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Kündigung für regionalen Traditionsfleischer

Nauen Kündigung für regionalen Traditionsfleischer

Mandy Schröders Bistro im Nauener Karree schließt am Mittwoch für immer. Vor fünf Jahren war die Nauenerin in die Geschäftsräume gezogen, die jetzt einem Umbau weichen müssen. Alternative Räumlichkeiten am Standort hat die 44-Jährige ausgeschlagen – hier dürfte sie ihre regionalen Produkte nicht mehr verkaufen.

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Mandy Schröder und ihre Angestellte Roswitha Kluge (l.) öffnen das Bistro im Nauener Karree am Mittwoch zum letzten Mal.

Quelle: Laura Sander

Nauen. Vor fünf Jahren eröffnete Mandy Schröder ihr kleines Bistro im Nauener Karree. „Wir wollten uns vergrößern und ein Mittagsangebot schaffen. Unsere kleine Fleischerei in der Altstadt, die mein Mann noch heute betreibt, ist ein reiner Verkaufsraum und viel zu klein für den Imbissbetrieb“, so Schröder, die auf 140 Quadratmetern neben Frühstück und Mittagstisch noch bis Mittwoch die selbst produzierten Fleisch- und Wurstwaren anbietet. „Der Standort wurde toll angenommen und war immer gut besucht.“

All die Jahre lief es gut

Trotzdem hat die 44-jährige Nauenerin jetzt die fristlose Kündigung auf dem Tisch. Und das nicht etwa, weil der Laden die letzten Jahre nicht gut lief – Grund dafür sei vielmehr der baldige Umbau des Karrees. „Hier zieht ein großer Rewe-Markt ein. Mir wurde zwar eine andere Ladenfläche angeboten, allerdings nur unter der Bedingung, dass ich keine frische Wurst mehr anbiete und die Umbaukosten selber trage. Ich habe abgelehnt“, so Schröder. „Dass sich hier etwas tut, ist toll, allerdings finde ich die Umstände traurig. Meinem Vermieter gebe ich keine Schuld, aber hat ein etablierter Lebensmittelriese tatsächlich solche Angst vor einem kleinen Fleischer?“, fragt sich Schröder. „Weil der Supermarkt eine eigene Frischetheke bekommt, ist für den kleinen regionalen Handwerksbetrieb kein Platz mehr. Etwas Gewachsenes aus der Region und ein etabliertes Geschäft werden hier einfach kaputt gemacht“, sagt Claudia Seeligmann, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft. „Wir bedauern das sehr.“

Keine Angst vor Konkurrenz

Rewe dementierte gestern auf MAZ-Anfrage, etwas mit einer Absprache zu tun zu haben. „Konkurrenzsituationen sind im Lebensmitteleinzelhandel und in Einkaufszentren gang und gäbe. So finden sich etliche Beispiele, bei denen sich Rewe in einer Immobilie und somit in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem starken Discounter ansiedelt“, sagte Unternehmenssprecher Thomas Bonrath. „Ebenso vermietet Rewe häufig im Vorkassenbereich an einen regionalen Bäcker unter, obwohl ein Supermarkt ein großes Backwarensortiment hat. Ganz klar ist also, dass Rewe keinen regionalen Fleischer in der Umgebung fürchtet“, so der Unternehmenssprecher weiter.

Fleischerei Sommerfeld

Die Fleischerei Sommerfeld ist in Nauen ein Begriff für lange Handwerkstradition. 1919 gründete Max Sommerfeld seinen Betrieb in Berlin Mitte.

In Nauen ist die Familie seit 1935 in der Lazarettstraße 10 ansässig. Bis heute sind noch die originalen Fliesen und Fleischerhaken aus dem Jahre 1715 zu bestaunen.

Inhaber der Traditionsfleischerei ist heute Jörg Schröder.

Kündigung für 5 Angestellte

Warum Mandy Schröder trotzdem bis zum 31. August aus dem Karree raus muss, bleibt unklar. Die zuständige Nauener Hausverwaltung war für eine Stellungnahme am Montag nicht zu erreichen. Wo sich in der Mittagszeit ihre Stammkunden künftig treffen werden, weiß Schröder nicht. „Mein Imbiss war vor allem Anlaufpunkt für viele Handwerker und ältere Leute, die hier einen Ort hatten, an dem sie mit anderen Menschen in Kontakt kommen konnten. Die vielen Parkplätze vor Ort waren ideal“, sagt die geborene Nauenerin, die gemeinsam mit Mann Jörg Schröder 90 Prozent der Wurstwaren selbst produziert. Auch ihre fünf Angestellten kann die 44-Jährige nicht länger beschäftigen. „Wir waren ein tolles Team und haben gerne zusammengearbeitet. Drei meiner Mitarbeiterinnen haben schon einen neuen Job gefunden, das freut mich natürlich“, so Schröder. „Ich habe mich hier von Anfang an wohlgefühlt, hatte hier endlich auch genug Platz für die Catering-Vorbereitungen. Einen konkreten Plan für die Zukunft habe ich bislang nicht – nur eine vage Idee, wie es weitergehen könnte.“

Von Laura Sander

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