Pust: Ich denke, dass der Amtsausschuss das Konzept als Leitfaden angenommen hat. Aber natürlich wird es immer, wenn es um einzelne Wehren geht, die zur Disposition stehen wegen negativer Entwicklung, Diskussionen Konflikte und Gefechte geben. Dies hat seine Ursache aber vorrangig in der menschlichen und sozialen Anknüpfung. Von der rein feuerwehrfachlichen Planung wird es, so hoffe ich, keinen Flächenbrand mehr geben. Im Konzept steht genau drin, wie gehandelt werden muss, wenn dies und das passiert – im positiven wie im negativen Sinne.

Gibt es Dinge, auf die Sie besonders stolz sind im Nachhinein?

Pust: Das ist sehr vielschichtig. Ich vergleiche es immer gern mit einem Eisberg. Verwaltung wird immer wahrgenommen nach der Spitze, die aus dem Wasser schaut, nach den sichtbaren Projekten wie Straßen oder Spielplätze. Der größte Teil ist jedoch unter Wasser. Aber wenn sie den nicht haben, dann haben sie auch nichts, was oben schwimmt. Das, was unterhalb der Wasserlinie ist, ist der Hauptteil der Arbeit der Verwaltung, für den ich auch verantwortlich bin. Da passiert das Meiste.

Was gehört zur Spitze des Eisbergs?

Pust: Dazu zählen unter anderem die Sanierung der Dorfstraße sowie der Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Selbelang, der Ausbau der Birkenstraße in Haage, der Nauener Straße in Friesack und der Parkstraße in Wagenitz, die Erneuerung der Beleuchtung der Berliner Straße in Friesack, der Kitaanbau in Pessin oder der Hohenzollernpark. Mit der noch laufenden Sanierung der Deponie in Friesack gibt es zudem ein Projekt, das nicht ganz so wahrgenommen wird. Da ist es uns gelungen, mit deutlich weniger Geld auszukommen, als wenn wir eine Firma beauftragt hätten. Ein finanzieller Wert, der unermesslich ist. Friesack hätte es sich sonst auch nicht leisten können.

Sie sind Verwaltungschef und bekommen Aufträge von den Kommunen. Sehen Sie sich aber auch als Ideengeber?

Pust : Definitiv. In der Praxis kommen sehr viele Anstöße aus der Verwaltung, die den Gemeinden Empfehlungen gibt. Wünschenswert wäre es aber auch im Sinne eines Gleichgewichts, dass mehr Ideen aus den Kommunen kommen, dass die Bürgermeister sagen, was sie vorhaben und wie es sich umsetzen lassen könnte. Sonst hieße es ja, der Amtsdirektor ist ein Super-Bürgermeister, aber das ist er nicht. Er ist Verwaltungschef. In der zurückliegenden Amtsperiode gab es Gemeinden, wo das Amt 90 Prozent des Inputs gebracht hatte.

Welche Schwerpunkte sehen Sie in Ihrer neuen Amtszeit?

Pust: Damit die Einwohnerzahl zumindest stabil bleibt, muss der Fokus der Gemeinden darauf gerichtet sein, die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Damit die Leute sagen: Die Orte des Amtes sind attraktiv, so dass ich darüber nachdenke, sie künftig als Wohnsitz zu nehmen. Das betrifft zum einen die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und die Breitbanderschließung, die immer wichtiger wird. Angesichts der demografischen Entwicklung hat aber auch die medizinische Grundversorgung einen hohen Stellenwert. Hinzu kommt die Bereitstellung von Kita- und Schulplätzen in Verbindung mit der Erhaltung der Bausubstanz.

Ist dies nicht sehr optimistisch gedacht?

Pust: Ich stelle eine verhaltene Nachfrage nach Grundstücken im Amt fest – gerade von Jüngeren, die eine Familie gründen wollen. Angesichts der Preisentwicklung im berlinnahen Raum kann es sich auch nicht jeder leisten, dort zu bauen und schaut sich woanders um. Da klopfen sie dann die genannten Eckpunkte ab. Wir werden uns mit der Immobilien- und Baulandentwicklung verstärkt befassen müssen und auch dort, wo die Besitzer an ihren ruinösen Grundstücken nichts tun, planungsrechtlich einwirken, damit solche Grundstücke entwickelt werden.

Wie lange, glauben Sie, werden Sie Amtsdirektor sein angesichts der bevorstehenden Gebietsreform?

Pust: Das weiß ich nicht. Ich gehe davon aus, dass das vom Land ausgesprochene Ziel Ende 2019 erst einmal so steht. Aber auch wenn es zu Verwaltungszusammenlegungen kommt: Wir werden Verwaltungsstandorte in der Fläche behalten müssen, mit verändertem Leistungsangebot. Die Idee, dass Verwaltung nur noch auf elektronischem Wege funktioniert, ist aus heutiger Sicht einfach nur absurd.

Was sieht’s mit Ihrer Verwaltung heute aus? Stehen Erweiterungen oder Kürzungen an?

Pust: Wir werden angesichts der finanziellen Entwicklung wohl kaum erweitern können. Und wir sind jetzt auch an einem Personalstand angekommen, der nicht mehr kürzbar ist. Es hat schon jetzt zur Folge, dass die Personalvertretungsreserve knapp ist.

Es gab vom Friesacker Bürgermeisters Kritik daran, dass Sie an Festen in der Stadt gar nicht oder nur kurz teilnehmen. Wie sehen Sie das?

Pust: Mein Bemessungskriterium ist der Amtsbereich und da gibt es für die Stadt Friesack keine Privilegierung. Ich versuche im Rahmen des irgend möglichen einen Querschnitt zu machen, um bei gemeindlichen Veranstaltungen dabei zu sein.

Was hat für Sie Priorität?

Pust: Priorität haben für mich Dinge im Zusammenhang mit der Feuerwehr, denn die Kameraden sind in meinem Pflichtenkreis tätig. Es ist eine Form von Anerkennung und Respekt, wenn der Amtsdirektor oder ein hochrangiger Verwaltungsvertreter dort erscheint. Bei sonstigen gemeindlichen Veranstaltungen muss man respektieren, dass ich fünf Tage in der Woche im Rathaus bin und auch noch einen Rest Privatleben habe.

Von Andreas Kaatz

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